Deutsche Börse Photography Prize für Samuel Fosso  |  | Samuel Fosso hat den Deutsche Börse Photography Foundation Prize erhalten | |
Der Deutsche Börse Photography Foundation Prize geht in diesem Jahr an Samuel Fosso. Der 1962 in Kamerun geborene Afrikaner konnte sich gegen die Finalist*innen Bieke Depoorter, Arthur Jafa und Frida Orupabo durchsetzen und hat gestern in der Londoner Photographers’ Gallery die mit 30.000 Pfund dotierte Auszeichnung erhalten. Shoair Mavlian, Juryvorsitzende und Direktorin The Photographers’ Gallery, führte in der Begründung aus: „Fossos intensive Erforschung des Selbstporträts beruht auf einem traditionellen, in der Geschichte verwurzelten Ansatz des Studiobildes. Zugleich bleibt seine Arbeit relevant und spricht mit Humor und Authentizität aktuelle politische Themen an. Mit ihr hat Fosso im Laufe seiner Karriere für schwarze Stimmen und Künstler*innen eine außergewöhnliche Plattform geschaffen.“
Samuel Fosso beschäftigt sich mit einer alten Gattung der Kunst: dem Selbstportrait. Seine Retrospektive in der Maison Européenne de la Photographie, für die er nominiert wurde, zeigte den Künstler besonders vielseitig. So schlüpfte Fosso unter anderem für seine Serie „African Spirits“ in die Rollen schwarzer Freiheitskämpfer*innen wie Martin Luther King, Angela Davis, Malcolm X oder Nelson Mandela und nahm täuschend echt deren männliche oder weibliche Identität an. Zudem inszenierte er sich in klassischen Archetypen verschiedener Generationen, etwa in der Werkreihe „70s Lifestyle“, und schuf damit eine Studie zum Zustand der Menschen in Afrika. Damit führt er anschaulich vor Augen, welche Rolle die Fotografie bei der Konstruktion von Mythen einnimmt.
Das macht Samuel Fosso schon recht lange. Im Alter von dreizehn Jahren eröffnete er 1975 sein eigenes Studio Photo Nationale in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, und machte sich als Porträtfotograf selbstständig. Um kein wertvolles Filmmaterial zu verschwenden, fertigte er nach Dienstschluss Bilder von sich selbst an und ahmte schon damals mit ausgefallenen Kleidungsstücken und Accessoires genderübergreifend Figuren und Personen nach, die er in illustrierten Magazinen entdeckte. Für Fosso ist das eine zutiefst persönliche Arbeit: „Indem ich später im Leben Bilder von mir selbst machte, konnte ich mir das zurückholen, was mir als Kind gefehlt hatte, ich konnte mir mein Spiegelbild zurückholen.“
Die Arbeiten Samuel Fossos und die der übrigen Finalist*innen Bieke Depoorter, Arthur Jafa und Frida Orupabo, die sich über ein Preisgeld von je 5.000 Pfund freuen können, sind noch bis 11. Juni in The Photographers’ Gallery in London zu sehen. Danach wandert die Schau ins Muzeum Fotografii w Krakowie nach Krakau. |