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Der Wiener Projektraum fjk3 macht auf den Architekten Hermann Czech aufmerksam und gibt mit Modellen, Fotos und Plänen einen Überblick über seine realisierten Bauten und Projekte, aber auch über seine praxisorientierte Theorie und das nicht ausgeführte Werk

Ein Stararchitekt, den keiner kennt



in der Ausstellung „Hermann Czech. Ungefähre Hauptrichtung“

in der Ausstellung „Hermann Czech. Ungefähre Hauptrichtung“

Bei der letztjährigen Architektur-Biennale in Venedig wurde Österreich von Hermann Czech in Kooperation mit dem Architekturkollektiv AKT vertreten. Unter dem Titel „Partecipazione / Beteiligung“ thematisierten AKT und Czech das Verhältnis zwischen der Biennale und Venedig. Bereits im Vorfeld wurde eine Öffnung des Pavillons für Einheimische in Form eines Durchbruchs zum angrenzenden Stadtteil nicht genehmigt, ebenso wenig eine Brücke über die Pavillonmauer. Letztlich blieb die für die Bewohner Venedigs vorgesehene Hälfte des Pavillons für die Besucher unzugänglich, um die vergebene Möglichkeit der Beteiligung aufzuzeigen. Die als verbindend gedachte Brücke endete unvermittelt über der Pavillonmauer, und der gesamte Ablehnungsprozess wurde in der Ausstellung dokumentiert, um die lokalen bodenpolitischen Debatten und die Exklusion der Einheimischen sichtbar zu machen. Czech und AKT hatten damit sozusagen die „vierte Wand“ zur Bevölkerung durchbrochen, ohne je eine Wand eingerissen zu haben.


Der an diesem viel beachteten Projekt federführend beteiligte Hermann Czech ist eine aus der Wiener Stadtgestaltung nicht wegzudenkende Größe. Gleichwohl ist er ein „Architects Architect“, wie ihn der deutsche Kurator Kasper König nannte – ein Planer und Gestalter, den Architekten international kennen und schätzen, der aber bei Medien und Publikum wenig bekannt ist. Matthias Dusini bezeichnete ihn 2016 im Wiener Magazin Falter als den heimlichen „Stararchitekten, den keiner kennt.“ Denn der 1936 geborene Architekt hat bisher keine Ikone entworfen, den signifikanten „Czech-Bau“ sucht man vergebens. Der Biennale-Beitrag von 2023 dürfte dem vermeintlich Unbekannten aber endlich auch beim Publikum jene Bekanntheit gegeben haben, die diesem herausragenden Architekten längst zusteht.

Dass Hermann Czech nicht nur einer der renommiertesten Architekten Österreichs, sondern eine differenzierte Stimme im aktuellen Diskurs ist, unterstreicht aktuell eine wunderbare Ausstellung im Wiener Projekttraum fjk3, einer Non-Profit-Institution im Zentrum Wiens, mit architektonisch unverwechselbaren Räumen am Donaukanal am ehemaligen Standort der Bau- und Keramikfliesen-Firma Brüder Schwadron. Im Herbst 2021 als Kunstverein gegründet, verschränken sich hier Ausstellungstätigkeit, künstlerische Produktion und fächerübergreifender Diskurs. Die Programmatik orientiert sich an der Heterogenität und Diversität zeitgenössischer Kunst und Gesellschaft und steht allen Medien und Disziplinen der bildenden Kunst offen. In drei bis vier Ausstellungen pro Jahr mit begleitenden Publikationen, Veranstaltungen und Vermittlungsprogrammen erfolgt eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen gesellschaftspolitischen und kunstimmanenten Fragestellungen.

Die 430 Quadratmeter großen Räume der fjk3-Galerie eignen sich gut für eine Ausstellung über Czechs Arbeit. Sie bestehen aus den Erdgeschoß- und Kellerräumen eines neobarocken Zinshauses mit secessionistischen Anklängen, mit einer Vielfalt von Dimensionen und Lichtzonen von direktem über indirektes Tageslicht aus verschiedenen Richtungen bis zum fensterlosen Raum. Das passt gut zum Ausstellungstitel „Ungefähre Hauptrichtung“, den Czech schon als Überschrift für eine 2021 erschienene Sammlung seiner Texte gewählt hat. Als schreibender Architekt sieht Hermann Czech sich in der Tradition von Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Frank, die alle über eine praxisorientierte Architekturtheorie verfügten, die Czech als „Denken zum Entwurf“ bezeichnet. Die Helden der Wiener Moderne waren in den 1960er Jahren kulturhistorische Phantome, ehe jüngere Architekten deren Überlegungen auf ihre Praktikabilität hin überprüften. So griff Czech zum Beispiel den „Raumplan“ von Adolf Loos auf, die Möglichkeit, Raumhöhen an die Bedürfnisse der Bewohner anzupassen.

Wie bei Wagner, Loos und Frank stehen auch bei Hermann Czech Gedachtes, Geschriebenes und Gebautes in einem unmittelbaren Zusammenhang. „Das eigentliche künstlerische Material der Architektur ist nicht der Baustoff, die Konstruktion, die skulpturale Form, nicht einmal der Raum oder das Licht – es ist das Verhalten von Menschen“, schrieb Czech wiederholt. „Die konstruktiven, ökonomischen, gesellschaftlichen Bedingungen sind in jeder architektonischen Form enthalten. Architektur gewinnt deshalb einen realen Charakter des ,Objekts‘. Das ist ihr Reichtum, der allen Bemühungen um plastische, skulpturale Form weit überlegen ist.“ Deshalb verfügt Hermann Czech nicht über ein bestimmtes Formenvokabular, mittels dessen er eine Architektursprache formulieren würde, sondern über einen ästhetischen Baukasten, mit dem er an Aufgaben herangeht. Beispielhaft ist die Hängelinie, die Czech in einem seiner ersten Projekte, dem „Kleinen Café“ am Wiener Franziskanerplatz einsetzte, um Spiegelnischen, die ihrerseits auf die Loos-Bar referieren, einen weicheren oberen Abschluss zu geben – eine marginale, gleichsam wirkungsvolle Intervention, ebenso wie seine Umgestaltung des Restaurants „Salzamt“, dessen Boden Czech in einer Mischung von Solnhofer- und billigen Kunstmarmorplatten gestaltete, um den Eindruck eines in die Jahre gekommenen Fußbodens zu vermitteln und damit das Altern des Raumes quasi vorwegnahm.

Kleine Eingriffe mit großer Wirkung verfolgte Czech gleichfalls bei der Gestaltung der Stadtparkbrücke, deren Breite und Geländer er so gestaltete, dass sie sich fast unmerklich zur Mitte hin verengen, so dass in der Perspektive dem Benutzer der Weg zum Ufer kürzer erscheint. Auf den leichten, kaum wahrnehmbaren „Durchhang“ trifft man hier bei der Gehwegfläche, so dass, auch wenn viele Leute auf der Brücke sind, von den Ufern ein guter Überblick möglich ist (analog einem Theaterparkett). Eine von Czech entworfene Decke für den Plenarsaals im Parlament, blieb jedoch nur Entwurf: geplant war eine luftgefüllte Blase aus transluzenter Kunststofffolie, die über den Köpfen der Parlamentarier schweben sollte. Auch sein Ende der 1960er Jahre entwickelter Vorschlag, den Graben in der Wiener Innenstadt, damals noch von Autos befahren, mit einer mobilen Konstruktion aus Zugseilen zu überdachen, um den öffentlichen Stadtraum in seiner ganzen Dimensionen erfahrbar zu machen, wurde nicht realisiert.

Czechs ungleichartiges, architektonisches Œuvre umfasst Stadtplanung, Wohn-, Schul- und Hotelbauten ebenso wie Interventionen in kleinem Maßstab und Ausstellungsgestaltungen. Mit seinen unverwechselbaren Bauten und Umbautem von Wiener Bars und Restaurants, der Winterverglasung der Wiener Staatsoper oder der subtilen Umgestaltung des Sigmund Freud Museums hat Czech die Atmosphäre der Stadt nachhaltig mitgeprägt und sich wie kaum ein anderer Architekt mit seiner Architekturgeschichte theoretisch und in der Praxis auseinandergesetzt. Zwar ist das gebaute Werk quantitativ überschaubar, qualitativ aber, wie die an Skizzen, Modellen, Fotografien, Texten und Möbelentwürfen reiche Ausstellung dokumentiert, kaum hoch genug einzuschätzen. Es ist auf eigenwillige Art aus der Zeit gefallen, unmodisch, manchmal manieristisch, vielschichtig, reich an Zitaten, aber stets originär. In der pointierten Gegenüberstellung der Werkbeispiele wird gestalterische Diversität auch im Unscheinbaren sichtbar, zudem werden Aspekte der Partizipation beleuchtet. „Hermann Czech – Ungefähre Hauptrichtung“ steht für eine Architektur, die nicht überwältigen, sondern durch profunde Planungsentscheidungen und in der Raumerfahrung selbst überzeugen will.

Czechs Entwurfsdenken folgt der Überzeugung, dass Planungsentscheidungen erst tragfähig sind, wenn sie nicht auf „Einfällen“ beruhen, sondern methodisch erarbeitet werden, sich zugleich aber auch dem Unerwarteten und Alltäglichen öffnen. Dieser „Mehrschichtigkeit“ des Entwerfens und Herstellens von Architektur widmet sich die Schau in einer reichen und abwechslungsreichen Projektauswahl. Anhand von zum Teil noch nie gezeigten Entwürfen und Realisierungen aus den 1960er Jahren bis in die Gegenwart werden Methoden „wie etwas entsteht“ und räumliche Wirkungen „wie etwas ausschaut“ dargestellt. Die inhaltlich dichte, aber großzügig präsentierte Ausstellung folgt weder einer chronologischen noch einer strikten thematischen Ordnung. Czechs zahlreiche Umbauten bilden eine Gruppe. Zusammengefasst sind auch die unmittelbar politisch aufgeladenen Projekte wie der städtebauliche Entwurf für die Überbauung der SS-Kaserne Oranienburg, der einen diagonal angelegten, zur Stadt orientierten Stadtteil vorsah, der die Distanz zur orthogonalen Struktur der SS-Bauten betonte, oder die Ausstellungsgestaltung „1938“ im Wiener Rathaus.

Ausführlich dokumentiert wird auch die Gestaltung der legendären Ausstellung „Wunderblock“ im Jahr 1989, die als temporäre Einschreibung in die neobarocke Reithalle im heutigen Museumsquartier und durch akzentuierte Eingriffe einen anderen Blick auf die historische Bausubstanz ermöglichte. Schon der Weg in die Ausstellung verdeutlichte den „anderen“ Zugang zum historischen Raum. Über eine Holztreppe am Längsende der Halle gelangten die Besucher*innen in den ersten Stock und betraten die Ausstellung gewissermaßen durch ein Fenster. Von oben überblickte man die gesamte Länge des dichten Spektrums aus Kunst und Wissenschaft. Aufgegriffen wird der Gedanke eines neuen Zugangs auch in der aktuellen Schau durch eine sehr schmale, nur 50 Zentimeter breite Treppe, die eine zusätzlichen Verbindung zum Untergeschoss ermöglicht und in einen Luftraum der Galerie eingepasst wurde.

Zu Wien gehört auch der soziale Wohnbau. Hermann Czech teilte sich 2011 gemeinsam mit Adolf Krischanitz und Werner Neuwirth einen Bauplatz in der Anlage „Generationen Wohnen“ am Mühlgrund. Es ging darum, Wohnbauten zu entwickeln, die in unterschiedlichen Lebensabschnitten gut nutzbar sind. Hierfür plante Czech Wohnungen, die adaptierbar sind, sich horizontal und vertikal leicht verbinden lassen und ihren Bewohner*innen viel Gestaltungsspielraum geben. Neben den zahlreichen Projekten und Fallbeispielen verfolgt die Schau primär die Vermittlung jener „architektonischen Gedanken", von denen Czech in seiner Theorie spricht. Die Anordnung der gezeigten Projekte wiederum entspricht in ihrer Relation zueinander der Anordnung der Bauten in der Stadt, sämtliche Modelle sind in Anlehnung an das Original exakt nach Norden ausgerichtet. Auf einem Faltstadtplan lassen sich die rund 100 ausgestellten Interventionen, ob konzipiert, realisiert oder mittlerweile zerstört, verorten, um beim anschließenden Spaziergang durch die Stadt das eine oder andere im Original zu erkunden. Denn wie Arno Ritter schon 1996 in seinem Essay über den Architekten bemerkte: „Czech kann man sicher am besten über den Wiener Kontext verstehen; der Fehlschluss besteht nur darin, ihn zum Wiener zu machen.“

Die Ausstellung „Hermann Czech. Ungefähre Hauptrichtung“ ist bis zum 9. Juni zu sehen. fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst hat mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr, freitags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:

fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst

Franz-Josefs-Kai 3

AT-1010 Wien

+43 (0680) 50 62 133



28.05.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


16.03.2024, Hermann Czech. Ungefähre Hauptrichtung

Bei:


fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst

Kunstsparte:


Architektur

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

in der Ausstellung „Hermann Czech. Ungefähre Hauptrichtung“
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in der Ausstellung „Hermann Czech. Ungefähre Hauptrichtung“
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