Leopold Museum erinnert an Max Oppenheimer Mit einer groß angelegten Schau würdigt das Leopold Museum in Wien seit dem Wochenende das Schaffen Max Oppenheimers. Mit der Retrospektive will Museumsdirektor und Kurator Hans-Peter Wipplinger das „unbekannte und gleichermaßen überraschende Œuvre neu erschließen und diese für die Moderne so wichtige Künstlerpersönlichkeit wiederentdecken“. Dafür hat Wipplinger rund 180 Exponate zusammengetragen, die zeigen, wie der 1885 in Wien geborene Maler und Grafiker immer wieder seine künstlerische Handschrift transformierte und einen substanziellen Beitrag zur Kunst der Moderne leistete.
Mit seinen Beteiligungen an der legendären Kunstschau Wien im Jahr 1908 sowie der Internationalen Kunstschau Wien von 1909 erlangte Max Oppenheimer bereits früh Aufmerksamkeit und stellte seine Gemälde, die von Porträts über religiöse Themen und Stillleben bis zu Musikerdarstellungen reichen, europaweit aus. Seine erfolgreiche Karriere führte ihn zwischen 1912 und 1932 mehrfach ins Ausland. Zudem machte er Bekanntschaft mit zahlreichen Protagonisten der Moderne wie Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Paul Cassirer, Adolf Loos oder Sigmund Freud und setzte sich mit zukunftsweisenden Kunstströmungen wie Kubismus oder Futurismus auseinander. Als Jude musste Oppenheimer 1938 vor den Nationalsozialisten über die Schweiz in die USA fliehen, wo er 1954 in New York starb.
Der Auftakt der Schau ist der Porträtmalerei gewidmet. Max Oppenheimer orientierte sich um 1910 an der Neuausrichtung der Wiener Kunstszene, legte seinen Fokus auf die Erfassung der Wesenszüge der Porträtierten und malte zunehmend expressionistischer, wobei El Greco, Rembrandt oder Max Liebermann zu seinen Vorbildern zählten. Die gesteigerte Expressivität macht etwa das Bildnis seines Freundes Egon Schiele von 1910 mit den gekrümmten Händen deutlich. Schiele wiederum portraitierte Oppenheimer im selben Jahr ebenso exaltiert. Die anfängliche Freundschaft mit Oskar Kokoschka endete abrupt im Jahr 1911: Oppenheimer gestaltete für seine Ausstellung in der renommierten Münchner Galerie Thannhauser ein Plakat mit einem versehrten nackten Mann, woraufhin Kokoschka ihn des Plagiats bezichtigte.
Christlich und mythologisch aufgeladene Arbeiten wie „Simson“ von 1911, „Die Geißelung“ oder „Beweinung“ von 1913 zeigen, wie sich Max Oppenheimer aufgrund von erlittenen Verletzungen durch Kokoschkas Hetzkampagne, wegen des aufkommenden Antisemitismus oder auch seiner Homosexualität als Leidender inszenierte. Nach anfänglicher Hoffnung auf eine klärende Kraft des Ersten Weltkriegs erkannte Oppenheimer diese als Illusion und begab sich 1915 als überzeugter Pazifist ins Schweizer Exil. Hier setzte er sich intensiv mit musikalischen Themenwelten auseinander und portraitierte 1917 unter anderem das „Klingler-Quartett“ nur als dicht gedrängten Ausschnitt der Instrumente und Hände der Musiker.
1925 übersiedelte Max Oppenheimer nach Berlin. In einer von Gegensätzen geprägten Epoche – Resignation und Anklage auf der einen, Sehnsüchte und Lebenslust auf der anderen Seite – vereinte er in seinen Bildern vom Amüsement der Großstadtgesellschaft neusachliche Aspekte mit futuristischen Stilmitteln. Als Maler mit jüdischen Wurzeln und als „entarteter Künstler“ in Deutschland verfemt, wurden seine Werke unter den Nazis aus öffentlichen Sammlungen konfisziert. Zahlreiche Werke wurden vernichtet, andere gelten bis heute als verschollen. 1932 kehrte Oppenheimer nach Wien zurück, war aber sechs Jahre später durch den Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich zur Flucht gezwungen. Die Entwurzelung fern der Heimat hatte Apathie und einen weitgehenden Stillstand seiner Kreativität zur Folge. Als Max Oppenheimer 1954 aus dem Leben schied, war er vereinsamt und verarmt.
Die Ausstellung „Max Oppenheimer. Expressionist der ersten Stunde“ ist bis zum 25. Februar 2024 zu sehen. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 11 Euro bzw. 2,50 Euro. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König kostet 39,90 Euro.
Leopold Museum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
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