Ewa Partum erhält Lovis Corinth-Preis Ewa Partum ist die Gewinnerin des diesjährigen, mit 10.000 Euro dotierten Lovis Corinth-Preises. Ihr künstlerischer Beitrag sei international wegweisend sowohl für die Konzeptkunst als auch für die feministische Kunst, heißt es in der Begründung der Jury. Anlässlich der Auszeichnung ehrt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg die polnische Konzept- und Performancekünstlerin mit einer Ausstellung, ihrer ersten Einzelpräsentation in einem deutschen Museum. Die Schau gibt einen Überblick über das vielfältige Schaffen Ewa Partums seit den 1960er Jahren bis heute. Zu sehen sind Exponate, die im Rahmen ihrer Performances im öffentlichen Raum in Polen und in Berlin entstanden sind und vielfach ihren nackten Körper zeigen: Fotografien, Filme und Installationen. Trotz der Zensur im sozialistischen Polen setzte sie sich mit ihren Performances und Aktionen seit den 1960er Jahren für die Stimme der Frau in der Öffentlichkeit ein. Ihr besonderes Anliegen war dabei die Gleichberechtigung von Künstlerinnen. 1982 war sie schließlich zur Emigration nach Deutschlang gezwungen.
Ihr Studium absolvierte Ewa Partum zwischen 1963 und 1970 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Lodz und an der Akademie für Bildende Künste in Warschau. Ende der 1960er Jahre begann sie, mit Sprache beziehungsweise Text zu experimentieren. Im Rahmen der MailArt konnte sie vielfältige Kontakte zur Kunstszene auch jenseits des Eisernen Vorhangs knüpfen. Später untersuchte sie die Rolle und Struktur weiterer Medien, insbesondere des Films und der Fotografie. In ihren Installationen, Performances und Aktionen setzte Partum vielfach ihren eigenen Körper ein. So notierte sie beispielsweise Laute als Abdrücke ihrer Lippen und ergänzte so schreibmaschinengetippte Buchstaben einzelner Wörter. Wegweisend war ihre Ausstellung „Selbstidentifikation“ von 1980. Sie stellte hier seriell konzipierte Fotomontagen aus, die sie als Akt in ungewöhnlichen Kontexten an verschiedenen öffentlichen Orten in Warschau zeigen, etwa in einer Warteschlange, gegenüber einer Polizistin, zwischen Passanten, in einem Geschäft und unerlaubt auch vor dem polnischen Regierungsgebäude.
Zum Teil dokumentieren die Fotografien aber auch tatsächlich realisierte Performances. Während einer Vernissage trat Ewa Partum unbekleidet vor das Publikum und erläuterte, dass sie so lange nackt in ihrer Kunst erscheinen werde, bis Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt und in Museen die gleiche Wertschätzung erfahren wie ihre männlichen Kollegen. In der Fotoinstallation „Ost-West-Schatten“ von 1984 kehrte sie ebenfalls als Akt wieder, stand auf Highheels einen Meter von der Berliner Mauer entfernt und hielt in der linken Hand den Buchstaben „O“ für Ost, in ihrer rechten Hand den Buchstaben „W“ für West. Ihr Schatten wanderte während ihrer Performance wie der Zeiger einer Sonnenuhr von Ost nach West. Vor allem seit ihrer Auswanderung nach Deutschland hat Partum ihren Wirkungskreis auf den gesamteuropäischen Raum ausgedehnt.
Die Ausstellung „Ewa Partum. Lovis-Corinth-Preis 2024“ läuft vom 17. Mai bis zum 8. September. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Begleitend zur Schau erscheint ein Katalog.
Kunstforum Ostdeutsche Galerie
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