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Bei den „Ausgewählten Werken“ unternimmt Grisebach eine Zeitreise vom deutschen Expressionismus bis in die Gegenwart und kann auf museale Werke aus dem Familienbesitz eines großen Künstlers bauen

Eine heile Welt in den Bergen



Ernst Ludwig Kirchner,  Heuernte, 1924/26

Ernst Ludwig Kirchner, Heuernte, 1924/26

„So lebe ich hier ganz ruhig und wohlbesorgt“, schrieb er Ernst Ludwig Kirchner an seinen Freund Henry van de Velde und meinte damit die Schweizer Bergwelt bei Davos. Vor den Schrecken des Ersten Weltkriegs und dem dort ständig lauernden Tod hatte sich Kirchner hierhin zu Beginn des Jahres 1917 zurückgezogen und suchte Ruhe und Frieden. Nun stand nicht mehr die aufgeregte, nervöse Großstadt Berlin im Mittelpunkt seines Schaffens, sondern die Natur und das bäuerliche Leben in den Alpen. „Es gewann den gleichen Rang wie die großen Themen der Dresdner und Berliner Zeit“, so der Kirchner-Spezialist Lucius Grisebach: „Dabei verstand Kirchner das Leben der Bauern um sich herum sofort als eine harmonische Ordnung, erwachsen aus den besonderen Bedingungen des Hochgebirges und des Laufes der Jahreszeiten.“ Ein Beispiel für dieses unverfälschte Leben ist Kirchners „Heuernte“ von 1924/26. Hier stellt er sieben hart arbeitenden Bauersleuten oben rechts eine kleine Gruppe der wohlhabenden Gesellschaft gegenüber, die im Hochgebirge à la Thomas Manns „Zauberberg“ ein therapeutisch-medizinischen Sonnenbad auf der grünen Wiese nehmen. Fast drohend erhebt eine Bäuerin ihren Rechen gegen die Kurgäste.


Dass Kirchner in der Bergwelt ein neue Geborgenheit gefunden hatte, äußerte er in einem Brief an seinen Schweizer Sammler Georg Reinhart: „Es ist wunderbar hier oben. Berge und Menschen haben eine reinigende Wirkung auf mich.“ Nun steht die in einem Farbkanon aus Gelb, Grün, Hellblau und Violett gemalte „Heuernte“, die seit 1967 bis vor kurzem als Leihgabe aus dem Künstlernachlass im Museum Biberach hing – sein jüngster Bruder Ulrich Kirchner lebte dort –, an der Spitze der „Ausgewählten Werke“ bei Grisebach in Berlin und soll 700.000 bis 900.000 Euro einspielen. Ein weiteres Werk Ernst Ludwig Kirchners schmückt die Auktion: seine expressiven „Glockenblumen“, die 1919 in der Phase der Neuorientierung in der Schweiz entstanden, gehören zu den wenigen Blumenbildern im Schaffen des Expressionisten, stammen ebenfalls aus der Familie des Künstlers und sind mit 350.000 bis 450.000 Euro veranschlagt.

So stark wie sonst ist der deutsche Expressionismus bei Grisebach diesmal nicht vertreten. Emil Nolde feiert ebenfalls die Schweizer Alpen auf seinem farbfliesenden, beinahe abstrakten Aquarell „Bergsee“ und begibt auf seiner „Marschlandschaft mit Bauernhof“ unter dräuenden Gewitterwolken in heimatliche norddeutsche Gefilde um Seebüll, Erich Heckel macht mit einem gesichtslosen und einsamen „Mädchen am Meer“ von 1922 auf sich aufmerksam, und Gabriele Münter gibt in ihrem farbintensiven „Blumenstillleben mit Sofa und Kissen“ von 1910 eine Einblick in das Wohnzimmer ihres alten Bauernhauses in Murnau, während Paula Modersohn-Becker um 1905 den „Kopf eines Mädchens mit geschlossenem Kragen“ groß, frontal und still ins Zentrum ihres Bildes rückt (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR).

Die Ölstudie „Rapallo – Castello und Kirche“ aus dem Jahr 1906 gilt als wichtiger Meilenstein in Wassily Kandinskys künstlerischem Schaffen; markiert der Blick auf die ligurische Küstenstadt doch einen Entwicklungsschritt hin zur abstrakten Malerei (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Die ist mit Otto Freundlichs lichttrunkenem Pastell „Blick aus dem Fenster“ um 1924/25 in der Zusammensetzung aus kleinen Farbpuzzlesteinen erreicht (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Oskar Schlemmers Papierarbeit „Raum mit sieben Figuren“ von 1937 gehört zu der lockeren Serie von „Lebensskizzen“, die eine intime Genreszene in einem häuslichen Umfeld formulieren. Die Darstellung erinnert an sein berühmtes Werk „Die Frauenschule“, das die Präsenz von Figuren in einem konkreten Raum thematisiert und Schlemmers immerwährende Suche nach dem Wesen des Menschen widerspiegelt (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Karl Hofer entrückt seine beiden „Badenden am See“ von 1937 in ihrer in sich gekehrten Haltung einer konkreten Epoche und lässt die leise Ahnung einer versunkenen überzeitlichen Mythologie aufschimmern (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Der nackten Weiblichkeit huldigt zudem Gerhard Marcks in seiner lebensgroßen Bronzeskulptur „Schwimmerin II“ von 1928/52, die eben ihre Badekappe über die Haare zieht und innerlich zu lächeln scheint (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Noch mehr Melancholie und Traurigkeit spricht aus Werner Heldts Gemälde „Die Panke fließt durch Berlin“. Die menschenleere weltverlassene Großstadtvision mit ihren Hinterhäusern hat der Berliner Maler um 1930 um einen Kopf mit leeren Augenhöhlen angereichert, der fast zum Totenschädel mutiert (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Mehr Energie und neuen Schwung gibt es dann in der Nachkriegskunst, vor allem beim Informel. So hat Karl Otto Götz einen dynamischen schwarzen Rakelschwung 1973 über seine Leinwand „Werla“ gestrichen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), und Ernst Wilhelm Nay kontrastiert auf seinem Gemälde „Feuersäule“ aus dem Jahr 1965 die titelgebende Aufwärtsbewegung aus Kreisen in hellem Gelb und Braun mit dunklen Partien in Blau, Violett und Schwarz (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Auch für die ZERO-Künstler begann Ende der 1950er Jahre eine neue Ära, die alles Alte hinter sich lassen und bei Null beginnen sollte. Günther Uecker gab deshalb die Malerei auf und schuf fortan Bildobjekte aus Nägeln, wie 1962 seine runde Igelform „Phantom“, die sich durch ihr verwirrendes Licht-Schatten-Spiel auf der weißen Leinwand auszeichnet (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR).

Die „Neuen Wilden“ holten dann in den frühen 1980er Jahren wieder das Figurative in ihre impulsive und neoexpressive Malerei. Als Beispiel führt der Katalog Helmut Middendorfs sich exaltiert darbietenden „Sänger“ von 1980 für 40.000 bis 60.000 Euro und Karl Horst Hödickes Diptychon der männermordenden „Medea“ von 1982 für 80.000 bis 100.000 Euro an. Überlegter geht Neo Rauch seine Kunst an. Sein Gemälde „Clouse!“ von 2000, ein Geschenk an den ostdeutschen Kunsthistoriker Klaus Werner zum 60. Geburtstag, der damals in Leipzig die erste große institutionelle Einzelschau für den heutigen Malerstar organisierte, scheint ein Betrieb zu sein, in dem eben Schokolade in großen Mengen angeliefert und verarbeitet wird. Doch wie bei Neo Rauch üblich verrätselt er die Dinge mit großen grünen Bildern an den Wänden. Sind wir nicht doch eher in einem Museum? Für 150.000 bis 200.000 Euro kann man versuchen, das Dargestellte zu entschlüsseln. Von soviel Hintersinn will der afroamerikanische Künstler Stanley Whitney nichts wissen. Er stapelt lieber rechteckige bunte Farbblöcke in mehreren Reihen aufeinander, wie auf seinem großformatigen Quadrat „Violet Times“ von 2012 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Die Auktion „Ausgewählte Werke“ beginnt am 30. Mai um 18 Uhr. Eine Besichtigung der Kunstwerke ist noch bis zum 28. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr, am 29. Mai von 10 bis 15 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.grisebach.com.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com

Startseite: www.grisebach.com



28.05.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Otto Freundlich, Blick aus dem Fenster, um 1924/25
Otto Freundlich, Blick aus dem Fenster, um 1924/25







Emil Nolde,  Bergsee

Emil Nolde, Bergsee

Taxe: 100.000 - 150.000 EURO

Losnummer: 2

Neo Rauch,  Clouse!, 2000

Neo Rauch, Clouse!, 2000

Taxe: 150.000 - 200.000 EURO

Losnummer: 13

Stanley Whitney,  Violet Times, 2012

Stanley Whitney, Violet Times, 2012

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Losnummer: 15

Werner Heldt,  Die Panke fließt durch Berlin, 1930

Werner Heldt, Die Panke fließt durch Berlin, 1930

Taxe: 120.000 - 150.000 EURO

Losnummer: 16

Gabriele Münter,  Blumenstillleben mit Sofa und Kissen, 1910

Gabriele Münter, Blumenstillleben mit Sofa und Kissen, 1910

Taxe: 100.000 - 150.000 EURO

Losnummer: 7

Helmut Middendorf,  Sänger, 1980

Helmut Middendorf, Sänger, 1980

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 17

Ernst Ludwig Kirchner,  Glockenblumen, 1910

Ernst Ludwig Kirchner, Glockenblumen, 1910

Taxe: 350.000 - 450.000 EURO

Losnummer: 10

Oskar Schlemmer,  Raum mit sieben Figuren, 1937

Oskar Schlemmer, Raum mit sieben Figuren, 1937

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Losnummer: 12

Paula Modersohn-Becker,  Kopf eines Mädchens mit geschlossenem Kragen, 1905

Paula Modersohn-Becker, Kopf eines Mädchens mit geschlossenem Kragen, 1905

Taxe: 100.000 - 150.000 EURO

Losnummer: 21

Günther Uecker,  Phantom, 1962

Günther Uecker, Phantom, 1962

Taxe: 400.000 - 600.000 EURO

Losnummer: 11

Karl Hofer,  Badende am See, 1937

Karl Hofer, Badende am See, 1937

Taxe: 180.000 - 240.000 EURO

Losnummer: 20

Gerhard Marcks,  Schwimmerin II, 1938/52

Gerhard Marcks, Schwimmerin II, 1938/52

Taxe: 120.000 - 150.000 EURO

Losnummer: 19

Otto Freundlich,  Blick aus dem Fenster, um 1924/25

Otto Freundlich, Blick aus dem Fenster, um 1924/25

Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Losnummer: 30




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