Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 20.04.2024 Auktion 1242: Berlin Auktion

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Tänzerin / Franz von  Stuck

Tänzerin / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Weide 47 / Ewald Mataré

Weide 47 / Ewald Mataré
© Galerie Weick


Anzeige

Selbstbildnis Lenbachs mit Tochter Marion, 1894 / Franz von Lenbach

Selbstbildnis Lenbachs mit Tochter Marion, 1894 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Journal

Mecklenburg-Vorpommern bereitet sich auf den 250. Geburtstag seines großen Sohnes Caspar David Friedrich vor

Sehnsuchtsorte einer Lichtgestalt



Caspar David Friedrich, Wiesen bei Greifswald, 1821/22

Caspar David Friedrich, Wiesen bei Greifswald, 1821/22

Über den verschatteten Vordergrund schweift der Blick auf die Silhouette von Greifswald, hinweg über weite Wiesen mit springenden Pferden, einem Weiher und hell leuchtenden Gänsen. Eingebettet in diese ländliche Idylle, erhebt sich vor dem dunstig gelb-violett strahlenden Himmel das gestochen scharfe Stadtpanorama mit den markanten Türmen der drei Stadtkirchen, dem Vettentor und dem Dachreiter des Rathauses. Die Gebäude funkeln weit entrückt, nahezu traumhaft im goldenen Licht eines Sommertages. Oft hat Caspar David Friedrich seine Heimatstadt gemalt, darunter jene um 1820 entstandene Reminiszenz an seine Kindheit. Die ersten 25 Lebensjahre verbrachte der als sechstes Kind eines Talgkerzengießers und -seifensieders am 5. September 1774 geborene Friedrich in Greifswald, bevor er sich 1798 in Dresden niederließ. Immer wieder kehrte er in seine Heimat zurück, so sehr inspirierten ihn die Orte seiner Jugend.


Friedrich wird wohl um die 14 Jahre alt gewesen sein, als er in Zeichenstunden beim Greifswalder Universitätszeichenlehrer Johann Gottfried Quistorp erste Architektur- und Landschaftsstudien schuf. Im Alter von 20 Jahren begann er seine Ausbildung an der liberalen Kunstakademie in Kopenhagen. Grundlagen der Landschafts- und Porträtmalerei sowie maltechnische Fertigkeiten standen im Fokus seiner Interessen; die immer noch dominierende Historienmalerei war seine Sache nicht. Im Mai 1798 verließ er Kopenhagen und schrieb sich an der Dresdener Akademie ein, um sein Können weiter zu verfeinern. Fortan bildete Dresden als kumulativer Ort deutscher Romantik seinen Lebensmittelpunkt, wo Caspar David Friedrich am 7. Mai 1840 verstarb.

Obgleich sich die Einwohnerzahl Greifswalds von über 5.000 zu Friedrichs Lebzeiten bis heute mehr als verzehnfacht hat, bietet die Stadt mit ihrem Umland eine Art Freilichtmuseum zu seinem Leben und Werk. Unter dem Titel „Von Greifswald in die Welt“ lädt die Region heuer dazu ein, Lebensstationen und originale Schauplätze vieler Motive nachzuspüren. Seit dem Jahr 2004 informiert das in seinem Geburtshaus auf der Langen Straße etablierte Caspar-David-Friedrich-Zentrum über seine Persönlichkeit und sein Schaffen. Hier sind noch die väterliche Siederei und Gießerei zu besichtigen. Lediglich das vordere Fachwerkhaus musste nach einem Brand im Jahr 1901 nach Plänen des Stadtbaumeisters Friedrich Johannes Haas im „Post- und Finanzamtsstil“ erneuert werden. Das Anwesen steht im Schatten des benachbarten Doms St. Nikolai, wo Friedrich am 7. September 1774 getauft wurde. Als das Innere ab 1824 von Gottlieb Giese im romantischen Sinne umgestaltet wurde, ließ sich der mit Friedrich befreundete Baumeister von dessen unrealisiert gebliebenen neugotischen Entwürfen für die Stralsunder Marienkirche von 1817 leiten. Friedrichs jüngerer Bruder, der Tischler Christian Friedrich, fertigte die Ausstattung wie Kanzel oder Taufbecken im neugotischen Stil.

Im Jubiläumsjahr kann St. Nikolai mit einem besonderen Ereignis aufwarten: Für den 7. April ist die Einweihung der neuen Verglasung des Ostchores terminiert, deren Entwürfe der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson schuf. Die von Rot ins Blau fließenden Farben sind von Friedrichs Gemälde „Huttens Grab“ inspiriert. Spiegelinstallationen lenken und multiplizieren die mit dem Wandel der Tages- und Jahreszeiten variierenden Farbspektren ins Innere, dessen klarer Raum fortan von Friedrichs bevorzugtem Kolorit illuminiert wird. Zuvor jedoch wird bereits am 20. Januar hier das Jubiläumsjahr mit einem Konzert feierlich eröffnet. Außen in einer Grünanlage hinter dem Ostchor steht seit 2010 das vom Lübecker Bildhauer Claus Görtz entworfene Caspar David Friedrich-Denkmal, eine lebensgroße, in einem angedeuteten gotischen Lanzettbogen stehende Bronzestatue des Malers.

Fußläufig entfernt liegt das Pommersche Landesmuseum. Zu den herausragenden Artefakten gehört der Gemäldebestand mit sechs Ölbildern von Caspar David Friedrich, darunter die beiden seltenen Interieurs „Zum Licht hinaufsteigende Frau“ und das Gegenstück „Hinabsteigende Frau mit Kerze“, die erst in den letzten Jahren neu hinzukamen. Zu den über 60 hier verwahrten Grafiken des Meisters zählt das 1818 geschaffene Aquarell vom „Greifswalder Marktplatz“. Dabei handelt es sich um ein Familienbild, das der mittlerweile 43jährige „Hagestolz“ anlässlich seiner Hochzeit mit der 19 Jahre jüngeren Caroline Bommer schuf. Im Vordergrund des viele kleine Szenen enthaltenen Blattes hat er sich mit seinen Brüdern verewigt. Es ist eines der prominentesten Werke Friedrichs, dem das Museum eine dreiteilige Ausstellungsstaffel widmen wird. Den Beginn bestreitet unter dem Titel „Caspar David Friedrich. Lebenslinien. Eine Wanderung in Zeichnungen und Bildern“ ab dem 28. April der komplette Bestand des Hauses inklusive zahlreicher Dokumente. Stargast der im Anschluss ab 18. August gezeigten Präsentation „Caspar David Friedrich. Sehnsuchtsorte“ ist das Hauptwerk „Kreidefelsen auf Rügen“, das neben anderen Meisterwerken erstmals am stimulierenden Schauplatz ausgestellt wird. In der dritten, unter dem Titel „Caspar David Friedrich. Heimatstadt“ vom 16. Oktober an stattfindenden Sonderschau steht das in Hamburg verwahrte Bild „Wiesen bei Greifswald“ im Fokus.

Neben dem Caspar-David-Friedrich-Bilderweg in Greifswald, der 15 in seinen Werken verarbeitete Aussichtspunkte enthält, empfiehlt sich, die in Wolgast mit dem Geburtshaus Philipp Otto Runges beginnende „Route der Norddeutschen Romantik“ abzufahren, die kürzlich bis zum Kap Arkona auf Rügen verlängert wurde. Vorbei an Meeresbuchten, Häfen und Schiffen, die mit ihren hoch aufragenden Masten in Friedrichs Bildern die Bedeutung des Seehandels spiegeln, führt der Weg fünf Kilometer vor Greifswald an der majestätischen Ruine des 1199 gegründeten Zisterzienserklosters Eldena vorbei. Schon von weitem rückt die 16 Meter hohe Westfront ins Blickfeld. Zwischen 1801 und 1836 war die Front mit dem gewaltigen gotischen Lanzettbogenfenster ein Leitmotiv, das Caspar David Friedrich variantenreich und teils verfremdet, überhöht, tatsächlich jedoch nach strengen formalen Regeln konstruiert, in ferne Landschaftsräume wie dem Riesengebirge versetzte. Jene Bilder wurden zum Inbegriff deutscher romantischer Malerei schlechthin. Noch heute zieht die tiefgründige Symbolik der Verschmelzung großartiger baulicher Zeugnisse mit der ewig wiederkehrenden Natur jeden Betrachter in ihren Bann. Als das Kloster im Zuge der Reformation 1535 aufgehoben wurde, plünderte man die ausgedehnte Anlage zur Gewinnung von Baumaterial. Erst auf Initiative des späteren preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. wurden die immer noch eindrucksvollen Reste der Kirche sowie des Klausurflügels erhalten und zwischen 1828/32 in einen Park eingebettet.

Nicht auslassen sollte man das noch in der Restaurierungsphase befindliche nahe Schloss Ludwigsburg, nicht zu verwechseln mit dem namensgleichen Pendant bei Stuttgart. Auf dem Anwesen wurde 1778 der Maler Friedrich August von Klinkowström geboren. Auch er war ein Schüler von Johann Gottfried Quistorp und wurde auf Geheiß seines Vaters von Caspar David Friedrich gegen gutes Salär 1802 mit nach Dresden genommen, um seine Kenntnisse zu verfeinern. Bekannt wurde er durch Kopien christlicher Motive: Seine „Heilige Nacht“ nach Antonio Allegri, genannt Correggio, ist heute als Altarbild von St. Marien in Greifswald zu bewundern.

Vom nahen Strand schweift der Blick über den Greifswalder Bodden zur Insel Rügen. Für den verschlossenen Einsamkeitsfanatiker und Wanderer Caspar David Friedrich war die Schönheit und Schlichtheit der Insel eine Sehnsuchtslandschaft, die eine Schaffenslaune auslöste, seine künstlerische Entwicklung beflügelte und die Gestaltung späterer, Konventionen sprengender Bilder vorbereitete. Nach ersten gemeinsamen Wanderungen mit seinem Lehrer Quistorp um 1794 sind zwischen 1801 und 1826 allein sieben Besuche auf der Insel belegt, darunter die Hochzeitsreise im Jahr 1818. Ergebnis dieses Aufenthalts ist sein wohl bekanntestes Werk, das Erinnerungsbild „Kreidefelsen auf Rügen“. Eine in Perlmuttfarben schimmernde gekräuselte Ostsee wird von hellen Kreidefelsen samt herzförmigen Baumwuchs gerahmt. Die Stimmung ist heiter, keineswegs wie sonst schwermütig. Durch das Weglassen des Strandes steigerte Friedrich die Tiefenwirkung extrem. Aus mehreren Skizzen setzte er die zerspaltenen Kreidewände der kleinen Stubbenkammer zusammen, die aufgrund des fortschreitenden Verfalls ohnehin nicht mehr genau zu verifizieren sind.

Der Königsstuhl, der nicht mehr betretbar ist und seit April 2023 über einen neu errichteten Skywalk betrachtet werden kann, bot sicherlich die prägnanteste Anregung. Neben der im Rot der Liebe gewandeten Gattin Caroline positionierte sich Friedrich mittig in den Abgrund schauend, während sein jüngerer Bruder Christian rechts an einem Felsen lehnt. Nicht ablassen konnte Friedrich auch bei diesem Gemälde von politischen Statements, die sich in der altdeutschen Tracht als Zeichen des Protestes gegen Napoleons bis in den Norden vordringende Eroberungszüge und den preußischen Obrigkeitsstaat richteten, zu dem Pommern nach rund 200jägriger Zugehörigkeit zu Schweden ab 1815 kam. Die provokante schwarze Kleidermode mit weit geschnittenen Hosen und Barett, wie sie Christian Friedrich in den „Kreidefelsen auf Rügen“ trägt, wurde 1819 verboten.

Die sanft geschwungene Hügelgegend der Insel mit ausgedehnten Wiesen, Wäldern und Feldern, die liebliche Anmut der unberührten Natur mit schwungvoll zerrissenen Boddenlandschaften, die urtümlichen neolithischen Hünengräber aus gewaltigen Felsblöcken, die rauschend knorrigen Eichen, die Sicht auf eine unendlich weite See und die mächtigen Steilküsten mit wilder Vegetation animierten Caspar David Friedrich zu vielen offenen Bildfindungen. Sein Zeichenstil wurde selbständiger. Gelber Sand oder gelbes ausgereiftes Korn, blaues Meer, grüne Felder und Wälder, graues Geröll und braune Böden mündeten in ein vielfach abgestuftes Kolorit und einen effektvollen Umgang mit Licht und Schatten. In vielen Dutzend, oft in Sepia ausgeführten Ansichten, die im breiten Blickwinkel den Landschaftsausschnitt erfassen, legte er panoramaartig die wellige Hügellandschaft vor den Augen des Betrachters aus.

In Abkehr von akademischen Konstruktionsmustern gelangte Friedrich über die Weitung des Horizonts zu neuen Ausdrucksformen. Auf Grundlage perspektivischer Gesetzmäßigkeiten weitete er den Bildraum in der Horizontalen, um kongenial erhabene Größe und Unendlichkeit auszudrücken. Viele Vorlagen bedeutender Bilder finden sich auf Rügen. Die seit 1945 leider verschollene und zuletzt in Weimar verwahrte „Rügenlandschaft mit Regenbogen“ mit dem Blick zur Insel Vilm von 1810 oder der für das Gemälde „Mönch am Meer“ vorbildhafte Sandstrand bei Göhren sollen exemplarisch genannt werden. Ab 1830 gerieten Caspar David Friedrich und seine Kunst in Vergessenheit. Nach einem Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen ab 1835 nur noch eingeschränkt arbeitsfähig, war es ihm nicht mehr möglich, vor seinem Ableben in Dresden seine geliebte norddeutsche Heimat zu besuchen.

Buchempfehlung: Herrmann Zschoche. Caspar David Friedrichs Rügen. Eine Spurensuche Verlag der Kunst Dresden, 2. Auflage 2021, Preis: 14,95 Euro

Kontakt:

Caspar-David-Friedrich-Zentrum

Lange Straße 57

DE-17489 Greifswald

Telefon:+49 (03834) 88 45 68

www.caspardavid250.de



24.01.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 32

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Events (3)Adressen (2)Berichte (9)Variabilder (16)Künstler (2)

Veranstaltung vom:


16.10.2024, Caspar David Friedrich. Heimatstadt - Wiesen bei Greifswald & Greifswalder Hafen

Veranstaltung vom:


28.04.2024, Caspar David Friedrich. Lebenslinien. Eine Wanderung in Zeichnungen & Bildern

Veranstaltung vom:


18.08.2024, Caspar David Friedrich. Sehnsuchtsorte - Kreidefelsen auf Rügen & Greifswalder Hafen

Bei:


Caspar-David-Friedrich-Zentrum

Bei:


Pommersches Landesmuseum

Bericht:


Neue Kirchenfenster von Olafur Eliasson in Greifswald

Bericht:


Neue Glasfenster von Olafur Eliasson für Greifswald

Bericht:


Greifwald präsentiert Xianwei Zhu

Bericht:


Friedrich-Schau in Hamburg ausverkauft







Caspar David Friedrich, Ruine Eldena im Riesengebirge, um 1830/34

Caspar David Friedrich, Ruine Eldena im Riesengebirge, um 1830/34

Caspar David Friedrich, Der Greifswalder Markt mit der Familie Friedrich, 1818

Caspar David Friedrich, Der Greifswalder Markt mit der Familie Friedrich, 1818

Die Ruine des Zisterzienserklosters Eldena

Die Ruine des Zisterzienserklosters Eldena

Der Marktplatz in Greifswald heute mit Rathaus, Apotheke und Dom St. Nikolai im Hintergrund

Der Marktplatz in Greifswald heute mit Rathaus, Apotheke und Dom St. Nikolai im Hintergrund

Olafur Eliasson, Rendering für die Glasfenster im Dom St. Nikolai in Greifswald

Olafur Eliasson, Rendering für die Glasfenster im Dom St. Nikolai in Greifswald

Schloss Ludwigsburg bei Greifswald

Schloss Ludwigsburg bei Greifswald

Claus Görtz, Caspar David Friedrich, 2010

Claus Görtz, Caspar David Friedrich, 2010

Die Ruine des Zisterzienserklosters Eldena

Die Ruine des Zisterzienserklosters Eldena

Caspar David Friedrich, Neubrandenburg, 1816/17

Caspar David Friedrich, Neubrandenburg, 1816/17

Kreidefelsen auf Rügen

Kreidefelsen auf Rügen

Die elterliche Werkstatt im Geburtshaus von Caspar David Friedrich

Die elterliche Werkstatt im Geburtshaus von Caspar David Friedrich

Das Caspar-David-Friedrich-Zentrum in Greifswald

Das Caspar-David-Friedrich-Zentrum in Greifswald




Copyright © '99-'2024
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce