Dresden eröffnet das Archiv der Avantgarden  |  | Neu in Dresden: Das Archiv der Avantgarden im Blockhaus | |
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) eröffnen am Sonntag ein neuen Museum: Das Archiv der Avantgarden, beheimatet im eigens dafür umgestalteten Blockhaus am Fuße der Augustusbrücke in der Dresdner Neustadt. Ermöglicht wurde die Neugründung durch die Schenkung des Galeristen, Sammlers und Verlegers Egidio Marzona, der 2016 und 2018 der SKD rund 1,7 Millionen Objekte seiner Sammlung überlies. Eröffnet wird das Archiv der Avantgarden (ADA) mit einer Ausstellung zum Surrealismus sowie zu seiner Ausstrahlung in andere Avantgarde-Bewegungen, darunter Dada, Cobra, Fluxus und Pop Art. Anlass ist das hundertjährige Jubiläum des von André Breton verfassten surrealistischen Manifestes, dessen kulturgeschichtliche Wirkung anhand von 300 Exponaten deutlicht werden soll. Der Fokus liegt dabei auf dem „Büro für surrealistische Forschungen“, das 1924 von einer Gruppe von Kunstschaffenden in Paris gegründet wurde, um Träume aufzunehmen, zu sammeln und zu archivieren. Diese dienten den Künstler*innen als Inspirationsquellen für ihre Arbeiten. Die Schau thematisiert vor allem avantgardistische Praktiken, die die Grenzen zwischen Realität und Traum verwischen.
Kern des vom spanisch-deutschen, museumserprobten Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos von Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano entworfenen Umbaus ist ein mächtiger, scheinbar frei über der Ausstellungsebene schwebender Kubus, in dem Egidio Marzonas Sammlung Platz findet. Aus dieser Sammlung heraus entstehen die Sonderausstellungen, die im Erdgeschoss präsentiert werden. Auf der sogenannten Forschungsplattform, die über die skulpturale Wendeltreppe erreichbar ist, befindet sich ein kuratierter Freihandapparat aus der umfassenden Bibliothek Marzonas, der sich am Thema der Sonderausstellungen orientiert. „An diesem Ort des Ausstellens, des Forschens, des Nachdenkens und des Dialoges können die ungeklärten Fragen der globalen Avantgarden aufgerufen werden“, erklärt Marion Ackermann, Generaldirektorin der SKD. „Mit dem ADA eröffnet im Zentrum Dresdens, direkt an der Elbe, ein einzigartiges Museum, das als Archiv der Archive Menschen aus der ganzen Welt anziehen wird“, so Ackermann weiter.
Zudem sind auf der Forschungsplattform Arbeitsplätze eingerichtet, die für Recherchearbeiten reserviert werden können. In die Regalsysteme eingebaute Vitrinen präsentieren Objekte, die das Spektrum des Sammlungsbestands vorstellen. Auf der Plattform befinden sich außerdem weitere Sitzgelegenheiten für Lesestunden und Gesprächsrunden. Parallel zur Eröffnung des ADA startet das Online-Portal „Wir sind Avantgarde!“ mit Zeitzeugengesprächen. Die seit 2020 aufgezeichneten Filme dokumentieren Gespräche mit dem Sammler Egidio Marzona und mit anderen Zeitzeugen und Zeitzeuginnen über die Praxis und Motivation des Sammelns sowie über Hintergründe und Vorgeschichte des ADA, etwa Vision, Aufbau, Entwicklung, historischer Kontext und Provenienzen. Einen ersten Vorgeschmack bietet das ADA mit kostenfreiem Eintritt bereits am 4. Mai von 16:30 bis 21 Uhr. Das Eröffnungswochenende sowie die folgende Woche wird das ADA mit einem umfangreichen Programm zelebrieren.
Die Ausstellung „Archiv der Träume. Ein surrealistischer Impuls“ läuft bis zum 1. September. Das Archiv der Avantgarden ist dienstags bis freitags von 15 bis 21 Uhr, am Wochenende von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Schüler und Studierende ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation.
Archiv der Avantgarden — Egidio Marzona
Neustädter Markt
D-01097 Dresden
Telefon: +49 (0)351 – 49 14 20 00 |