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Marktberichte |
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Alte Meister im Dorotheum: Mit einer Raffael-Zeichnung rückt der Wiener Versteigerer nah an die Marktführer Sotheby’s und Christie’s heran. Doch das Blatt ist nicht das teuerste Kunstwerk der Auktion  Beim Schummeln erwischt

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 |  | Raffael, Raffael, Studie für die „Schlacht an der Milvischen Brücke“: ein Reiter und Kopf und Auge eines Pferdes | |
Die Ausstattung der Stanzen, der päpstlichen Privatgemächer im Vatikan, war eines der ehrgeizigsten künstlerischen Projekte des frühen 16. Jahrhunderts. Für die Arbeiten konnte der kunstsinnige und prachtliebende Papst Julius II. im Jahr 1508 das Malergenie Raffael gewinnen. Die Fertigstellung der vier Räume zog sich bis zum Jahr 1524 hin. Raffael selbst erlebte sie nicht mehr; er starb 1520. Sein Schüler Giulio Romano übernahm die finale Ausmalung. Dennoch gelten die „Stanzen des Raffael“ als ein Höhepunkt der Renaissance-Kunst. Nun kann das Dorotheum in Wien eine Zeichnung vorlegen, die im Zusammenhang mit der Ausgestaltung dieser Gemächer steht. Aufgrund vergleichender Analysen von Technik und Komposition hat ein internationaler Expertenrat das Rötelblatt, das einst Peter Paul Rubens zugeschrieben wurde, nun mit Sicherheit als Werk Raffaello Santis ausgewiesen. Er schuf den stürzenden Reiter sowie Details für den Kopf und ein Auge des Pferds als Entwurf für das Fresko der „Schlacht an der Milvischen Brücke“ in der Sala di Costantino.
Die Skizze hat bisher mehrere Zuschreibungen erfahren. Aufgrund der späteren Zeichnungen von Polidoro da Caravaggio auf der Rückseite – dies war eine gängige Werkstattpraxis im 16. Jahrhundert – wurde sie 1970 im Amsterdamer Rijksmuseum als Werk dieses Raffael-Schülers präsentiert. Der heutige Besitzer erwarb das Blatt 2015 bei Christie’s in Paris noch mit der vagen Zuordnung „Italienische Schule des 16. Jahrhunderts“ und legte dafür 1.500 Euro netto auf den Tisch. Die Nachforschungen haben sich für ihn gelohnt. Denn nun stehen 400.000 bis 600.000 Euro auf dem Etikett, was angesichts des Rekordwerts von 26,5 Millionen Pfund für einen eigenhändigen Entwurf Raffaels nicht besonders viel ist. Die Millionengrenze könnte jetzt durchaus geknackt werden. Die hat das Dorotheum bei einem Gemälde von Jusepe de Ribera schon eher im Blick. Sein Schmerzensmann „Ecce Homo“ von 1644, der mit fahlem Inkarnat, blutverschmierter Dornenkrone und einer einzelnen Träne direkt den Betrachter fixiert, ist mit einer Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro versehen.
Für seine Auktion „Alter Meister“ am 25. Oktober hat das Dorotheum wieder eine qualitätvolle Auswahl an rund 140 Tafelmalereien vom späten Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert ausgewählt. Los geht es mit früher italienischer Kunst und mit dem Maestro di San Jacopo a Mucciana, der um 1400 in Florenz tätig war und mit einer spätgotischen, noch auf Goldgrund gemalten, ausdrucksvollen Kreuzigung samt Muttergottes, dem Evangelisten Johannes und einem Seraph in einem Dreipass für 100.000 bis 150.000 Euro antritt. Rund sechzig Jahre später arbeitete Cosimo Re in Genua. Bei ihm sitzt ein freundlich lächelnder Jesusknabe mit Stieglitz auf dem Arm seiner zarten Mutter Maria (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). In die Hochrenaissance weisen die anmutige „Madonna mit Kind“ vor einer Bergkulisse von Giovanni di Pietro (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) und eine strenge Sacra conversazione mit thronender Madonna, dem Erzengel Michael und dem heiligen Sebastian von Filippo d’Antonio Filippelli (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Diesen Darstellungstyp der „Heiligen Unterredung“ haben zudem Vittore Carpaccio und sein Sohn Benedetto Carpaccio mit ihren näher zusammengerückten Gestalten der Muttergottes, Johannes’ des Täufers und des heiligen Hieronymus’ bedient (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).
1483 erhielt Leonardo da Vinci den Auftrag für ein Altargemälde in der Kirche San Francesco Grande in Mailand. Herausgekommen ist seine „Felsgrottenmadonna“, die zu seinen bekanntesten Kompositionen zählt und heute im Louvre hängt. Ein Maler kopierte wohl noch im frühen 16. Jahrhundert die Begegnung des Jesuskindes mit dem Johannesknaben unter Aufsicht von Maria und einem Engel in etwas kleinerem Format, das nun im Dorotheum für 100.000 bis 150.000 Euro zu haben ist. Der ebenfalls in Mailand tätigte Giovanni Pietro Rizzoli ist für eine nackte heiligen Katharina von Alexandrien mit zum Himmel gerichteten Blick zuständig, die als eigenhändige Wiederholung dieses Themas in den Uffizien gilt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Nochmals wird ein großer Name der Renaissance-Malerei aufgerufen: Die Werkstatt Tizians steht Pate für eine Darstellung von „Venus und Adonis“ nach Ovids „Metamorphosen“, eine der berühmtesten Kompositionen des Venezianers, die vom Meister selbst, aber auch seinen Gehilfen häufig vervielfältigt wurde (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Und auch eine Malerin sticht unter ihren zahlenmäßig überlegenen männlichen Kollegen hervor: Aus dem Spätwerk Sofonisba Anguissolas stammt das Bildnis einer vornehmen Dame in herber Schönheit mit Perlenschmuck um den Hals und im Haar (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).
Nördlich der Alpen orientierte sich in dieser Epoche ein Maler an Hieronymus Bosch und gestaltete mit zahlreichen fantastischen und schreckenserregenden Mischwesen seinen heiligen Christophorus, der das Jesuskind auf seinen Schultern durch eine sündige Welt trägt (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Auf dieses Preisniveau kommt gleichfalls das Bildnis eines vornehmen Herrn mit Totenkopf und Fliege von Bartholomäus Bruyn d.Ä., das traditionell mit dem Kölner Ratsherrn Johan van Ryndorp identifiziert wird. Anthonis Mor und seine Werkstatt sind dann für das kürzlich wiederentdeckte Portrait der stolzen Anna von Egmond, Gemahlin Wilhelms von Oranien, zuständig (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Vom Meister der Oberfalkensteiner Altarflügel ist nicht viel bekannt; als Wandermaler wirkte er um 1510/20 im Pustertal und in Oberkärnten. Nun offeriert das Dorotheum einen bisher nur durch eine Fotografie bekannten hochrechteckigen qualitätvollen Altarflügel mit einer innigen „Geburt Christi“, zu der sich neben Maria und Josef zahlreiche Engelchen und schon die Hirten im Hintergrund eingestellt haben (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).
In der Kunst des Barock sind dann italienische und niederländische Namen etwa gleichranging vertreten. Zu den Spitzen zählen Domenico Fiasellas ganz auf die Person konzentrierte Darstellung „Der Tod des Cato“ in einem intensiven Naturalismus (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) und Dirck van Baburens caravaggeske Bibelszene „Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Mit dieser Schätzung geht noch eine weite bewaldete Spätsommerlandschaft mit Reisenden auf einem Pfad und der Kornernte von Jan Brueghel d.Ä. und Josse de Momper d.J. an den Start. Der flämische Maler Michael Sweerts hat sich häufiger mit den Themen Armut und Nächstenliebe befasst, so auch bei seinem aus dem Alltagsleben gegriffenen Bild eines alten Bettlers, der einem kleinen Jungen zu essen gibt (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Höhepunkt der Stillleben ist eine Blumenvase im Oktogon des um 1600 in Rom tätigen Meisters von Hartford in ihrer präzisen Malweise und der geschickten Lichtführung (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR).
Doch die religiösen Sujets überwiegen. Artus Wolffort hat eine ungemein direkte Heilige Dreifaltigkeit auf eine Holztafel gemalt, in der Jesus einen Finger in seine Seitenwunde steckt, während bei Guido Renis „Ecce Homo“ der leidende Jesus schmachtend zum Himmel blickt (Taxe je 80.000 bis 120.000 EUR). Bei Giovanni Benedetto Castiglione lässt Noah eben die verschiedenen Tierpaare in die Arche ein (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), bei dem Nürnberger Bartholomäus Wittig schart sich seit 1651 eine große Menge von Schriftgelehrten um den kleinen Christus (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), und bei einem fünf Jahre jüngeren Gemälde des Spaniers Juan Carreño de Miranda trifft der heilige Antonius von Padua auf den nackten Jesusknaben, der auf Engelsköpfen balanciert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Mit Adriaen Stalpaert portraitierte Anthonis van Dyck unter Mithilfe seiner Werkstatt im Jahr 1629 den Abt des Prämonstratenserklosters in Tongerlo östlich von Antwerpen in weißer Ordenstracht kurz vor dessen Tod (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Die kommende Weihnachtszeit nimmt Andrea Celesti mit seiner stimmungsvollen und großformatigen „Anbetung der Hirten“ schon etwas vorweg (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).
Die 1616 in Rom geborene Plautilla Bricci war nicht nur Malerin, sondern zu ihrer Zeit auch geschätzte Bildhauerin, Stuckateurin und Architektin; heute ist sie weitgehend in Vergessenheit geraten. Mit ihren beiden kleinen, in leuchtenden Farben auf Kupfer gemalten Pendants „Angelica und Medoro“ sowie „Rinaldo und Armida“, zwei Liebespaaren nach den epischen Dichtungen Ludovico Ariostos und Torquato Tassos, bringt sie das Dorotheum wieder etwas ans Tageslicht (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Im 18. Jahrhundert dominieren dann das Portrait und das Charakterbild, die sich bei Johann Heinrich Tischbein d.Ä. überschneiden. So hat er für seine Allegorie der Malerei seine anmutige Wilhelmine Caroline Amalie portraitiert (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Bei Pietro Antonio Rotari sind die Modelle für seine „Weinende junge Frau“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und das „Mädchen mit weißem Kopftuch“ nicht bekannt; die Werke sind eher Charakterstudien, mit denen er unterschiedlichen Gefühlswelten Ausdruck verlieh (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Als klassischer Portraitmaler tritt Josef Kreutzinger an, der öfters den Fürsten Alexis Andréewitsch Galitzin vor seiner Staffelei sitzen hatte, so auch 1795 in einem roten Mantel mit einem Windhund in einer Parklandschaft (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Die 100.000 Euro-Marke überschreitet in der Auktion noch der Geschichtenerzähler Gaspare Traversi und stellt für 150.000 bis 200.000 Euro mit den „Kartenspielern“ bei Schummeln eines seiner gefragten Genregemälde zur Verfügung.
Die Auktion beginnt am 25. Oktober um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
24.10.2023 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 Pietro Antonio
Rotari, Bildnis
eines Mädchens mit
weißem Kopftuch |  | Taxe: 40.000 - 60.000 EURO Zuschlag: 48.000,- EURO Losnummer: 1137 |  |  |  |  |  | 
 Cosimo Re, Madonna
mit Kind und einem
Stieglitz |  | Taxe: 80.000 - 120.000 EURO Losnummer: 5 |  |  |  |  |  | 
 Leonardo da Vinci,
Leonardo da Vinci
Nachfolger,
Felsgrottenmadonna,
wohl frühes 16.
Jahrhundert |  | Taxe: 100.000 - 150.000 EURO Zuschlag: 260.000,- EURO Losnummer: 18 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni di Pietro,
Madonna mit Kind |  | Taxe: 200.000 - 300.000 EURO Zuschlag: 140.000,- EURO Losnummer: 8 |  |  |  |  |  | 
 Tizian, Tizian
Umkreis oder
Werkstatt, Venus und
Adonis |  | Taxe: 300.000 - 400.000 EURO Zuschlag: 300.000,- EURO Losnummer: 39 |  |  |  |  |  | 
 Domenico Fiasella,
Der Tod des Cato |  | Taxe: 200.000 - 300.000 EURO Losnummer: 42 |  |  |  |  |  | 
 Johann Heinrich
Tischbein d.Ä,
Johann Heinrich
Tischbein d.Ä.,
Porträt von
Wilhelmine Caroline
Amalie (1757–1838),
der Tochter des
Künstlers, als
Allegorie der
Malerei |  | Taxe: 12.000 - 15.000 EURO Zuschlag: 14.000,- EURO Losnummer: 116 |  |  |  |  |  | 
 Pietro Antonio
Rotari, Weinende
junge Frau |  | Taxe: 30.000 - 40.000 EURO Losnummer: 123 |  |  |  |  |  | 
 Maestro di San Jacopo
a Mucciana, Christus
am Kreuz mit der
Muttergottes, dem
Evangelisten
Johannes und einem
Seraph in einem
Dreipass |  | Taxe: 100.000 - 150.000 EURO Losnummer: 1 |  |  |  |  |  | 
 Gaspare Traversi,
Kartenspieler |  | Taxe: 150.000 - 200.000 EURO Losnummer: 124 |  |  |  |  |  | 
 Vittore Carpaccio,
Vittore Carpaccio
und Benedetto
Carpaccio, Madonna
mit Kind, Johannes
dem Täufer und dem
heiligen Hieronymus |  | Taxe: 100.000 - 150.000 EURO Zuschlag: 160.000,- EURO Losnummer: 19 |  |  |  |  |  | 
 Bartholomäus
Wittig, Christus
unter den
Schriftgelehrten,
1651 |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 60 |  |  |  |  |  | 
 Plautilla Bricci,
Angelica und Medoro –
Rinaldo und Armida |  | Taxe: 40.000 - 60.000 EURO Zuschlag: 36.000,- EURO Losnummer: 88 |  |  |
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