In Cottbus und Frankfurt wird gefeiert Das Brandenburgische Landesmuseum widmet dem Feiern in der DDR an seinen zwei Standorten in Cottbus und Frankfurt an der Oder eine große Sonderausstellung und präsentiert mehr als 300 Fotografien von 31 Künstler*innen, die sich mit privaten und öffentlichen Feierlichkeiten auseinandersetzten. „Der große Schwof“ fokussiert vor allem auf die 1980er Jahre, in denen die äußeren und inneren Fassaden bröckelten, viele DDR-Bürger das Land verließen und eine neue selbstbewusste Generation von Menschen ins Feieralter kam. Die umfassende Bilderschau ist nicht nur eine Reminiszenz an die Kultur der Feste in der Vergangenheit, sondern zeigt auch die ostdeutsche Fotografie als Medium und künstlerische Bildform, die gesellschaftliche Selbstverständnisse unmittelbar und aktuell vergegenwärtigt.
Im Cottbusser Dieselkraftwerk sind unter der Überschrift „Der Staat und seine Rebellen“ ironische Fotoaufnahmen am Rande staatsoffizieller Anlässe wie dem 1. Mai oder bei Sportfesten und FDJ-Pfingsttreffen den Bildern vom Studentenfasching, von Underground-Partys, enthemmten Abschiedsfesten, Zusammenkünften in anarchistischen Klubs oder wilden Feten der Punkszene gegenübergestellt. Auf diese Weise treffen etwa offiziell veranstaltete Misswahlen in der Wendezeit auf die legendären Modeschauen „Chic, Charmant, Dauerhaft“ oder das absurde Spektakel einer Kabarettgruppe. Hier sind Arbeiten von Tina Bara, Christiane Eisler, Gerhard Gäbler, Harald Hirsch, Jürgen Hohmuth, Bertram Kober, Werner Lieberknecht, Ute Mahler, Olaf Martens, Roger Melis, Florian Merkel, Barbara Metselaar Berthold, Andreas Rost, Jens Rötzsch, Maria Sewcz und Gabriele Stötzer zu sehen.
In der Frankfurter Rathaushalle steht das Feiern zwischen Stadt und Land im Vordergrund. Es geht um spontane und mehr oder weniger organisierte Feste in privaten und inoffiziellen Runden oder in oft eigens hierfür geschaffenen Nischen. Neben den gesetzlichen Feiertagen und den damit verbundenen alljährlichen Ritualen entwickelte sich so eine lebendige Subkultur der Unterhaltung, angesiedelt in Clubs, Bars, Cafés, Kneipen und im privaten Umfeld. So reicht das Spektrum von der Sause in Kleingartenparadiesen über Dorfhochzeiten, Jugendweihefeiern bis zu Begegnungen mit Rockfans, einsamen Nachtschwärmern, Rummelbesuchern und Tanzwütigen sowohl in der Dorf-Disco als auch im Szenelokal. Diese Perspektive vermitteln Arbeiten von Claus Bach, Sibylle Bergemann, Christian Borchert, Wolfgang Gregor, Harald Hauswald, Bernd Hiepe, Thomas Kläber, Eberhard Klöppel, Werner Mahler, Olaf Martens, Ludwig Rauch, Ludwig Schirmer, Erasmus Schröter, Wolfgang Schröter, Ines Thate-Keler und Gerhard Weber.
Die Doppelschau „Der große Schwof. Feste feiern im Osten“ läuft bis zum 5. Mai. Das Brandenburgische Landesmuseum hat in Cottbus von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 19 Uhr, in Frankfurt an den selben Wochentagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet jeweils 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Begleitend erscheint ein Katalog.
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst – Dieselkraftwerk Cottbus
Uferstraße, Am Amtsteich 15
D-03046 Cottbus
Telefon: +49 (0)355 – 49 49 40 40
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst – Rathaushalle
Marktplatz 1
D-15230 Frankfurt an der Oder
Telefon: +49 (0) 335 – 28 39 61 83 |