Reutlingen präsentiert Bernard Aubertin Das Kunstmuseum Reutlingen würdigt Bernard Aubertin aktuell mit einer Einzelausstellung. Der gebürtige Franzose, der schon ab 1961 fest zum Kreis der Düsseldorfer ZERO-Gruppe zählte, lebte ab 1988 bis zu seinem Tod im Jahr 2015 in Reutlingen. Sämtliche Exponate sind heute Teil der Sammlung des Kunstmuseums Reutlingen. Die Kurator*innen Stef Stagel und Steffen Schlichter wollen mit der Schau nicht nur einen großen Künstler der Stadt feiern, sondern zeigen, wie direkt Aubertins Lebenssituation sich in seinem Werk manifestiert. Denn das Verweben künstlerischer Produktionsprozesse mit den Strukturen des Alltags wurde von Bernard Aubertin in Reutlingen permanent selbst dokumentiert. Die spezifische Ateliersituation und die Möglichkeit, in seinem Atelierhaus auch ausstellen zu können, haben sich auf die Produktion seiner Arbeiten, ihre Dimensionen und die verwendeten Mittel sichtbar ausgewirkt.
Die Ausstellung „Rouge et plus“ versammelt verschiedene große Werkserien und macht etwa mit seiner raumfüllenden Installation „Carré, Or“ von 2004/06 deutlich, dass Bernard „le rouge“, so sein Beiname, keinesfalls auf die Farbe Rot zu reduzieren ist. Darüber hinaus geben historische Fotodokumente und Relikte aus dem Atelier und den Wandel-Hallen sowie private Aufzeichnungen zum ersten Mal Einblicke in die persönliche Arbeitssituation Aubertins. Stagel und Schlichter haben ikonisch gewordene Werke früherer Schaffensphasen ab 1958 ausgesucht, um die Besonderheit der in großen Wandinstallationen mündenden seriellen Arbeiten späterer Dekaden hervorzuheben.
Der 1934 in Fontenay-aux-Roses bei Paris geborene Bernard Aubertin begegnete 1957 Yves Klein, war von dessen Werk überaus beeindruckt und begann kurz darauf, monochrom mit roter Farbe zu arbeiten. Recht bald machte Aubertin seine Kunst öffentlich und wurde in damaligen Avantgardekreisen – nicht zuletzt durch seinen performativen Einsatz von Feuer – bekannt. Als Mitglied der Düsseldorfer Gruppe ZERO war er 2014 auch Teil der großen ZERO-Überblicksausstellung im New Yorker Guggenheim Museum. Dennoch blieb seine Bekanntheit immer ein wenig im Schatten der großen ZERO-Namen Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker oder deren italienischen Vorläufern. In Reutlingen will man das nun ein Stück weit ändern.
Die Ausstellung „Bernard Aubertin. Rouge et plus“ läuft bis zum 20. Oktober. Das Kunstmuseum Reutlingen hat mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, ausgenommen donnerstags und freitags, wenn das Haus nachmittags von 14 bis 20 Uhr geöffnet ist. Der Eintritt beträgt regulär 7 Euro, ermäßigt 4 Euro. Donnerstags ist er frei. Begleitend erscheint ein Katalog zum Museumspreis von 10 Euro.
Kunstmuseum Reutlingen – konkret
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