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Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Die aktuelle Ausgabe der Art Brussels wartet mit reichlich frischer Ware auf. Doch die Galeristen sorgen sich auch um eine von der belgischen Regierung geplante Mehrwertsteuererhöhung auf Kunst

40 Jahre und kein bisschen müde



Die Art Brussels 2024 in den Hallen der Brussels Expo

Die Art Brussels 2024 in den Hallen der Brussels Expo

Wer am vergangenen Donnerstag über die Vernissage der 40. Art Brussels ging, konnte es nicht übersehen: Zahlreiche Besucher*innen und Galerist*innen hatten sich ein rotes Herz mit dem Schriftzug „Art“ ans Revers geklebt. Dahinter steckt eine Aktion des belgischen Kunsthändlerverbandes Rocad. Gleich am Eingang hat die Vereinigung einen Infostand aufgebaut, an dem sie Unterschriften gegen die Pläne des belgischen Finanzministers sammelt, die Mehrwertsteuer auf Kunst auf 21 Prozent zu erhöhen. „Bisher wurden 21 Prozent lediglich auf die Marge zwischen dem Einkaufs- und dem Verkaufspreis erhoben“, erläutert Rocad-Präsident Patrick Mestdagh im Gespräch. „Die aktuellen Pläne der Regierung sehen jedoch vor, die Mehrwertsteuer auf den gesamten Kaufpreis zu erheben.“ Und weiter: „Wenn das Gesetz durchkommt, wäre es eine Katastrophe für den belgischen Kunstmarkt und auch für die belgische Kultur.“ Mestdagh gibt sich allerdings optimistisch, dass am Ende der Messe das angestrebte Ziel von 10.000 Unterschriften erreicht sein wird. Durch gezielte Lobbyarbeit konnte vor den im Juni anstehenden Wahlen in Belgien immerhin erreicht werden, dass das Gesetz zunächst einmal auf Eis liegt. „Wir haben einen ersten Sieg errungen, aber die Schlacht ist noch nicht geschlagen“, so Mestdagh.


Von dieser möglichen Bedrohung abgesehen, war die Stimmung auf der diesjährigen Art Brussels jedoch von der Neugier der Sammler*innen auf Frischware geprägt. 177 Galerien aus 30 Ländern repräsentieren hier rund 800 Künstler*innen. Was sofort auffällt: An vielen Ständen dominiert das Medium Malerei. Anlässlich seines 75. Todestages wird der belgische Maler James Ensor gerade im Brüsseler Bozar mit einer großen Ausstellung geehrt. Grotesk-surreale Bildideen wie bei Ensor werden aber nach wie vor auch von vielen jüngeren Künstler*innen umgesetzt und von der lokalen Sammlerschaft geschätzt und gekauft, so zum Beispiel die Bilder von Sanam Khatibi am Stand der Brüsseler Galerie Rodolphe Janssen. Die 1979 geborene Belgierin mit iranischen Wurzeln entwirft auf ihren altmeisterlich detailreichen Ölgemälden eine Welt zwischen Schönheit und Grauen im Kleinformat. Eingebettet in paradiesische Landschaften taucht immer wieder ein skurriles Skelett auf, das sich an anderen menschlichen Knochen zu schaffen macht. Inspiriert sind diese durchaus auch humorvollen Bilder von Berichten über den „Green-River-Killer“, einen amerikanischen Serienkiller aus den 1980er Jahren (Preisspanne: 20.000 bis 28.000 Euro).

Doch der Fokus auf narrative Malerei kommt nicht bei allen Besucher*innen so gut an. Marc Gensollen, einer der wichtigsten französischen Sammler von Konzeptkunst, bedauert, dass es auf der Art Brussels zu viel „lyrische Malerei“ gebe. Für den in Marseille beheimateten Psychoanalytiker hält die Messe jedoch auch Abgründigeres bereit, etwa in der Sektion „Solo“ am Stand von Harlan Levey Projects aus Brüssel. In einer kleinen Retrospektive sind hier Arbeiten des 1972 geborenen US-Künstlers TR Ericsson zu sehen. Der in der Koje präsente, in Habitus und Radikalität an den norwegischen Schriftsteller Karl Ove Knausgård erinnernde Ericsson setzt sich in verschiedenen Medien mit dem Verrinnen der menschlichen Lebenszeit auseinander. Ausgangspunkt seiner autobiografischen Arbeiten ist der Freitod seiner Mutter im Jahr 2003. Deren Porträt taucht unter anderem auf einem Siebdruck auf, für dessen Herstellung der Künstler auch Aschepartikel seiner Mutter als Pigmente verwendet hat (Preise zwischen 8.000 und 40.000 Euro).

Ebenfalls konzeptuell, aber viel spielerischer kommt die Darbietung der Brüsseler Galerie „Sorry We’re Closed“ daher, die in jedem Jahr mit einem außergewöhnlichen Standkonzept reüssiert. Diesmal hat Galerist Sébastien Janssen seine Künstler*innen gebeten, sich von dem Frank Zappa-Song „Don’t Eat The Yellow Snow“ inspirieren zu lassen. Kombiniert sind hier etwa ein knallgelber Metallhund des Berliner Bildhauers Thomas Kiesewetter oder eine Keramikvase mit Sonnenblumenmotiven in verträumter Folk-Optik der Kalifornierin Jennifer Rochlin (Preise auf Anfrage). Eine der wenigen Galerien, die digitale und mit KI erzeugte Kunst im Gepäck haben, ist Office Impart aus Berlin. Eine Personale konzentiert sich hier auf digitale und analoge Gemälde und eine Videoarbeit der Amerikanerin Sara Ludy, Jahrgang 1980. Das Video „Metamimics“ (2023) ist ein Hingucker auf der Messe (11.400 Euro, Auflage: 6). Ludy zeigt ihre superfluiden, digitalen Protagonisten in sieben für die menschliche Gesellschaft typischen Situationen, etwa am Strand, beim Dinner oder am Pool.

Die Düsseldorfer Galerie Van Horn hat eindrucksstarke Bilder der Künstlerin Anys Reimann mit nach Brüssel gebracht. Die in Düsseldorf lebende Tochter einer deutschen Mutter und eines westafrikanischen Vaters thematisiert auf ihren in Ölmalerei und Collage-Technik gefertigten Arbeiten die eigene bikulturelle Herkunft. Ihre selbstbewussten, die Betrachter*innen herausfordernd anblickenden Protagonistinnen sind hybride Wesen, zusammengesetzt aus den verschiedenen Körperteilen mehrer Frauen. In den Bildern ihrer imaginären Powerfrauen amalgamiert Reimann Elemente aus Afrika und Europa, Mythos und Alltag, Kunstgeschichte, Mode und Popkultur (Preise zwischen 4.000 und 16.500 Euro).

Der 1972 geborene belgische Maler Benoit Platéus beschäftigt sich mit der Entmaterialisierung vorgefundener Bilder zum Beispiel von Protagonisten der Moderne wie Max Ernst, Marc Chagall oder Piet Mondrian, die er auf seinen großformatigen Leinwänden so stark zerlegt, dass am Ende nur noch visuelle Spuren der Originale sichtbar bleiben. Die Brüsseler Galerie Meessen widmet ihm eine Soloschau (Preise zwischen 9.000 und 37.000 Euro). Daneben sind am Stand von Meessen etliche weitere Positionen versammelt, die sich mit visuellen Vorlagen der Vor- und Frühgeschichte und der Antike, Transformationen und Schriftsystemen auseinandersetzen. So kontrastiert etwa der 1980 in Peru geborene Künstler Nicolás Lamas in einem fast aseptisch wirkenden, an die Wand montierten Glaskasten die Kopie einer mesopotamischen Schriftplatte mit Computerschrott in Form einer halb zerstörten Platine. Die Arbeit „Archaeology of data“ von 2023 kostet 8.000 Euro.

Die Art Brussels feiert in diesem Jahr ihr 40. Jubiläum. Auf einer großen Fotowand zwischen den Hallen sind Höhepunkte aus dieser Zeit vereint. Dennoch kam bei den Messeteilnehmer*innen nicht nur Champagnerlaune auf. Auch Messedirektorin Nele Verhaeren äußerte sich beim Pressetalk besorgt über die im Raum stehende Mehrwertsteuererhöhung: „Am Ende könnte das den Vibe des gesamten kulturellen Sektors in Belgien beeinträchtigen.“ Gefährdet sieht sie nicht nur Künstler*innen und Galerist*innen sondern auch Kritiker*innen, Fotograf*innen, Produktionsstudios, die Gastronomie und nicht zuletzt die Messegesellschaft selbst.

Auch Olivier Meessen gab sich trotz erster Verkäufe etwas verhalten: „Es ist nicht das beste Jahr. Viele Leute sind zur Zeit etwas vorsichtig.“ Zum Thema Mehrwertsteuererhöhung gibt er sich zweckoptimistisch: „Zuerst waren wir Galeristen darüber sehr erschrocken. Im Moment liegt das angesichts der Neuwahlen im Juni aber zum Glück auf Eis.“ Die Steuerpläne beträfen ja neben dem Kunsthandel auch noch etliche andere Branchen. Immerhin sei es ihm zusammen mit einer Gruppe befreundeter Galerist*innen Anfang April gelungen, bei einem Dinner mit dem Premierminister auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Schließlich sei es doch so, wer am lautesten schreie, werde am Ende hoffentlich auch gehört werden. Doch er entwirft auch ein Worst-Case-Szenario: „Sollte es wirklich so weit kommen, ist die französische Großstadt Lille ja nicht allzu weit von der belgischen Grenze entfernt.“ Denkbar sei es, dass sich dann mehrere große belgische Galerien zusammentun, dort eine große Halle mieten, diese abwechselnd bespielen und die Arbeiten dann zum ermäßigten französischen Steuersatz von 5,5 Prozent verkaufen. Für den belgischen Markt wäre eine derartige Verlagerung ins benachbarte Ausland natürlich eine Katastrophe.

Die 40. Art Brussels hat bis zum 28. April täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 28 Euro, ermäßigt 10 Euro. Für Kinder unter 16 Jahren ist er frei.

Brussels Expo, Hallen 5 und 6
Place de la Belgique 1
BE-1020 Brüssel

www.artbrussels.com



28.04.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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