Louvre erwirbt Frühwerk Johann Heinrich Danneckers  |  | Johann Heinrich Dannecker, Die Drei Parzen, um 1794 | |
Das Musée du Louvre in Paris hat die Terrakottagruppe „Drei Parzen“ des Bildhauers Johann Heinrich Dannecker erworben. Das filigrane und um 1794 datierte Frühwerk des Klassizisten entstand als Modell für eine Pendule mit den drei Gestalten der Clotho, Lachesis und Atropos. Die Plastik mit den Maßen 54 auf 36 auf 20 Zentimeter konnte bei einer Versteigerung des Stuttgarter Auktionshauses Nagel im Dezember 2020 für die Skulpturensammlung des Pariser Museums angekauft werden. Der Zuschlagspreis lag bei 24.000 Euro, mit Aufgeld kamen 31.100 Euro zusammen. Veranschlagt waren 5.000 bis 8.000 Euro. Die Terrakotta stammt aus der Sammlung des Kunsttischlers Johannes Klinckerfuß (1770-1831), der sie wahrscheinlich direkt von Dannecker übernommen hat.
Die fein gearbeitete Terrakotta ist repräsentativ für Danneckers Kunst. Sie bezieht sich auf eine Zeichnung des deutschen Bildhauers, die er nach seiner Rückkehr aus Rom 1791 zu den Drei Parzen schuf. Sie sollten in den Auftrag der Herzogin Franziska von Hohenheim, der offiziellen Mätresse und späteren zweiten Ehefrau von Herzog Carl Eugen von Württemberg, für eine Tischuhr einfließen. Der 1758 in Stuttgart geborene Künstler bezieht sich auf die traditionelle Ikonografie der Drei Parzen: Clotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis hält ihn und Atropos schneidet ihn ab. Dannecker verwandelt die drei Schicksalsgöttinen aber eher in melancholische Musen – dank eines „leichten Lyrismus, den der Fluss der Kleider und die Weichheit der Körper“ evoziert, so die Mitteilung des Louvre.
Die drei jungen Frauen in antikischer Kleidung sind um die sitzende Clotho gruppiert. Hinter der Spinnerin steht eine der Parzen und blickt gemeinsam mit ihrer Schwester zur schlafenden Dritten herab. Letztere sitzt mit geneigtem Leib auf einem Stufenpodest und legt ihren Kopf auf Clothos Beinen ab. Ihr Kopftuch umhüllt ihr Antlitz und führt zum Bogen des Leibes nahtlos weiter. Derart gelang es Dannecker, die Figurentrias in einer intimen Szene wiederzugeben und sie in einer ovalen Komposition eng miteinander über Bögen und Blicke zu verbinden. Die leichten Stoffe ihrer ärmellosen Gewänder umspielen dabei in schlanken Falten die jungen Leiber.
Mit dem Erwerb der klassizistischen Terrakotta Danneckers für die Skulpturensammlung des Louvre findet sich nun auch ein deutsches Beispiel dieser Epoche im Museum, das zuvor fehlte. Die Plastik tritt nun in einen Dialog mit den Werken der Sammlung nordischer Terrakotten des 17. und 18. Jahrhunderts sowie mit damaligen französischen Arbeiten, darunter Pendulemodellen von Joseph Chinard. |