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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

In der Auktion mit alter Druckgrafik folgten die Kunden nicht immer den Vorstellungen von Bassenge. Dennoch behauptete der Berliner Versteigerer seine Marktführerschaft in Deutschland wieder eindrucksvoll

Ein altes Lied mit Folgen



Albrecht Dürer,  Das Rhinozeros, 1515

Albrecht Dürer, Das Rhinozeros, 1515

Da haben die Kunden die Vorstellungen von Bassenge doch ganz schön durcheinander gewirbelt: Bei höher taxierten Blättern der Auktion „Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts“ legten sie häufig eine gewisse Zurückhaltung an den Tag, bei den günstigeren Arbeiten griffen sie dann aber beherzt zu. Das bekam etwa Albrecht Dürer zu spüren. Schon gleich die erste seiner insgesamt 29 Positionen, der um 1496/97 entstandene markante Holzschnitt „Samson töten den Löwen“, konnte sich von 4.500 Euro auf 9.500 Euro verbessern, dann zudem noch seine mit den biblischen Personen dicht gedrängte „Kreuztragung“ aus der „Großen Holzschnittpassion“ von 3.000 Euro auf 6.000 Euro oder „Die Flucht nach Ägypten“ in wundersam gestalteter Flora aus dem „Marienleben“ von 4.500 Euro auf 10.000 Euro. Diesen Wert gab es zudem für seinen klaren Frühdruck des Holzschnitts „Der heilige Christophorus“ von 1511, der mit 8.000 Euro veranschlagt war. Als Favorit bei Dürer ging die religiöse Vision „Das babylonische Weib“ aus der Apokalypse in einem der frühesten Abzüge noch vor dem Text ins Rennen. Doch aus den angedachten 18.000 Euro wurde nichts; die Gebote stoppten schon bei 15.000 Euro. Auch für die fantasievolle Schöpfung „Das Meerwunder“ blieben nur 8.000 Euro übrig, so dass der ebenfalls mit 12.000 Euro bewertete Holzschnitt „Das Rhinozeros“ von 1515 bei 20.000 Euro die Spitzenposition der Dürer-Suite einnahm.


Auch bei Rembrandt, dem zweiten Grafik-Großmeister der Versteigerung vom 7. Juni, gab es einiges Auf und Ab. Los ging es mit drei Selbstportraits, wobei das „Selbstbildnis mit Saskia“ von 1636 nur auf 6.000 Euro kam (Taxe 8.000 EUR), das zwei Jahre jüngere „Selbstbildnis mit federgeschmücktem Barett“ leicht um 100 Euro auf 3.600 Euro zulegte, das ovale „Selbstbildnis mit dem Federbusch“ von 1634 dann aber auf 19.000 Euro schoss (Taxe 7.500 EUR). Trotz der Seltenheit eines Frühdrucks blieben an der ovalen Kaltnadelradierung „Christus am Kreuz zwischen den Schächern“ um 1641 nur 20.000 Euro hängen (Taxe 30.000 EUR). Diese Scharte machte dann aber Rembrandts beliebtes Blatt „Christus lehrend, genannt La petite Tombe“ um 1657 mit einem Zuwachs von 8.000 Euro auf 22.000 Euro wieder wett. Den Tageshöchstpreis gab es zudem für das Bildnis des gestandenen „Mennonitenprediger Cornelis Claesz Anslo“ von 1641 aus der wichtigen holländischen Sammlung Joseph R. Ritman (Taxe 18.000 EUR). Anders als bei Dürer, bei dem alle Lose übernommen wurden, blieb bei Rembrandt gerade die teuerste Arbeit liegen: die immer noch nicht vollständig gedeutete Radierung „Gelehrter in seiner Stube, genannt Faust“ sollte als Favorit der Auktion 40.000 Euro einspielen und ist im Nachverkauf für 30.000 Euro noch zu haben.

Alte Meister

Den Auftakt der Auktion machte Heinrich Aldegrevers alttestamentliche Frauengestalt „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von 1528 bei 400 Euro (Taxe 600 EUR), der die neutestamentliche Szene „Mariä Verkündigung“ des gebürtigen Paderborners von 1553 bei guten 1.400 Euro folgte (Taxe 1.200 EUR). Bei der frühen deutschen Renaissance-Kunst überzeugten noch Albrecht Altdorfer mit seinem Holzschnitt der thronenden „Madonna, von einem Geistlichen verehrt“ aus dem Jahr 1520 bei 1.900 Euro (Taxe 1.800 EUR) und Hieronymus Hopfer, der bei seiner Eisenradierung „Die Entführung auf dem Einhorn“ eine Erfindung Dürers mit eigener Signatur seitenverkehrt wiederholte, bei 5.000 Euro (Taxe 2.400 EUR). Noch spätgotisch waren Martin Schongauers „Grablegung“, das zehnte Blatt aus seiner Passionsfolge, für 2.200 Euro und sein seltener Kupferstich „Der heilige Antonius“ mit Glocke und Schwein für 2.800 Euro (Taxe je 2.400 EUR).

Bei Lucas van Leyden blieb abermals nichts liegen; die Interessenten kürten seine alttestamentliche Erzählung „David spielt vor Saul die Harfe“ von 1508 bei 8.500 Euro zu ihrer Lieblingsposition (Taxe 6.000 EUR), übersahen aber auch seinen feschen „Fahnenträger“ von 1510 bei 2.200 Euro nicht (Taxe 750 EUR). Die niederländische Schule hatte zudem noch Pieter van der Heydens mit skurrilen Schöpfungen überhäuften Kupferstich „Desidia“, das zweite Blatt aus der nach Pieter Bruegel d.Ä. gestochenen Folge „Die Sieben Todsünden“ von 1558, für 9.500 Euro zu bieten (Taxe 3.000 EUR), ebenso die manieristische Werkgruppe „Die Sieben Planeten“, die der Antwerpener Kupferstecher Jan Collaert d.J. nach Zeichnungen Jan van der Straets ausführte. Die acht gleichmäßigen und scharfen Frühdrucke wurden mit 7.500 Euro umworben (Taxe 3.500 EUR). Bei Hendrick Goltzius war der Zuspruch geteilt. Während sein symbolreicher Clair-obscur-Holzschnitt „Der Demogorgon in der Höhle der Ewigkeit“ um 1588/90 bei 11.000 verharrte (Taxe 12.000 EUR), konnten das ebenfalls ovale Bildnis von Albert Fransz Schatter aus dem Jahr 1581, der in Haarlem das Gasthaus „Oranje Appel“ betrieb, leicht von 4.000 Euro auf 4.400 Euro und der Kupferstich des antiken sagenhaften und opferbereiten Soldaten Marcus Curtius aus der Folge der „Römischen Helden“ deutlich von 600 Euro auf 2.600 Euro zulegen.

Bei den Italiener und ihren französischen Kollegen waren die hören Ausfälle zahlreicher. So konnte sich niemand für Domenico del Barbieris geflügelte weibliche Allegorie der „Gloria“ nach Rosso Fiorentino (Taxe 6.000 EUR) oder Pierre Milans folgenschwere Liebeständelei „Jupiter und Callisto“ nach Francesco Primaticcio erwärmen (Taxe 5.000 EUR). Auch Jacques Bellanges manieristische Radierung „Die heilige Familie mit Anna und Maria Magdalena“ mit ihren eigentümlich gelängten Personen fand keinen Abnehmer (Taxe 7.500 EUR), ebenso Agostino Venezianos gleichmäßig abgezogener Kupferstich „Der heilige Hieronymus mit dem Löwen“ (Taxe 2.400 EUR) und sein Memento mori „Die alte Frau zur Grube gehend“ von 1528 (Taxe 3.500 EUR). Nicolò della Casas „Selbstbildnis des Baccio Bandinelli“, der seinen Bildhauerkollegen in den 1540er Jahren mit zahlreichen Figuren in einem Kupferstich verewigte, ging zwar weg, musste aber eine Abschlag von 4.500 Euro auf 3.500 Euro hinnehmen.

Auf der Habenseite standen dann aber Giulio Campagnolas groß in einer Landschaft aufragender, verhärmter „Johannes dem Täufer“ um 1500/10, von dem weltweit nur rund dreißig Exemplare bekannt sind, mit 8.500 Euro (Taxe 6.000 EUR) oder Enea Vicos würdevolle, beinahe statuarische „Heilige Familie mit der heiligen Elisabeth, dem Johannesknaben und einer Märtyrerin“ mit Palmwedel von 1542 bei 6.500 Euro (Taxe 3.500 EUR). Vor allem die italienischen Barockkünstler waren begehrt. Der Florentiner Stefano della Bella reüssierte mit seiner selten vollständigen Suite „Les cinq Morts“. Die um 1648 gedruckten fünf Radierungen, in denen der Tod als grausiges Skelett Menschen jeglichen Alters aus dem Leben reißt, schnellten von 3.500 Euro auf 11.000 Euro. Dem stand Giovanni Benedetto Castiglione mit seinen „Großen Orientalenköpfen“ kaum nach. Bei den drei Blättern der Folge konzentrierte sich die Kundschaft auf den nach vorn gebeugten bärtigen Alten mit Kappe und hoben ihn auf 8.200 Euro (Taxe 1.200 EUR).

Das 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert behielten wiederum die Italiener die Oberhand. Da war zunächst Bernardo Bellotto mit seinen beiden Veduten aus dem sächsischen Kurfürstentum: Die „Perspective de la Facade de la Roiale Eglise Catolique, avec une part du Palais…“ aus Dresden erreichte 3.000 Euro (Taxe 4.000 EUR), die „Vue des remparts de Sonnenstein“ bei Pirna unerwartete 4.600 Euro (Taxe 3.500 EUR). Sein Onkel Giovanni Antonio Canal wurde gleichfalls hofiert und setzte mit seinem venezianischen Architekturcapriccio „Der Portikus mit der Laterne“ einträgliche 5.500 Euro um (Taxe 4.500 EUR). Giovanni Battista Piranesi ist mit seinen Rom-Ansichten meist eine sichere Bank. Diesmal platzierte sich aber „Der Treppenaufgang mit den Trophäen“ um 1749 aus den „Carceri d’invenzione“ bei 4.000 Euro an der Spitze seiner Arbeiten (Taxe 4.500 EUR).

Die höchsten Preise des 18. Jahrhunderts erwirtschaftete die Familie Tiepolo. Während es für „Die heilige Jungfrau erscheint dem heiligen Simon Stock“, die Giovanni Domenico Tiepolo 1753 nach einem Deckenfresko seines Vaters Giovanni Battista Tiepolo in der Scuola dei Carmini in Venedig stach, nur 9.000 Euro gab (Taxe 12.000 EUR), verbuchte sein geistreiches Studienblatt „Figure de nani e cani I“ von 1774 gute 5.500 Euro (Taxe 4.500 EUR). Sein Bruder Lorenzo Tiepolo trumpfte schließlich richtig auf. Bei seinem in kühner Untersicht erstellten Blatt „Il Trionfo di Venere“ bezog er sich auf seinen berühmten Vater und heimste damit hohe 21.000 Euro ein (Taxe 7.500 EUR).

Bei diesem Zuschlag konnten andere Ländern nicht mithalten. Frankreich hatte etwa Louis Carmontelles Doppelbildnis von Louis-Philippe, Duc d’Orléans, und seines Sohnes Louis-Phillipe-Joseph, Duc de Chartres, von 1759 für 3.200 Euro (Taxe 3.500 EUR), Edme Quenedeys Portrait des jungen Wolfgang Amadeus Mozart für 2.200 (Taxe 1.200 EUR) oder Jean-Etienne Liotards geschmackvolles Schabkunstblatt „Das kleine Selbstbildnis“ um 1781 für 4.000 Euro zu bieten (Taxe 4.500 EUR), musste aber auf François Bernard Lépiciés „La fillette au volant“ von 1742 verzichten (Taxe 6.000 EUR). Als eine der wenigen Künstlerinnen machte in der Auktion Maria Katharina Prestel auf sich aufmerksam, die für ihr Sinnbild „Die Wahrheit triumphiert über den Neid“ in drei Brauntönen mit Goldhöhung nach Jacopo Ligozzi von 1781 gute 5.000 Euro einnahm (Taxe 2.400 EUR). Deutlich nach oben entwickelten sich die Gebote zudem bei Carl Wilhelm Kolbe d.Ä. und seiner frühromantischen Radierung „Arkadische Landschaft mit Rundtempel“ und charakteristischer mächtiger Eiche mit 4.600 Euro (Taxe 750 EUR). Aus Spanien trat dann noch Francisco de Goya hinzu, dessen früher Abzug der erschreckenden nächtlichen Hinrichtungsszene „El Agarrotado“ von etwa 1778 mit 8.000 Euro gut lief (Taxe 6.000 EUR).

Das 19. Jahrhundert

Vom Angebot der Neueren Meister wurde am wenigsten veräußert: Lag die Zuschlagsquote nach Losen für die Alten Meister noch fast bei drei Vierteln, sank sie bei 18. Jahrhundert schon auf Zweidrittel ab und fiel beim 19. Jahrhundert nochmals auf 61,7 Prozent. Die Preise gingen nicht über 3.000 Euro hinaus. Die erwirtschaftete zunächst Peter Ilsted mit dem schön häufiger wohlwollend übernommenen Bildnis seines Schwagers Vilhelm Hammershøi aus dem Jahr 1900 (Taxe 2.400 EUR), dann August Brömse mit seiner nächtlichen Wahnvorstellung „Im Park“ von 1902, in der ein fiedelnder Tod eine junge Frau überrascht (Taxe 450 EUR), und dann noch Joseph Uhl mit der Radierfolge „Per Aspera ad Astra“ von 1921, mit der er den Versuch unternommen hat, „die innere Entwicklung des zur Höhe strebenden Menschen in künstlerischer Form dazustellen“ (Taxe 4.000 EUR).

Bei Ilsted kam das farbige Schabkunstblatt eines stillen Zimmers mit der Rückenfigur einer sitzenden Frau unter dem einfallenden „Sonnenschein“ auf 1.700 Euro (Taxe 1.500 EUR), bei Brömse ein weiterer geigender Tod unter dem Titel „Ein altes Lied“ auf 1.300 Euro (Taxe 450 EUR). Max Klingers sechs symbolistische Radierungen „Eva und die Zukunft“ in der Originalmappe der sechsten Ausgabe von 1898 mussten einige Federn lassen und harrten stur bei 1.800 Euro aus (Taxe 2.400 EUR). Frédéric Villots singender alter Mann mit einer Drehleier, laut gestochener Inschrift eine Radierung aus dem Jahr 1847 nach einem Gemälde von Bartolomé Esteban Murillo, verzieht im Eifer des Musizierens sein Gesicht grimassenhaft, vielleicht auch der Einlieferer, der statt der erwarteten 1.800 Euro hundert Euro weniger erhalten hat. Insgesamt setzte Bassenge mit der Auktion gut 1,1 Millionen Euro brutto um und liegt damit in etwa auf Vorjahresniveau.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



16.07.2023

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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