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Baukunstarchiv NRW rückt Heinrich Tessenow ins Rampenlicht

in der Ausstellung „Heinrich Tessenow. Annäherungen und ikonische Projekte“

Heinrich Tessenow. Annäherungen und ikonische Projekte“ lautet der Titel einer umfangreichen Werkschau des bedeutenden deutschen Architekten im Dortmunder Baukunstarchiv des Landes Nordrhein-Westfalen. Nach der letzten größeren Präsentation im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt und auf der Biennale in Venedig im Jahr 1991 kann das Baukunstarchiv nun dank neuer Forschungen ein deutlich umfassenderes Bild des zu Unrecht in den Hintergrund gerückten Baumeisters zeichnen. Das Werk des 1876 in Rostock geborenen Sohnes eines Zimmermanns wird der Reformarchitektur zugerechnet und besticht durch eine Konzentration auf das Wesentliche. Mit Akribie und Eleganz verstand es Heinrich Tessenow, dies ausdrucksstark zur Geltung zu bringen. Dabei half ihm sein untrügliches Gespür für feine Proportionen und seine ausgeprägte Liebe bei der Gestaltung von Details, die auch die Innenausstattung einbezog. Der weitaus größte Teil seines Œuvres ist der zentralen Aufgabe der Architektur, dem Wohnen, gewidmet. „Das Einfache ist nicht immer das Beste; aber das Beste ist immer einfach“, lautete dabei seine Devise.

Der als Kurator engagierte Architekturprofessor Martin Boesch unternahm den Versuch, die große und komplexe Bandbreite von Tessenows Schaffen in drei Themenkreise zu fassen. Im Lichthof des Baukunstarchivs stehen Modelle, Fotografien, Pläne und Objekte für die Stadt im Fokus, flankiert von theoretischen Schriften und der Werkrezeption, während im oberen Umgang Wohnhäuser und im oberen Saal Bauten in der Landschaft zusammengefasst sind. Zu den berühmtesten Werken des Architekten zählt das 1912 vollendete Festspielhaus in Hellerau bei Dresden. Der imposante, formal reduzierte Bau mit dem prägenden Portikus aus vier Pfeilern und hohem Giebel akzentuiert die Wende vom geometrischen Jugendstil hin zum Neoklassizismus. Neben der 1927 fertiggestellten Landesschule in Klotzsche bei Dresden, bei der Heinrich Tessenow das Pavillonsystem des 19. Jahrhunderts weiterentwickelte, oder dem zeitgleich entstandenen Berliner Stadtbad in der Gartenstraße konnte er 1930 dank eines gewonnen Wettbewerbs die Neue Wache in Berlin zu einer Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs umgestalten.

Obgleich sein Siedlungsgestaltungen eher bodenständig war, bedeutete die Nazi-Herrschaft ab 1933 trotz des von seinem früheren Schüler Albert Speer gewährten Beistands einen Einschnitt. Er galt den neuen Machthabern als zu bürgerlich-konservativ. Sein eigenes Haus in Neubrandenburg offenbart Tessenows Orientierung am Urtyp eines Siedlungshauses mit klarer kubischer Formgebung samt Satteldach. Aber auch private Villenbauten, etwa das 1989 abgerissene Haus Böhler in Oberalpina bei St. Moritz, sind ebenso Teil der Schau wie viele nicht realisierte Groß- und Städtebauprojekte, etwa die aus einem Säulenwald bestehende Halle für das neue Seebad Prora auf Rügen. Nur wenige Projekte haben sich bis heute in unverändertem Zustand erhalten. Das Archiv Tessenows, der 1950 in Berlin verstarb, wurde im Zweiten Weltkrieg vernichtet, so dass in aufwendiger Recherche in den letzten Jahrzehnten die Bauten fundiert neu erschlossen werden mussten. Die Erkenntnisse flossen in einen ergiebigen Ausstellungskatalog ein, an dem 33 Autoren mitwirkten.

Die Ausstellung „Heinrich Tessenow. Annäherungen und ikonische Projekte“ ist bis zum 23. Juni zu sehen. Das Baukunstarchiv NRW hat täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Der empfehlenswerte Katalog ist im Hochparterre-Verlag erschienen und kostet 86 Euro.

Baukunstarchiv NRW
Ostwall 7
D-44135 Dortmund
Telefon: +49 (0)231 – 222 50 150


20.03.2024

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Ausstellung „Heinrich Tessenow. Annäherungen und ikonische Projekte“
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