Geniale Frauen triumphieren in Hamburg  |  | Catharina van Hemessen, Selbstporträt an der Staffelei, 1548 | |
Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg würdigt mit einer Ausstellung derzeit die Leistungen von Künstlerinnen in der Frühen Neuzeit. Kuratorin Katrin Dyballa nimmt dabei vor allem den Werdegang der Frauen in den Fokus. So wird etwa der familiäre Kontext thematisiert, in dem die Malerinnen ihre Karrieren verfolgten. Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen zeichnen dabei ein Bild der jeweiligen Weggefährten, die für den Aufstieg der Künstlerinnen wichtig waren. Denn eine Künstlerkarriere einzuschlagen, war für Frauen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert nicht unmöglich, jedoch nicht vorgesehen und unterlag deshalb stets besonderen Herausforderungen. Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus Renaissance, Barock und Klassizismus von 29 weiblichen Stars und Unbekannten wie Anna Barbara Abesch, Mary Beale, Maria Faydherbe, Lavinia Fontana, Louise Moillon, Marietta Robusti, genannt La Tintoretta, Diana Scultori, Anne Vallayer-Coster oder Angelika Kauffmann.
Die Ausstellung startet fulminant mit dem Porträt von Catharina van Hemessen, dem frühesten Selbstbildnis, auf dem sich ein Maler oder eine Malerin arbeitend an der Staffelei darstellt. Katharina erhielt ihre Ausbildung in der Antwerpener Werkstatt ihres Vaters Jan Sanders van Hemessen. Auch er malte Bildnisse, doch übertraf ihn seine Tochter auf diesem Gebiet. Für viele Malerinnen geriet nach der Eheschließung das produktive künstlerische Schaffen in den Hintergrund, wie etwa die Biografie Judith Leysters zeigt. Sie hatten sich um die familiären Pflichten zu kümmern oder arbeitete anonym in der Werkstatt ihres Mannes, obwohl sie, wie ihr „Lustiger Zecher“ von 1630 belegt, eine versierte Malerin war. Nach ihrer Heirat 1636 trat Judith Leyster in das Atelier ihres Ehemannes Jan Miense Molenaer ein. Sie war weiterhin künstlerisch tätig, doch signierte sie ihre Werke nicht mehr, so dass ihr Anteil an den Werkstattarbeiten heute nur noch schwer auszumachen ist.
Mehrere Künstlerinnen brachten es bis zur Hofmalerin, darunter Sofonisba Anguissola, die den spanischen König Philipp II. und seine Familie in zahlreichen Porträts festhielt. Sie stammte aus einer Cremoneser Adelsfamilie und erhielt mit ihren Geschwistern eine umfassende humanistische Ausbildung, die Kunst, Musik und Literatur einschloss. Der Künstler Bernardino Campi brachte ihr das Malen bei, allerdings in privaten Räumen, wie es Sitte und Anstand verlangten. In Hamburg ist ein frühes und ungemein einfühlsames Porträt von Sofonisba Anguissola zu sehen. Es zeigt ihre Schwester Elena nach ihrem Eintritt in das Dominikanerinnenkloster von Mantua. Eine Ausnahmekarriere war der Blumenmalerin Rachel Ruysch beschieden, denn sie und ihr Ehemann brachten es jeweils zum Hofmaler. Beide waren für den Düsseldorfer Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz-Neuburg tätig. Doch nahm sich Juriaen Pool für seine talentiertere Frau zurück: nur wenige Werke sind überhaupt von Rachel Ruyschs Mann heute noch bekannt.
Die Ausstellung „Geniale Frauen. Künstlerinnen und ihre Weggefährten“ ist bis zum 28. Januar 2024 zu sehen. Das Bucerius Kunst Forum hat täglich von 11 bis 19 Uhr sowie donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Zur Schau erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog, der im Ausstellungshaus 39,90 Euro kostet.
Bucerius Kunst Forum
Alter Wall 12
D-20457 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 – 36 09 96 0 |