„Ausstellung des Jahres“ geht nach Leipzig  |  | „Re-Connect. Kunst und Kampf im Bruderland“ wurde zur „Ausstellung des Jahres 2023“ gewählt | |
Die Schau „Re-Connect. Kunst und Kampf im Bruderland“ darf sich mit dem Titel „Ausstellung des Jahres 2023“ schmücken, den der Kunstkritiker*innenverband AICA Deutschland jährlich verleiht. Sie war von Mai bis September vergangenen Jahres im Museum der bildenden Künste Leipzig zu sehen und wurde von Sithara Weeratunga, seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin für Diversität, und Marcus Andrew Hurttig, Kurator für Malerei des 20. und 21. Jahrhundert und designierter Direktor des Würzburger Museums im Kulturspeicher, gestaltet. „Die erste große Betrachtung der Einwanderungsgeschichte der DDR und ihrer Folgen war eine intensive, diskursfreudige und emotional berührende Aufarbeitung der internationalen (Kunst-)Beziehungen der DDR“, so AICA-Jurorin Sarah Alberti. Besonders beeindruckte die Kunstkritiker*innen die Vielstimmigkeit der gezeigten Werke und Dokumente, wie auch der heutigen Perspektiven. Das Spektrum der dicht gehängten Bildwelten habe eine große Vielfalt an Stilen und Motiven jenseits der offiziellen Kunstdoktrin der DDR vermittelt: figürlich, abstrakt, narrativ – manches auch dekorativ.
In der Ausstellung beschäftigten sich Sithara Weeratunga und Marcus Andrew Hurttig mit Künstlerinnen und Künstler aus Sozialistischen Bruderländern wie Ägypten, Äthiopien, Chile, Israel oder Uruguay, die an den Kunsthochschulen der DDR studierten, und fragten sich, was aus ihnen wurde und warum sie in den Rückblicken zur DDR-Kunst nicht auftauchen? Zudem nahmen sie die Einwanderungsgeschichte und die Erinnerung an die Wiedervereinigung aus der Perspektive ostdeutscher Migrant*innen in den Blick und ergänzten die historische Betrachtung mit Positionen junger Künstler*innen of Color der zweiten und dritten Generation mit biografischem Bezug zur DDR um eine aktuelle Perspektive. Ein „Archiv der Erinnerung und Zukunft“ thematisierte in Interviews den tabuisierten Rassismus in der DDR sowie die Lebensverhältnisse der Vertragsarbeitenden, der ausländischen Studierenden und ihrer Nachfahr*innen. Das Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm wurde gemeinsam mit migrantischen und postmigrantischen Vereinen entwickelt. „Es bleibt zu hoffen, dass sich weitere Institutionen und Forschende derart intensiv und diskursfreudig den internationalen Beziehungen und der Kunstgeschichte der DDR widmen“, schloss die Begründung der Jury. |