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Trauer um Bernhard Purin

Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums München, ist überraschend gestorben

Weggefährten und das Team des Jüdischen Museums München trauern um seinen Direktor Bernhard Purin. Er sei in der vergangenen Woche unerwartet verstorben, teilte das Museum mit. Der österreichische Kulturwissenschaftler wurde 60 Jahre alt. „Alle, die Bernhard Purin kannten, stehen fassungslos vor der Tatsache, dass er nicht mehr unter uns ist. Sein unbestechliches Urteil und sein Humor, seine Loyalität und Freundschaft, seine Integrität, seine tiefe Kenntnis und seine ungewöhnlichen und überraschenden Zugänge zur Welt der jüdischen Objektgeschichte werden uns fehlen“, heißt es in dem Nachruf weiter. „Das Jüdische Museum München, das er seit seiner Gründung leitete, scheint uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne ihn kaum vorstellbar.“ 2002 wurde Purin als Gründungsdirektor des Jüdischen Museums München berufen, das er 2007 eröffnen konnte und dessen Leitung er bis zuletzt innehatte.

Geboren am 6. Oktober 1963 in Bregenz, wurde Purins Interesse an Jüdischer Geschichte schon früh während seiner Schulzeit geweckt. So durchstreifte er noch als Schüler mit der Kamera das damals desolate ehemalige Jüdische Viertel der Stadt Hohenems. Nach seinem Studium der Empirischen Kulturwissenschaften und der Neuen Geschichte in Tübingen zwischen 1985 und 1990 arbeitete er bis 1991 als Projektleiter am Aufbau des Jüdischen Museums Hohenems mit und veröffentlichte sein erstes Buch über die jüdische Geschichte der dortigen Nachbargemeinde Sulz. Schon in der Gründungsphase des Hohenemser Museums habe er sich als streitbarer Kopf erwiesen, der dem oft naiven Umgang mit Objekten der materiellen jüdischen Überlieferung mit Kenntnis und kritischer Verve begegnete und auf genauer Objektrecherche bestand.

Zwischen 1992 und 1995 war Bernhard Purin Kurator am neu gegründeten Jüdischen Museum Wien. Hier initiierte er das „Wiener Jahrbuch für jüdische Geschichte, Kultur & Museumswesen“, das er auch hauptverantwortlich herausgab. Während eines Forschungsaufenthaltes an den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem fand er das Inventarbuch des weltweit ersten Jüdischen Museums, wodurch die Wiener Vorkriegssammlung peu à peu rekonstruiert werden konnte. 1995 wurde Purin zum Leiter des Jüdischen Museums Franken in Fürth ernannt. Hier habe er mit ironischen Zugängen zur Jüdischen Geschichte und Gegenwart einige produktive Kontroversen ausgelöst und konnte die Auseinandersetzungen mit Unterstützung der Fachwelt und der Trägerschaft des Museums, aber auch mit dem Zuspruch des interessierten Publikums durchstehen.

2002 kam Bernhard Purin dann nach München und baute das Jüdische Museum der Stadt auf. Unter seiner Leitung sei das Museum ein Ort innovativer Ausstellungsinhalte und Gestaltung sowie ein begehrter Projektpartner gewesen. Dabei behielt er die thematisch-inhaltliche Anbindung an den Ort seines Wirkens im Auge, etwa bei der Entwicklung des 2017 eröffneten Denkmals für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 oder bei der originellen Ausstellung „Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten“. Purin galt als Experte für Judaica. Seine Liebe zu jüdischen Ritualgegenständen kam beispielsweise in den objektbasierten Ausstellungen „Sieben Kisten mit jüdischem Material – Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute“, „Schilder- und Metallkunst Heinrich Schwed. Judaica aus einer Münchner kunstgewerblichen Werkstätte“ oder „Samsons Leuchter – Ein Chanukka-Leuchter aus dem Besitz der Familie Wertheimer“ zum Ausdruck.


21.02.2024

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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