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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Kölner Auktionshaus Lempertz kann sich bei der Kunst 20. Jahrhundert auf wichtige Sammlungen und Künstlernachlässe stützen und offeriert Kunstwerke mit musealen Weihen

Das Reißverschlussphantom



Max Ernst,  Mobiles Herbarium, 1920

Max Ernst, Mobiles Herbarium, 1920

„Bei meiner Begeisterung für die ungewöhnlichen, bis dahin nie gesehenen Kunstwerke, wohl auch euphorisch beflügelt nach soeben bestandenem Staatsexamen, kam mir die Idee, nun selbst Bilder dieses Künstlers zu erwerben“. Mit dem Künstler meinte Peter Schneppenheim Max Ernst. Schon früh waren dem späteren Kölner Arzt die Arbeiten des Surrealisten aufgefallen. Seine Begeisterung weckte die erste wichtige deutsche Retrospektive 1951 in Ernsts Geburtsstadt Brühl, in der auch Schneppenheim 1926 zur Welt kam. Über Jahrzehnte hinweg hat er dann eine der bedeutendsten privaten Sammlungen aufgebaut – „beim Salär eines jungen Medizinalassistenten zunächst ein verwegener Wunschtraum, bis es zu ersten Arbeiten auf Papier reichte“, so Schneppenheim. Ein besonderes Ereignis war seine persönliche Begegnung mit Max Ernst und dessen Frau Dorothea Tanning anlässlich einer Rheinfahrt im Jahr 1971. „Seine faszinierende äußere Erscheinung, seine natürliche Wesensart, seine freundliche Zuwendung bleiben für mich eine lebendige Erinnerung“, schrieb Schneppenheim. Gekrönt wurde sein Engagement mit der Gründung des Max Ernst Museums 2005 in Brühl, zu der Schneppenheims umfangreiche grafische Bestände, die illustrierten Bücher und ausgewählte Gemälde eine Basis bildeten.


Einige Lieblingsstücke des 2021 verstorbenen Schneppenheims sind bis heute im Besitz seiner Familie verblieben. Sechs Arbeiten von Max Ernst mit dieser Provenienz kann nun das Kölner Auktionshaus Lempertz offerieren, die großteils bislang als Dauerleihgabe im Max Ernst Museum hingen. Als ältestes Objekt tritt das „Mobile Herbarium“ von 1920 an. Der druckgrafische Zufallsfund aus dem Lehrmittelkatalog „Bibliotheca Paedagogica“, den Ernst während seiner Kölner Dada-Zeit mit Gouache und Collage zu einer Landschaft mit skurrilen Blütenformen überarbeitete, soll 250.000 Euro einspielen. Mitte der 1950er Jahre malte er auf einem Querformat „Les trois philosophes“, die sich durch ihre Symbole in kristallinen Gebilden als menschliches Antlitz, Vogelsilhouette und Weintraube entpuppen (Taxe 200.000 EUR). In dieser Zeit entstanden auch „Les antipodes du paysage“, das erste Ölbild, das 1968 Eingang in die Sammlung Schneppenheim fand. Max Ernst setzte hier das Thema der „Antipoden“-Serie deutlich freier und abstrakter als zwanzig Jahre zuvor um und nutzte dabei die von ihm selbst entwickelten Techniken der Grattage und der Décalcomanie (Taxe 150.000 EUR). Schließlich grüßt in der Auktion noch die lustige doppelansichtige Bronzeplastik „Janus“, die Ernst 1974 aus Spielzeugförmchen zusammenstellte, für marktübliche 50.000 Euro.

Mit weiteren renommierten Sammlungszusammenhängen und teils musealen Weihen kann Lempertz seinen Evening Sale moderner und zeitgenössischer Kunst am 4. Juni aufwerten. So hing etwa Pierre Bonnards unspektakuläre stille Flusslandschaft „La Seine à Vernon“ um 1922 als Dauerleihgabe der Sammlung Corboud im Kölner Wallraf-Richartz-Museum (Taxe 150.000 bis 200.0000 EUR). Aus dem Familienerbe von Emil Noldes zweiter, erst 2010 verstorbener Ehefrau Jolanthe stammen die intensiv in Gelb und Rot blühenden „Dahlien“ von 1948, die bis vor kurzem das Brücke Museum in Berlin schmückten (Taxe 700.000 EUR). Und auch Heinrich Campendonks leicht prismatisch aufgefasster „Liegender Akt“ von 1918 nebst Bäuerin mit zwei Kühen in expressiv satten Primärfarben, der mit den Kreuzen im Hintergrund auf die im Ersten Weltkrieg gefallenen Künstlerfreunde August Macke und Franz Marc verweist, war als ständige Leihgabe der Familie Campendonk während der vergangenen zwanzig Jahre im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen und zuletzt im Museum Penzberg öffentlich zu sehen (Taxe 700.000 bis 800.000 EUR).

Mit einem weiteren Spitzenwerk des deutschen Expressionismus knüpft Lempertz an diese Vorlagen an. 1917 malte Hermann Max Pechstein sein prachtvolles „Stillleben mit Pfeife“, Fächer, Keramikvase und -krug, Tafelaufsatz sowie Blumentopf in impulsiver Farbigkeit und griff dabei auf eine bereits bemalte Leinwand zurück: Mit den tänzerisch agierenden „Palau-Mädchen“ hat sich eine der wenigen Szene aus dem Südseeaufenthalt des Malers erhalten. Im Februar 2015 bei Sotheby’s in London für 500.000 Pfund netto von einen deutschen Sammler erworben, nehmen sich die jetzt anvisierten 600.000 bis 800.000 Euro für die doppelseitige Leinwand recht realistisch aus. Einen weiteren zweiseitig bespielten expressionistischen Leckerbissen hält der Katalog von Ernst Ludwig Kirchner bereit. Von seiner dynamischen, schwarz-weißen Lithografie „Rheinbrücke in Köln (Hohenzollernbrücke)“ in nervöser Strichführung aus dem Jahr 1914 ist nur ein Exemplar im ersten Druckzustand bekannt. Ergänzt um die Aktzeichnung „Zwei Mädchen im Tub“ auf der Rückseite, sind für diese Rarität 200.000 bis 250.000 Euro fällig.

Bei den Arbeiten auf Papier beteiligen sich etwa noch Paul Klee mit seiner fantastisch-poetischen Szene „Tagesspuk auf dem Hauptplatz“ von 1929 in anekdotischer Heiterkeit (Taxe 170.000 bis 200.000 EUR) oder Egon Schiele mit seiner Bleistiftzeichnung zweier weiblicher, sich umarmender Akte von 1913 in unruhiger Strichführung (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Der Dresdner Künstler Otto Lange trat vor allem als Grafiker hervor. Seine Südsee-Mappe „Van Zantens glückliche Zeit“ schuf er 1920 nach dem gleichnamigen Roman des dänischen Schriftstellers Laurids Bruun von 1908, die als Vorzugsausgabe auf Japanpapier mit allen zwanzig kantigen Farbholzschnitten für 20.000 bis 25.000 Euro vorliegt. In die Bildhauerei geht es mit Gerhard Marcks’ in sich versunkener Bronzeplastik „Schwimmerin II“ 1938/52, die eben erst bei Grisebach in Berlin für 180.000 Euro netto gehandelt wurde und bei Lempertz für 150.000 Euro marktgerecht zur Verfügung steht.

Zu den eigenwilligsten Schöpfungen des Katalogs gehören die Modelleisenbahnen von Lyonel Feininger. Es handelt sich dabei um die wenigen, um 1913 gebauten Prototypen von Lokomotiven und Wagons, die der Münchner Spielzeugfabrikant Otto Löwenstein im Auftrag des späteren Bauhaus-Meisters produzieren sollte. Obwohl Feininger schon das Patent für seine „Blockeisenbahn“ angemeldet hatte, die Produktion vorbereitet und selbst die Kartonverpackung entworfen war, wurde die Fertigung gestoppt, weil im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Auf vier Positionen nebst sechs dazugehörigen Konstruktionszeichnungen aufgeteilt, werden für die vier farbig gefassten Holzeisenbahnen zwischen 12.000 Euro und 40.000 Euro fällig. Dass Feininger seit Kindertagen von Eisenbahnen und der mit ihnen verbundenen Dynamik fasziniert war, macht zudem seine Farbkreiden- und Tuschfederzeichnung „Steam Train“ mit einem vorbeirauschenden Güterzug auf einem Bahndamm aus dem Jahr 1908 deutlich (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Für die abstrakte informelle Kunst der deutschen Nachkriegsepoche steht Ernst Wilhelm Nays etwas zerfließendes Scheibenbild „Dominant Rot“ von 1962 (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR). Zu diesem Zeitpunkt hatten sich andere Künstler schon neue, über das Malerische hinausgehende Konzepte ausgedacht, so Carlos Cruz-Diez’, der auf die zentrale Themen Farbe und Bewegung setzte und in seiner Serie der „Physichromien“ die Betrachter*innen mit optischen Illusionen und Farbeffekten überraschte. Seine „Physichromie No. 548“ von 1971 mit ihren scheinbar schwebenden Farbrechtecken will 70.000 bis 90.000 Euro sehen. Ihm zur Seite steht Luis Tomasello mit seiner „Atmosphère chromoplastique No. 191“, einem auf den ersten Blick weißen Holzobjekt von 1968, das durch die teils farbigen Rückseiten der kleinen Holzwürfel ein in Rot und Grün schimmerndes Rautenmuster zart ausformt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ein weiteres raffiniertes Trompe l’œil kreierte der Koreaner Kim Tschang-Yeuls 1983 mit seinen täuschend echt gemalten transparenten Wassertropfen auf einem ungrundierten hellbraunen Hanfstoff (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Wieder voll in Malerische greift Georg Baselitz seit den 1960er Jahren, etwa bei seinem frühen, expressiven Frakturbild „Ein Werktätiger“ von 1967, auf dem er eine an sich starke, fast grob wirkende Gestalt dekonstruiert und Krieg, Gewalt sowie ihre Folgen thematisiert (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Jonas Burgert gehört zu der jüngeren Malergeneration, der auf seinem Großformat „Täuschung“ von 2010 wieder einmal ein seltsames Panoptikum inszeniert und einen Riesen in der Mitte der Komposition von kleinen menschlichen Wesen mit weißen Tüchern und Bandagen umgibt (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Das Doppelte verlangt Rosemarie Trockels bewegliche zweiteilige Wandinstallation „Reißverschlussphantom“ von 2005. Das Nähzeug als Motiv hat sie aus dem Bereich der weiblich konnotierten Handarbeit entlehnt. Aus dieser Tradition gespeiste Erwartungen unterläuft Trockel aber, indem sie manches vollplastisch ausgearbeitet, manches als Trompe-l’œil eingefügt hat und durch die Kinetik des Objekts die Dynamik des Ungewohnten und Verwirrendem komplett macht. Weitere Künstlerinnen treten in der Auktion hervor, darunter Candida Höfer mit ihrer eleganten Fotografie der „Elbphilharmonie Hamburg Herzog & de Meuron“ von 2016 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR), Cosima von Bonin mit ihren hintergründigen Stoffbildern „Can Cry at Will“ von 2007 und „Misdemeanour“ von 2008 (Taxe je 40.000 bis 60.000 EUR) oder Cady Noland mit dem beinahe martialischen Wandobjekt „Pole Distortion“ von 1989 aus einem Aluminiumrohr mit angehängtem metallenem Münzbehälter, mit dem sie die Härte im sozialen Handeln offenlegt (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Die Auktion „Moderne und Zeitgenössische Kunst – Evening Sale“ beginnt am 4. Juni um 18 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 3. Juni täglich von 10 bis 17:30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Der Internetkatalog ist unter www.lempertz.com abrufbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



31.05.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Hermann Max Pechstein, Stillleben mit Pfeife. Palau-Mädchen, 1917

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Max Ernst, Les antipodes du paysage (Die Antipoden der Landschaft), 1954

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Lyonel Feininger, Lokomotive mit Tender, um 1913/1914

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Rosemarie Trockel, Reißverschlussphantom, 2005

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