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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Beschäftigung mit dem Menschen und seinem Körper ist eines der wichtigen Felder der Fotografie. Das zeigt die nächste Auktion bei Bassenge in Berlin

Nackte Tatsachen?



Zuerst glaubt man, einen nackten Körper zu sehen. Doch dieser Eindruck hält nicht lange an. Es sind vielmehr helle Hebungen und verschattete Täler, Dehnungen und Stauchungen, die Francesca Woodmans „Self-Portrait (N3017.1/New York)“ von 1979 kennzeichnen. Trotz eingehenden Studiums lässt es sich nur schwer ausmachen, um welchen Teil ihres Leibes Woodman die mehrreihige Perlenkette gelegt hat. Es muss wohl die Taille sein. Mit solchen vielschichtigen und formal ausgefallenen Bildern ihres eigenen Körpers ist die amerikanische Fotografin in den 1970er Jahren bekannt geworden. Sie inszenierte sich fragmentarisch, mit Masken, Pflanzen oder mit Alltagsgegenständen in baufälligen Räumen, um klassische Rollenzuschreibungen aufzubrechen und eigene Ich neu zu erschaffen. In diesen introspektiven schwarz-weißen Selbstporträts setzte sie sich mit Themen wie Identität, Verletzlichkeit und der menschlichen Form auseinander. Leider verstummte Woodman schon früh, als sie sich 1981 im Alter von 22 Jahren das Leben nahm. Ihre künstlerische Vision, die in bedeutenden Museen weltweit ausgestellt wurde, darunter im Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum in New York, der Tate Modern in London, dem Stedelijk Museum in Amsterdam oder dem Centre Pompidou in Paris, ist erhalten und bei der Fotoauktion von Bassenge ein künstlerisches und mit einer Schätzung von 8.000 Euro auch ein preisliches Highlight.


Weitere Künstler*innen der Versteigerung in Berlin nehmen sich des menschlichen Körpers an, fragmentieren ihn gekonnt und wollen einen neuen Blick auf ihn werfen, so etwa Nakagawa Masaaki, der mit Licht und Schatten 1978 den Rumpf eines weiblichen Akts sinnlich formte (Taxe 500 EUR). Sein japanischer Kollege Eikoh Hosoe konzentrierte sich 1971 in „Embrace #29“ auf den Rumpf und kontrastierte in einer diagonalen Komposition einen dunklen und einen hellen Leib, die eng einander geschmiegt eine dunkle Grenzlinie ausbilden (Taxe 3.000 EUR). Bei Nobuyoshi Arakis Silbergelatineabzug aus der Serie „Tokyo Story“ von 1989 lässt sich der weibliche Akt am deutlichsten ausmachen. Allerdings wird das Gesicht und ein Teil der Brust durch das lange, im Wind wehende schwarze Haar verdeckt (Taxe 4.000 EUR). Wer oder was jetzt nun genau gemeint ist, verunklart Bill Brandt in seinem Vintage „Eygalières, France“ von 1953 dann wieder und arbeitet die skulpturalen Qualitäten des menschlichen Körperfragments auf einer mit Steinen übersäten Wiese heraus (Taxe 6.000 EUR).

Noch ganz klassisch ging Joseph Auguste Belloc mit dem Akt um und ließ sich Mitte der 1850er Jahre bei seiner „Nu à la méridienne“ in Rückenansicht auf einem Diwan von der Malerei seiner Zeit inspirieren (Taxe 1.200 EUR), während Gundula Schulze Eldowy auf ihrem Vintage „Essen“ von 1990 die sich spiegelnde Körperform so stark verzerrt, dass vom Menschen kaum noch etwas übrigbleibt (Taxe 600 EUR). Ausgehend vom Fotogramm entwickelte Floris Michael Neusüss in den 1960er Jahren das „Nudogramm“, mit dem er ohne Kamera Schattenrisse von meist weiblichen Modellen direkt auf das Fotopapier bannte. Auf einem 250 Zentimeter hohen „Köperbild“ von 1975 überlagerte er die dunkle Silhouette mit fransigen Strukturen und erhöhte damit den malerischen Gehalt der Arbeit (Taxe 9.000 EUR). Auf diese spielerischen Experimente ließ sich Robert Mapplethorpe nicht ein, als er 1980 den jeden Slip sprengenden, erigierten Penis von „Dennis Speight“ schonungslos direkt ins Zentrum seiner Aufnahme rückte und in sein umstrittenes, da explizit sexuell konnotiertes Portfolio „Z“ integrierte (Taxe 9.000 EUR).

Gut 300 Positionen hat Bassenge für seine Auktion am 6. Dezember zusammengestellt. Beim 19. Jahrhundert dominieren die Reise- und Andenken-Fotografie. So präsentiert uns Edouard-Denis Baldus die eindrucksvolle hochgotische Fassade von Notre-Dame in Paris, wie sie in den Mitte der 1850er Jahre aussah, Samuel Bourne und Charles Shepherd auf vier Albuminabzügen großartige Tempelanlagen und Mausoleen in Indien und Kaschmir aus den 1860er Jahren (Taxe je 1.200 EUR), und Francis Frith entführt in einem gebundenen Album mit 37 Aufnahmen nach Ägypten zu den Tempeln und Pyramiden rund um Theben (Taxe 3.000 EUR). Bei der Portraitfotografie ragt Nadars Miniatur seines Sohnes Paul von 1868 heraus, die in ihrer Zärtlichkeit dessen jugendliche Unschuld und Neugier unterstreicht. Auch die Technik ist ungewöhnlich: Das Deroche-Verfahren, das von Mathieu Deroche um 1860 entwickelt wurde, erlaubte die Übertragung einer Fotografie auf Email und war zum Andenken an geliebte Menschen, vor allem auch als Verzierung für Grabsteine, gedacht (Taxe 4.000 EUR). Teuerstes Los aus dem 19. Jahrhundert ist mit 6.000 Euro eine umfangreiche Sammlung aus knapp 200 Aufnahmen, 100 Holzstichen, militärischen Karten und 22 Zeichnungen zum Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, die sich der österreichische Offizier Karl Ritter Freiherr von Mertens zusammengestellt hat. Das Hauptaugenmerk liegt auf der österreichischen Teilnahme am Konflikt, wobei die Landkriegsführung, die beteiligten Personen, die großen Seeschlachten und die Rolle der Fregatte „Schwarzenberg“ im Fokus stehen.

Den Übergang zum 20. Jahrhundert bestreiten die insgesamt 156 Ansichten aus China, die vor allem von Ernst Boerschmann zwischen 1910 und 1940 aufgenommen wurden. Das Interesse des deutschen Architekten und Sinologen galt vor allem der fernöstlichen Baukunst, aber auch der pittoresken Landschaft. Von seinen Expeditionen ins Reich der Mitte brachte er wertvolles Material mit, etwa von alten chinesischen Tempel, die schon zu jener Zeit ruinös waren und heute oft nicht mehr existieren (Taxe 16.000 EUR). Bei den farbigen Architekturbildern von Harry Callahan aus dem 1970er Jahren könnte der Kontrast kaum größer sein. Einmal sah in hohem Abstraktionsgrad drei Wolkenkratzer und spielte ausschnitthaft mit deren Gestalt (Taxe 1.200 EUR), das andere Mal machte er sich 1979 nach Irland auf und fing in seinen menschenleeren Straßenzügen mit ein- bis zweistöckigen Häusern die Armut und Trostlosigkeit der Insel zur damaligen Zeit ein (Taxen 1.800 und 2.400 EUR). Für die frühe Farbfotografie steht zudem noch William Eggleston, der in seinen Fotos die Alltäglichkeiten und Absurditäten in den USA behandelte, etwa 1967 kitschige und dazu noch bunt angestrahlte „Christmas trees“ (Taxe 2.500 EUR) oder in „Car wreck“ drei Jahr später ein zwischen Brückenstütze und Fahrbahn eingeklemmtes Auto. Trotz des Unfalls fragt man sich hier mit einem Schmunzeln, wie das überhaupt geschehen konnte (Taxe 3.000 EUR).

Einen atmosphärischen und friedlichen Blick in Schwarz-Weiß warf der am vergangenen Mittwoch verstorbene Elliott Erwitt 1952 im französischen Orléans in eine sonnenbeschienene enge Gasse mit zwei Tauben (Taxe 1.200 EUR). Das Kosmopolitische der Metropole New York arbeitete dagegen Andreas Feininger 1942 in seiner steil abfallenden Aufsicht auf das Rockefeller Center und die davorliegende Straßenkreuzung heraus (Taxe 3.000 EUR). Auf das Hässliche und urbane Brachen in einem unbevölkerten Übergangszustand fokussierte sich Michael Schmidt bei zwei Vintages aus seinen Berlin-Bildern, 1976/77 einer Baustelle im Wedding (Taxe 3.000 EUR) und 1982 großformatig auf eine mit Sträuchern bewachsene Schutthalde an der Mauer (Taxe 8.000 EUR). In sachliche, distanziert angelegte „Agrarlandschaften“ geht es dann mit vier älteren Traktormodellen, die Heinrich Riebesehl in den 1970er Jahren nüchtern auf norddeutschen Feldern entdeckte (Taxe 3.000 EUR). Richard Misrach machte sich 1975/76 in die kalifornische Sonora-Wüste auf und verewigte in vier braun getönten Bildern seiner Serie „Desert Cantos“ die bizarre Schönheit der dort wachsenden Kakteenarten, aber auch die Verwundbarkeit dieses einmaligen Ökosystems (Taxe 4.000 EUR). Schlicht und zugleich bezaubernd ist Albert Renger-Patzschs „Hyazinthe“ um 1955, die an einem sonnigen Fenster im Marmeladenglas Wurzeln schlägt und schon zarte Blüten ansetzt (Taxe 7.000 EUR).

Die Aktion „Fotografie des 19. – 21. Jahrhunderts“ beginnt am 6. Dezember um 15 Uhr. Die Besichtigung ist noch am 4. Dezember von 10 bis 18 Uhr, am 5. Dezember von 10 bis 14 Uhr in der Rankestraße 24, 10789 Berlin, möglich, der Katalog im Internet unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



03.12.2023

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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