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Hamburg gewährt einen Einblick in das Werk von Werner Scholz

Werner Scholz, Trauernde, 1930

In der Schau „Das Gewicht der Zeit“ präsentiert das Ernst Barlach Haus in Hamburg aktuell das Schaffen von Werner Scholz. Der Schwerpunkt liegt mit etwa 40 Arbeiten auf dem Frühwerk der Berliner Jahre zwischen 1927 bis 1937. Neben den Gemälden und Pastellen ergänzen historische Werk- und Ausstellungfotografien aus dem Nachlass des Künstlers die Exponate. Damit will Museumsdirektor Karsten Müller die Facetten einer bemerkenswerten Malkunst sichtbar machen: „Auf ungewöhnliche Weise verbindet sie großstädtische Berliner mit dörflichen Tiroler Lebenswelten, und eigenwillig changiert sie dabei zwischen gemäßigtem Expressionismus und neusachlichem Realismus.“

In seinen ausdrucksstarken Bildern widmet sich Werner Scholz, 1898 in Berlin geboren, dem Kleinbürgertum oder den Halbweltexistenzen. Einfühlsam beobachtet er die dunkle Seite der Zwischenkriegsjahre, indem er Mittellose, Trauernde, Flüchtende und Zurückbleibende zu seinen Protagonisten erhebt und sie zu würdevollen Gestalten mit eindringlicher Präsenz macht. Seine expressiv-realistische Malweise mit teils veristischer Überzeichnung illustrieren etwa die „Witwen“ aus dem Jahr 1931. Zwei Frauen in dunkler Kleidung stehen mit abgewandten Gesichtern im abstrakten Bildraum. Die verschatteten Augen der linken Frau finden eine Steigerung im Netzschleier der zweiten Witwe, der das gesamte Antlitz verbirgt. Eine aus den Fugen geratene Welt zeigt sich im „Mord“ von 1930. Der anonyme Täter hat sich abgewandt und verlässt ruhig die Szene, während sein gesichtsloses weibliches Opfer tot auf der fallenden Bank liegt, und nur die rote Messerwunde auf der weißen Bluse verweist auf die Tat.

Mit seinen prägnanten empathischen Kompositionen galt Scholz in der Weimarer Republik als verheißungsvoller Künstler: Er stellte etwa in der Berliner Galerie Neumann-Nierendorf oder im Kunstsalon Ludwig Schames in Frankfurt, im Museum Folkwang in Essen oder im Kölner Kunstverein aus. 1931 erwarb die Berliner Nationalgalerie das Gemälde „Frau mit Kind“, und im selben Jahr wurde Scholz eingeladen, am Dessauer Bauhaus sein Werk vorzustellen. „Scholz ist wesentlich, weil er Inhalte unserer Zeit, die uns alle angehen, hinstellt, und weil er formal wirklich etwas riskiert“, resümierte der Kunstkritiker Kurt Kusenberg 1932 die Qualität seiner Kunst.

Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten wandte sich aber das Blatt. Scholz’ Schaffen wurde als „entartet“ verfemt. 1939 zog sich der Künstler nach Tirol zurück, das er aus Kindheitsbesuchen kannte und wo er 1982 sterben sollte. In Alpbach entdeckte er die dörfliche Motivwelt für sich und verewigte die Härten bäuerlicher Arbeit, ein streng kirchlich geprägtes Leben in Sujets von Feldarbeiterinnen und Kirchgängerinnen oder Nonnen mit Waisenkindern. 1944 schlug eine Bombe in sein Berliner Atelier ein und zerstörte die darin versteckten Bilder. Das Frühwerk von Werner Scholz blieb damit zu weiten Teilen unbekannt. Sein Œuvre nach dem Zweiten Weltkrieg ist hingegen gut dokumentiert und publiziert. Deswegen sind gerade für die Produktion der Jahre 1927 bis 1937 die aus dem Nachlass überlieferten historischen Werk- und Ausstellungsfotografien wesentlich.

Die Ausstellung „Das Gewicht der Zeit. Werner Scholz. Menschenbilder 1927–37“ läuft bis zum 9. Juni. Das Ernst Barlach Haus hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 18 Euro. Unter dem Titel „Vor Ort – Industrie / Landschaft“ präsentiert die Freie Akademie der Künste in Hamburg bis zum 17. März Arbeiten von Werner Scholz aus der Nachkriegsepoche.

Ernst Barlach Haus
Baron-Voght-Straße 50a
D-22609 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 – 82 60 85


20.02.2024

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


11.02.2024, Das Gewicht der Zeit - Werner Scholz. Menschenbilder 1927–37

Bei:


Ernst Barlach Haus

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Arbeiten auf Papier

Stilrichtung:


Expressionismus

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Moderne Kunst

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Bericht:


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