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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Frühjahrsauktionen bei Artcurial Beurret Bailly Widmer in Basel glänzen mit einem hochromantischen Gemälde-Trio von Johann Heinrich Füssli, bieten aber auch viel für die Schweizer Seele

Der übermalte Teufel



Johann Heinrich Füssli,  Amanda/Rezia stürzt sich mit Hüon ins Meer. Fatime wird mit Gewalt zurückgehalten, 1804/05

Johann Heinrich Füssli, Amanda/Rezia stürzt sich mit Hüon ins Meer. Fatime wird mit Gewalt zurückgehalten, 1804/05

Johann Heinrich Füssli war ein belesener Maler. Der in Zürich geborene Schweizer Romantiker, der zunächst Pfarrer werden wollte, begeisterte sich leidenschaftlich für das Theater und die Literatur, liebte das englische und nordische Schrifttum genauso wie die mittelalterlichen „Chansons de geste“, die epische Dichtung Ariosts, das Theater Shakespeares oder die arabischen Volksmärchen aus „Tausendundeiner Nacht“. Die literarischen Vorlagen waren häufig Füsslis Inspiration für seine zwischen dem Erhabenen und Fantastischen angesiedelten malerischen Werke, so auch um 1804/05, als er sich für die Verserzählung „Oberon“ von Christoph Martin Wieland faszinierte. Das Epos berichtet von den Abenteuern des Ritters Hüon von Bordeaux, der eine gefährliche Reise nach Bagdad anzutreten und mehrere Prüfungen zu bestehen hat. Dazu schuf Füssli ein Ensemble von zehn Ölgemälden, darunter die Szene, in der sich Hüon mit seiner Geliebten Rezia, die nach ihrer Bekehrung zum Christentum den Namen Amanda annahm, in einer feurigen Umarmung von einem Schiff in das tosende Meer stürzt, um sich selbst zu opfern, während Fatime, Rezias Vertraute, mit Gewalt zurückgehalten wird.


Dieses Gemälde markiert mit zwei weiteren Werken aus dem Ensemble nun den Höhepunkt im aktuellen Katalog „Klassische Internationale Kunst“ bei Artcurial Beurret Bailly Widmer. Sie gehörten zur Sammlung von Benjamin Sharpe, einem Kapitän der Royal Navy und Erben der Bankgesellschaft Goslings and Sharpe, gingen von dessen Nachkommen direkt an die Vorfahren der heutigen Schweizer Besitzer über und hingen seit 2007 als Leihgaben im Kunstmuseum Luzern. In Bezug auf diese Provenienz sowie die Qualität und Erhaltung der Gemälde trifft man nur selten auf Arbeiten Johann Heinrich Füsslis im Kunstmarkt. 2017 versteigerte Sotheby’s in London ein Bild aus dieser Serie für netto 150.000 Pfund. Daher sind die 200.000 bis 300.000 Franken, die der Basler Versteigerer jetzt jeweils für „Hüon als Gärtner begegnet der Sultanin Almansaris“ und „Hüon und Rezia vereint. Fatime, Scherasmin, Oberon in Begleitung von Nadine“ veranschlagt hat, nicht zu hoch gegriffen. Bei „Rezia stürzt sich mit Hüon ins Meer“ muss man mit 400.000 bis 600.000 Franken etwas tiefer in die Tasche greifen.

Internationale Kunst

Eine Epoche früher datiert Jean-Etienne Liotards fein in Öl gemaltes „Portrait de Marie-Thérèse-Victoire de France“, Tochter des französischen Königs Louis XV. in jugendlichem Alter mit blauem, hermelingefüttertem Seidenmantel, das wohl eine eigenhändige Wiederholung des Genfer Malers darstellt (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Liotards Zeitgenosse Anton Raphael Mengs ist für zwei charmante Rokoko-Allegorien verantwortlich, in denen er die „Unschuld“ als junges Mädchen mit einem Lamm, das „Vergnügen“ als Adonis, der sie anschaut und ihr einen Blumenstrauß überreichen will, illustriert. Die Pastell-Pendants sind mit 15.000 bis 20.000 Franken bewertet. In die barocke Malerei geht es mit einem Stillleben von Albrecht Kauw d.Ä. zurück, auf dem der in Bern ansässige Maler um 1650/60 eine Vorratskammer mit toten Vögeln, zwei Gurken, einem Kürbis und mehreren Walnüssen wohlgeordnet bestückt hat (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Einen weiteren Schwerpunkt der Auktion vom 13. März bilden österreichische Künstler, allen voran Alfred Kubin, von dem jetzt eine Sammlung an 32 Blättern wieder aufgetaucht ist. Laut Kubin-Experte Peter Assmann geben sie einen „wunderbaren Überblick“ über das Schaffen und die oft verstörenden Traumwelten des visionären Zeichners. Das Missgestaltete und das Monströse gehören zu den Grundkonstanten in Kubins Œuvre. Unheimliche Wesen stehen im Mittelpunkt der Blätter „Katzenmensch I“ (Taxe 7.000 bis 9.000 SFR) oder „Die Sumpfmutter“ (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR), auf der aquarellierten Tuschezeichnung „Nach der Schlacht“ streifen zwei übergroße Hyänen durch die Leichenberge toter Soldaten (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), und ein gespenstischer Kammerdiener taucht auf einer weiteren Arbeit hinter König Ludwig II. auf (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Abgründig zeigt sich das Meisterwerk „Ekstase“, in der eine ausgemergelte weibliche Figur ein Licht aussendet, das die tiefe Schwärze der Umgebung und den kargen Klippenweg erhellt (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR).

Für die heitere und unbeschwerte Seite des Lebens stehen dann Ludwig Heinrich Jungnickels Frühwerk „Landschaft mit blühendem Apfelbaum“ von 1904, die sich beinahe schon in eine tupfenartige Farbabstraktion verabschiedet hat (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), oder Carl Molls violett gesättigte Impression „Frühstückstisch in Venedig“ mit Ausblick auf die Fassade von San Giorgio Maggiore (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Landschaftliches haben zudem Emil Jakob Schindler mit seinem spätsommerlichen „Pfarrgarten in Weißenkirchen an der Donau“ von 1879 (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR) und Rudolf Wacker mit seiner herbstlichen „Bodenseelandschaft“ von 1931 zu bieten (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR), während sich Josef Arpád Koppay auf einem Pastell zwei zarten jungen Geschwistern samt Katze gewidmet hat (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR).

Schweizer Kunst

Der zweite Katalog für den 13. März enthält die „Schweizer Kunst“ und wird von einer kleinen, aber recht günstig bewerteten Holztafel Wolfgang-Adam Töpffers eröffnet: Sein Gewittersturm setzt mehrere Menschen der Naturgewalt aus und will nur 4.000 bis 6.000 Franken sehen. Ein erster Höhepunkt dieses Auktionsteils sind die Arbeiten des eidgenössischen „Nationalmalers“ Albert Anker, darunter vor allem das schöne „Porträt eines schreibenden Jungen“ um 1908, der gerade von seiner Tätigkeit ablässt und verträumt zur Seite blickt (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Eine etwas ungewöhnliche Geschichte verbirgt sich hinter einer großformatigen lichterfüllten Waldlandschaft von Robert Zünd: Ein Kunstliebhaber ließ Zünds ursprüngliche religiöse Szene mit Christus und dem Teufel kurzerhand übermalen und wählte dafür Frank Buchser aus, der nun eine Zigeunerfamilie mit Esel und Hund pittoresk in die Bildmitte platziert hat (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR). Buchser kommt noch einmal alleine mit seiner indianischen Szene „Canoetreiben am St. Mary“, entstanden um 1868 während seines fünfjährigen Amerika-Aufenthalts, bei 80.000 bis 120.000 Franken zum Zug.

Vieles kündet von der Alpenwelt in der Schweiz und den angrenzenden Ländern. In seinem symbolistischen frühen Hauptwerk „L’aube“ setzte Alexandre Perrier 1892 in pointillistischer Malweise eine junge Frau in die Mitte einer weiten grünen Wiese mit abendlicher Bergkette im Hintergrund (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), Hans Emmenegger fing 1901 die Abendsonne bei der Halbinsel San Vigilio im Gardasee stimmungsvoll ein (Taxe 22.000 bis 26.000 SFR), und Emil Cardinaux blickte vier Jahre später in ungewöhnlichem Kolorit zwischen Grün, Violett und Braun auf einige Bauernhäuser der Mägisalp im Berner Oberland (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). Ins Wallis geht es mit Raphy Dallèves’ Gouache der beiden „Jeunes filles cueillant des fleurs“ von 1910 (Taxe 25.000 bis 30.000 SFR), der in gleicher Technik von Charles-Clos Olsommer 1928 ausgeführten „Valaisanne pensive“ (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR) und François de Ribaupierres ebenso stilisiert ins Bild gerückten „Valaisanne“ (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Während Cuno Amiet seine Landschaft mit Häusern mittels der Farbe Rot expressiv aufleuchten lässt (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), nutzt Gottardo Segantini in seinen divisionistischen Gemälden „Autunno. Piz Lagrev“ von 1930 (Taxe 120.000 bis 150.000 SFR) und „Landschaft mit pflügenden Bauern“ von 1943 eine natürliche Farbigkeit, um die Reize der Engadiner Berge zu gestalten (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR).

Hochpreisig bleibt es bei zwei Gemälden von Félix Vallotton. Jeweils 250.000 bis 300.000 Franken sollen sein Küstenstreifen „Champ de blé. Locquirec“ an einem tristen Tag in der Bretagne und der sonnenbeschienene „Escalier du couvent San Marco“ in Perugia von 1913 erzielen. Auch Marius Borgeaud zog es in die Bretagne, als er 1923 ein Jahr vor seinem Tod das Interieur „Petit-déjeuner à Audierne“ mit Fensterausblick auf das Meer in einer meisterlichen Beherrschung der Farben, insbesondere der Weißabstufungen, malte (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Gustave Buchet erfreute sich in dieser Zeit schon am Kubismus, was seine „Jeune fille au bandeau“ (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR) und „Le bouquet rose“ von 1917 bezeugen (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Recht kulissenhaft wirken die aus architektonischen Versatzstücken und geometrischen Formen komponierten Gemälde „Klassische Architektur I“ von 1926 (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR) und „Das stille Haus“ von 1927 des Schweizer Bauhaus-Künstlers Xanti Schawinsky (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR).

Die Künstlerinnenriege der Auktion ist nicht so umfangreich ausgeprägt. Sie spielt sich zwischen der 1870 in Bern geborenen Malerin Martha Stettler, die mit ihren Kinderszenen, wie dem Interieur „Zwei Mädchen mit Puppe“ von etwa 1902, Bekanntheit erlangte (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR), und der weitaus geläufigeren Meret Oppenheim ab. Die Surrealistin ist für die beiden Papierarbeiten eines nur mit viel Fantasie erkennbaren „Gesichts im Nachthimmel“ von 1963 (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR) und der kindlich naiven Zeichnung „Kleines rotes Mädchen in einer Muschel“ von 1974 verantwortlich (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). Vivian Suter hat erst in den letzten Jahren durch Preisverleihungen und Ausstellungen wieder Aufmerksamkeit erfahren. Ihr titelloses Gemälde von 1989 ist eine dynamische gestische Farbabstraktion (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). In dieser Zeit entstand auch Michael Bibersteins graue wolkige Abstraktion von 1986, die an fernöstliche Tuschmalereien erinnert (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Roman Signers explosive Arbeit „Stiefel mit Rakete“ auf einem teils verkohlten Holzbrett von 1993 zeichnet sich durch eine Portion Humor aus (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Bei Albrecht Schnider kommen dann die Schweizer Alpen wieder zum Zug, etwa 1988, als er sich mit kurzer Hose, T-Shirt und Palette auf einer gelbgrünen Wiese vor eine Bergkette verewigte (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR).

Die Auktion beginnt am 13. März um 11 Uhr mit der „Klassischen Internationalen Kunst“; um 14 Uhr folgt die „Schweizer Kunst“. Der Katalog ist im Internet unter www.bbw-auktionen.com abrufbar.

Kontakt:

Artcurial Beurret Bailly Widmer

Schwarzwaldallee 171

CH-4058 Basel

Telefon:+41 (061) 312 32 00

Startseite: www.bbw-auktionen.com



11.03.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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François de Ribaupierre,  Valaisanne

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Gottardo Segantini,  Autunno. Piz Lagrev, 1930

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Taxe: 120.000 - 150.000 SFR

Zuschlag: 150.000,- SFR

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Wolfgang-Adam Töpffer,  Un orage, 1823

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Taxe: 4.000 - 6.000 SFR

Zuschlag: 6.000,- SFR

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Gustave Buchet,  Jeune fille au bandeau, 1917

Gustave Buchet, Jeune fille au bandeau, 1917

Taxe: 20.000 - 30.000 SFR

Zuschlag: 21.000,- SFR

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Frank Buchser,  Canoetreiben am St. Mary, um 1868

Frank Buchser, Canoetreiben am St. Mary, um 1868

Taxe: 80.000 - 120.000 SFR

Zuschlag: 70.000,- SFR

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Hans Emmenegger,  Abendsonne San Vigilio, 1901

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Taxe: 22.000 - 26.000 SFR

Zuschlag: 22.000,- SFR

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Alfred Kubin,  Ekstase

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Félix Vallotton,  Escalier du couvent San Marco. Pérouse, 1913

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Frank Buchser, Robert Zünd und  Landschaft mit Zigeunern

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Roman Signer,  Stiefel mit Rakete, 1993

Roman Signer, Stiefel mit Rakete, 1993

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Zuschlag: 20.000,- SFR

Losnummer: 172




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