Zum Tod von Peter Kulka  |  | Peter Kulkas transparenter Sächsischer Landtag vor der Stadtkulisse von Dresden | |
Eine knappe, fast schon minimalistische Gestalt zeichnet seine Bauprojekte aus. Wie jetzt bekannt wurde, ist Peter Kulka am Montag in seiner Geburtsstadt Dresden gestorben. Bis zuletzt beschäftigte den 86jährigen der finale Abschluss bei den Planungen für die Erweiterung des Sächsischen Landtags in Dresden. Vor genau 30 Jahren, am 12. Februar 1994, wurde der von ihm entworfene erste Parlamentsneubau in den ostdeutschen Bundesländern feierlich an den Nutzer übergeben, Kulkas bekanntestes Werk, das ihm überregionale Reputation einbrachte. Durch die Erweiterung eines 1931 vollendeten Finanzamtes mit zwei Flügeln zu einem Karree vergrößerte er das Volumen geschickt und entwickelte den Bau undogmatisch in der Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Bestand. Herausragende Merkmale der Neubauflügel sind die Transparenz durch wandhohe Verglasungen, das weit vorkragende und einladende Dach vor dem Hauptzugang und der kreisrunde, in den sächsischen Landesfarben Weiß-Grün eingerichtete Plenarsaal.
Peter Kulka, Jahrgang 1937, begann nach Abschluss einer Maurerlehre ein Architekturstudium, das er 1964 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee abschloss. Nach einer anschließenden kurzen Tätigkeit bei Hermann Henselmann an der Deutschen Bauakademie in Ost-Berlin floh er aus der DDR und arbeitete bis 1968 bei Hans Scharoun in West-Berlin. Seine selbständige Tätigkeit begann Kulka zunächst in einer Architekten-Partnerschaft in Bielefeld und gründete 1979 sein eigenes Büro in Köln. Hier konnte er einen ersten großen Erfolg mit dem Entwurf für die Universität Bielefeld erzielen. Von 1982 bis 1992 wirkte er zudem als Professor an der RWTH Aachen. Nach der Wiedervereinigung kehrte er in seine Geburtsstadt Dresden zurück und baute dort ab 1991 sein Büro auf. Kurz darauf wurde er Mitglied der Berliner Akademie der Künste und Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste. Im Jahr 2005 übereignete er sein Archiv als Schenkung dem Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main.
Zu Kulkas bekanntesten Bauten zählen das „Haus der Stille“ der Abtei Königsmünster in Meschede, das Haus Heidehof der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart, die Neugestaltung des Kammermusiksaales und des Foyers im Konzerthaus Berlin, dem ehemaligen Deutschen Schauspielhaus von Karl Friedrich Schinkel, die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig oder die 2008 vollendete transparente Überdachung des kleinen Hofes im Dresdner Residenzschloss. Eine große Zahl seiner Projekte findet sich auf dem Gebiet der Wiederherstellung zerstörter Denkmäler. Ruhig und lässig, ohne zu zitieren, entwickelte Peter Kulka stets seine Ideen, losgelöst von konkurrierenden Intentionen, unter virtuoser Handhabung des architektonischen Materials. Es sind Architekturen „auf dem zweiten Blick“ einer sogenannten „Zweiten Moderne“, die erst bei genauer Reflexion ihre Poesie entfalten. |