Posthume Brus-Schau in Bregenz Die erste große Ausstellung nach dem Tod von Günter Brus vor einer Woche startet nun im Kunsthaus Bregenz. Die Schau wurde noch in engem Austausch mit dem Künstler und dem ihm gewidmeten „Bruseum“ am Universalmuseum Joanneum in Graz erarbeitet und rückt den „wilden und widerborstigen“ Brus über die gesamte Schaffenszeit von den ausgehenden 1950er Jahren bis zur Gegenwart in den Fokus. Einen Schwerpunkt bilden die frühen informellen Malereien und fotografische Aufzeichnungen seiner darauffolgenden Aktionen und Performances. Aber auch seine „Bild-Dichtungen“ sind zu sehen. Dafür hat Günter Brus jene Serien ausgewählt, die sich mit Literaten beschäftigen, die selbst künstlerisch tätig waren oder ausdrucksstarke Metaphern geschaffen haben: Die Zyklen zu Emil Cioran und Victor Hugo sind düster, die Arbeiten zu William Blake erzählerisch und vielteilig. Während des Corona-Lockdowns schuf Brus die jüngste und letzte Bildserie: bunte, märchenhafte Werke in Aquarell- und Mischtechnik auf Papier, die Architekturen, Monster oder prekäre Ich-Zustände, Szenen der Einsamkeit, Angst und dunkler Verträumtheit offenbaren.
Nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule in Graz und der Hochschule für angewandte Kunst in Wien verbrachte Günter Brus 1960 gemeinsam mit seinem Künstlerfreund Alfons Schilling einige Monate auf Mallorca. Dort lernten sie über die US-amerikanische Künstlerin Joan Merritt die Malerei der „New York School“ kennen und waren von den abstrakten Werken begeistert. In der Folge schuf Brus Gemälde aus rastlosen Gesten und psychischer Abwehr, wobei er den Pinsel fast wie eine Peitsche einsetzte. Seine Malerei gestaltete er als aggressiven Akt der Enthemmung, als Ausdruck zuckender Zerrissenheit und eines Todestriebs.
Die explosiven Gemälde des Informel bereiteten den Weg für den nächsten, noch radikaleren Schritt: Günter Brus machte sich selbst zum Bildträger. Zu den bekanntesten Arbeiten dieser Werkreihe zählt die öffentliche Aktion „Wiener Spaziergang“ vom 5. Juli 1965. Der Künstler schlenderte, bekleidet mit einem Anzug, vollständig weiß bemalt durch die Wiener Innenstadt. Eine schwarze Linie überzog seinen Körper von Kopf bis Fuß und markierte zugleich einen Riss, eine Narbe und eine Wunde. Mit diesen Performances wurde Brus zu einem der Protagonisten des „Wiener Aktionismus“. Seine letzte Aktion mit dem Titel „Zerreißprobe“ führte Brus Juni 1970 in München aus: Mit einer Rasierklinge fügt er sich Wunden zu, übergoss sie mit Urin und wand sich blutend am Boden. Von da nehmen seine „Bild-Dichtungen“ breiten Raum in seinem Schaffen ein. In dieser manisch betriebenen Synthese von Sprache und Bild, von Kunst und Literatur führte Brus seine gesellschaftskritischen Anliegen in hintersinnigen Sprachbildwelten fort.
Die Ausstellung „Günter Brus“ läuft vom 17. Februar bis zum 20. Mai. Das Kunsthaus Bregenz hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 bzw. 8 Euro; für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 19 Jahre ist er kostenlos.
Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz
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