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Karl Horst Hödicke gestorben

Karl Horst Hödicke ist tot. Wie die König Galerie mitteilte, ist der Maler, Grafiker, Bildhauer und Filmemacher gestern kurz vor seinem 86. Geburtstag in Berlin gestorben. Bis Ende Januar hatte Galerist Johann König noch Arbeiten Hödikes in der Ausstellung „030“ präsentiert und mit ihr seinen zweiten Berliner Standort im ehemaligen Haupttelegrafenamt an der Oranienburger Straße eröffnet. Dort waren über zwanzig Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen vorwiegend aus den 1980er Jahren zu sehen, die Berlin und die sich ständig verändernde urbane Landschaft zum Thema hatten.

Karl Horst Hödicke, der 1938 in Nürnberg zur Welt kam und von 1959 bis 1964 Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin unter anderem bei Fred Thieler studierte, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Jungen Wilden“. Abseits der damals vorherrschenden Abstraktion und der informellen Kunst entwickelte er in den 1960er Jahren eine neoexpressionistische figurative Bildsprache aus einem kräftigen Kolorit und einem ungestümen groben Pinselstrich. Für Hödicke war „ein Bild nichts anderes als ein Schlachtfeld, auf dem Farbe behandelt wird“. Mit seinen Werken gab er häufig einen kritischen und ironischen Kommentar zu den gesellschaftlichen Umbrüchen und politischen Entwicklungen seiner Zeit.

1964 gründete er mit sechszehn Malerkollegen, darunter Franz Rudolf Knubel, Markus Lüpertz, Wolfgang Petrick und Lambert Maria Wintersberger, in Berlin-Schöneberg die legendäre Produzentengalerie „Großgörschen 35“. Die Künstler verband kein einheitliches Programm, vielmehr ging es ihnen um den Verkauf ihrer Kunst und die „Überwindung gängiger Marktstrategien“, wie es Knubel später einmal formulierte. 1966/67 verbrachte Karl Horst Hödicke ein Jahr in New York und arbeitete hier vor allem an seinen experimentellen Filmen. 1968 erhielt er dann das Stipendium für die Villa Massimo in Rom. Wieder zurück in seiner Wahlheimat Berlin lehrte er von 1974 bis 2005 an der Hochschule für Künste in Berlin und inspirierte dort eine Vielzahl junger Künstlerinnen und Künstler.

Sein Werk, für das Hödicke 1983 mit dem Deutschen Kritikerpreis und 1998 mit dem Fred-Thieler-Preis der Berlinischen Galerie geehrt wurde, war vor allem in Deutschland zu sehen, so 1977 bei der Documenta in Kassel, aber auch 1990 auf der Biennale von Venedig, im Tel Aviv Museum of Art oder im Museum of Modern Art in New York. Karl Horst Hödicke, der seit 1980 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin war, nahm an wegweisenden Gruppenausstellungen teil, darunter schon 1967 bei „Neuer Realismus“ im Berliner Haus am Waldsee oder 1997 bei „Deutschlandbilder. Kunst aus einem geteilten Land“ im dortigen Martin-Gropius-Bau. Retrospektiven widmeten ihm unter anderem die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, die Berlinische Galerie oder das Von der Heydt-Museum in Wuppertal.


09.02.2024

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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