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Edward Burtynsky macht in seinen atemberaubenden Fotos auf durch Menschenhand veränderte Landschaften und die Zerstörung der Umwelt aufmerksam. Sein Werk ist nun in London und Berlin zu sehen

Der Schrecken ist ein schönes Leuchten



Der international gefeierte kanadische Fotokünstler Edward Burtynsky ist dafür bekannt, in seinen auf den ersten Blick irisierend schönen Aufnahmen die fatalen Folgen der Industrialisierung für unseren Planeten auf eine einzigartige und subtile Weise sichtbar zu machen. Die Londoner Saatchi Gallery präsentiert aktuell sein Gesamtwerk in der in seiner weltweit bisher größten Einzelausstellung unter dem Titel „Extraction/Abstraction“. Wer sich für Burtynskys Arbeiten interessiert, jedoch die Reise zur Londoner Ausstellung in den nächsten drei Monaten nicht antreten kann, dem sei eine kleinere, aber sorgsam zusammengestellte Auswahl in die Galerie Springer Berlin empfohlen. Die Galerie nimmt die Londoner Retrospektive zum Anlass, ihre Schau „African Studies“ zu verlängern und um neue Arbeiten aus den beiden letzten Jahren zu ergänzen. Ab März firmiert sie dann unter dem Titel „Edward Burtynsky – Part 2 – New Works“ und umfasst insbesondere Bilder, die das weltweite Sterben der Gletscher als Folge des Klimawandels zum Thema haben.


Der 1955 in St. Catherines in der kanadischen Provinz Ontario geborene Fotograf Edward Burtynsky hat bereits als Elfjähriger gemeinsam mit seinem Vater erste eigene Abzüge in der häuslichen Dunkelkammer angefertigt. Als Kind ukrainischer Einwanderer hat er zunächst Porträts und Aufnahmen von Feierlichkeiten in der eigenen Community erstellt, die er zur Aufbesserung seines Taschengeldes an die Dargestellten verkauft hat. Sein eigentliches Interesse galt aber schon in seiner Jugend dem Zauber der unberührten Landschaften im Südosten Kanadas, nahe den Niagarafällen. Beeinflusst von den Großen der nordamerikanischen Landschaftsfotografie wie Ansel Adams (1902-1984) und Edward Weston (1886-1956), studierte er an der School of Image Arts des Ryerson Polytechnical Institute in Toronto Grafische Kommunikation und Fotografie. Bereits vor seinem Studienabschluss 1982 entstanden die Serien „Landscape Study # 1, North Carolina“ (1979) und „Landscape Study # 2, Ontario, Canada“ (1981).

Burtynsky hatte das Thema, welches er in den kommenden Jahrzehnten mit immer stärker verfeinerten Methoden und einem globalen Ansatz bearbeiten sollte, gleich am Anfang seiner Karriere gefunden: Die menschliche Kontrolle über die Natur in Form von Rohstoffabbau, Waldrodungen, Siedlungsbau, Industrialisierung, Deponiebildung und anderen menschengemachten Einwirkungen, die sich unauslöschlich in die Oberfläche des Planeten einschreiben. Der Mensch selbst, als Verursacher dieser brutalen Überformungen ist auf seinen zwischen distanzierter Erhabenheit und surrealer Unwirklichkeit changierenden, gleichzeitig an abstrakte Malerei erinnernden Aufnahmen allerdings nur ausnahmsweise zu sehen.

Charakteristisch für Edward Burtynskys künstlerische Handschrift war von Anfang an die Einnahme eines erhöhten Beobachterstandorts. Waren dies zunächst natürliche topografische Erhebungen, Aussichtsplattformen, Leitern oder Kräne, so ist er nach und nach dazu übergegangen, mit allen ihm zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmitteln wie Hubschraubern, Flugzeugen oder Drohnen zu arbeiten. Die Großformat-Plattenkameras, mit denen er anfangs seine Aufnahmen fertigte, hat er ab 2007 durch hochauflösende Digitalkameras ersetzt. Seinen neueren Werken liegt auch nicht nur eine einzige Aufnahme zu Grunde. Sie werden in einem digitalen Bearbeitungsprozess aus mehreren Belichtungen zusammengesetzt. Getreu Alexander von Humboldts bekanntem Diktum „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben“, schafft Edward Burtynsky – an der Schwelle zwischen Schönheit und Schrecken – ebenso eindrückliche wie die Betrachter*innen aufrüttelnde Aufnahmen eines Planeten, der zunehmend zerstört wird.

Seine aktuelle Serie trägt den Titel „African Studies“. Sie ist das Resultat einer sieben Jahre währenden fotografischen Bestandsaufnahme der großflächigen Verwundungen, die dem afrikanischen Kontinent, insbesondere durch die massive Verlagerung großer industrieller Komplexe seitens der Volksrepublik China in andere Weltregionen zugefügt wurden. Entstanden sind diese Werke in verschiedenen Ländern südlich der Sahara, dem Teil des Kontinents, der heute als Subsahara-Afrika bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um Kenia, Nigeria, Äthiopien, Ghana, Senegal, Südafrika, Botswana, Namibia und Tansania. Die Aufnahmen sind unter dem Titel „African Studies“ 2022 in einem opulenten Bildband im Steidl Verlag, Göttingen veröffentlicht worden.

Die Galerie Springer hat eine Auswahl aus diesem umfassenden Werkkomplex versammelt, die sich auf Aufnahmen aus Äthiopien, Kenia, Namibia, dem Senegal und Südafrika konzentriert. Es ist die vierte Einzelausstellung Burtynskys in der international aufgestellten Galerie, die von der Charlottenburger Fasanenstraße aus agiert und sich in den letzten Jahren immer stärker auf klassische und zeitgenössische Fotografie fokussiert hat.

Burtynsky bezeichnet den afrikanischen Kontinent als die „Last Frontier“, die letzte Grenze der wirtschaftlichen und technologischen Expansion auf der Erde, die nun ohne jegliche Rücksicht auf die ökologischen Folgen überschritten wird. Die aktuelle Werkgruppe wurzelt dabei in früheren Arbeiten: „Mein Interesse an Afrika geht auf eine frühere Werkgruppe zurück, die ich 2004 über China gemacht habe. Im Rahmen dieses Projekts und meiner Recherchen zu verschiedenen Themen wurde ich auf den Bau neuer chinesischer Fabriken aufmerksam. Schon damals vermutete ich, dass der afrikanische Kontinent das nächste, vielleicht sogar das letzte große industrielle Expansionsgebiet sein würde“, so Burtynsky.

Seine mit Maßen von beispielsweise 121 auf 163 Zentimeter großformatigen Fotografien zeigen etwa amorph geformte Salzteiche im Senegal, deren abwechslungsreiches Farbspektrum über schmutzige Weißtöne, rostfarbene Partien bis hin zu toxisch leuchtenden Türkisabstufungen reicht. Oder aber Schwefelquellen in Äthiopien, die von oben gesehen eher an grünliche Aufnahmen von Moosen oder Flechten erinnern, wie man sie etwa aus Island kennt, wären da nicht die aggressiv wirkenden Gelbtöne im Bildvordergrund. Andere Aufnahmen thematisieren den Abbau von Kohle, Eisen und Diamanten sowie die dabei entstehenden Verunreinigungen und Abraumhalden.

Die Oberflächen vieler seiner Aufnahmen wirken auf den ersten Blick verführerisch. Sie umschmeicheln den Betrachter*innenblick mit ihrem fein austarierten Verhältnis von Linien, Formen und Farben beziehungsweise Farbverläufen. Das kunsthistorisch geschulte Auge entdeckt beim Betrachten aus der Distanz stilistische Verwandtschaften zu etlichen Vertretern der Malerei der Moderne, etwa zu William Turner, Gustav Klimt, Paul Klee oder Edvard Munch. Hinzu kommt die enorme Detailgenauigkeit. Oft aus schwindelerregender Höhe gefertigt, erlauben die Aufnahmen den Betrachtenden eine Perspektive auf die Erdoberfläche, wie sie sie im normalen Leben nicht erleben können. Alles kommt auf ihnen für einen Augenblick zum Stillstand. Die Landschaften verharren in seltsamer Erstarrung. Doch nicht so sehr das Augenblickhafte dominiert, als vielmehr der überzeitliche, eine posthumane Welt andeutende Moment. Burtynsky spricht in Abgrenzung zu dem in der Fotografiegeschichte zum festen Begriff gewordenen „decisive moment“, den der legendäre französische Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908-2004) geprägt hat, um seine „am richtigen Ort zur richtigen Zeit“ entstandenen Aufnahmen zu charakterisieren, den Ausdruck „contemplative moment“.

Und in der Tat weisen seine Werke weit über den Augenblick ihrer Entstehung hinaus und regen die Betrachtenden dazu an, über den Fortgang des Dargestellten kontemplativ nachzudenken. Was Burtynsky festhält, sind Momentaufnahmen von Zuständen permanent fortschreitender Verschlimmerung, egal ob Steinbruch, Schiffsfriedhof, Rodungsgebiet, Tagebau oder die Abraumhalden südafrikanischer Minengesellschaften. Burtynskys Bilder sind gleichzeitig schön und beklemmend. So genannte „Tailings“, das sind zu skulptural wirkenden Formationen aufgeschüttete, extrem mit Schadstoffen belastete Schlämme, erinnern beispielsweise an emblematische Werke der Land Art wie Robert Smithsons „Spiral Jetty“ von 1970. Burtynsky deckt einen Status Quo auf, an dem wir alle als Mitglieder der Konsumgesellschaft unseren Anteil haben. Seine Aufnahmen bewerten dabei zunächst nichts. Sie kommen in gewisser Weise neutral daher. Doch sie vermitteln eine Dichotomie von Schönheit und Schrecken, die zum Nachdenken zwingt.

Neben Bildern versehrter Landschaften enthält die Serie „African Studies“ jedoch auch Aufnahmen noch unberührter Regionen, so farbprächtige Fotos von Sanddünen der Namibischen Wüste in der Dämmerung. Die spezifische Tragik des afrikanischen Kontinents formuliert Burtynsky folgendermaßen: „Vor 200.000 Jahren begann der Homo sapiens, Afrika zu verlassen. Im 21. Jahrhundert schließt sich der Kreis: Wir kehren an einen der letzten Orte der Erde zurück, der den unerbittlichen Machenschaften des menschlichen Industriekomplexes zum Opfer gefallen ist.“

Ob Bilder aus Afrika oder von sterbenden Gletschern: Edward Burtynskys Fotografie dokumentiert die Interaktion des Menschen mit der Natur und die daraus resultierenden Umweltfolgen industrieller Prozesse. Burtynsky lädt die Betrachter*innen dazu ein, Orte zu erkunden, die jenseits ihrer Alltagserfahrung existieren. Orte, die zum Teil der Lebenswirklichkeit des modernen, in Industrienationen lebenden Menschen gehören, deren Existenz jedoch weitgehend ausgeblendet oder bewusst ignoriert wird. Sozusagen die Kehrseite unseres Wohlstands und des beständigen Strebens nach technischer Innovation und immer neuen Produkten. Insofern ist sein Werk als eine kritische Reflexion unseres Drangs nach immer mehr Luxus, Opulenz und Überfluss zu betrachten. Und sie stellt eindrucksvoll unter Beweis, welche wesentliche Rolle die Kunst bei der Sensibilisierung für die Umweltproblematik spielen kann.

Die Ausstellung „Edward Burtynsky – African Studies“ ist bis zum 1. März zu sehen und wird dann von der Schau „Edward Burtynsky – Part 2 – New Works“ abgelöst, die vom 2. März bis zum 20. April läuft. Die Galerie Springer Berlin hat dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 15 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Extraction/Abstraction“ findet in der Saatchi Gallery London bis zum 6. Mai statt. Der 208seitige Katalog „African Studies“ aus dem Steidl Verlag für 95 Euro ist zur Zeit ausverkauft.

Kontakt:

Galerie Springer Berlin

Fasanenstraße 13

DE-10623 Berlin

Telefon:+49 (030) 31 57 220



26.02.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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