Kritik und Erlösung bei William Blake  |  | William Blake, Europa, eine Prophezeiung, 1794 | |
Nach fast 50 Jahre widmet die Hamburger Kunsthalle William Blake erneut eine Einzelschau. Damit ist erst zum zweiten Mal in Deutschland eine Ausstellung zu dem 1757 geborenen und 1827 verstorbenen britischen Zeichner, Grafiker und Dichter zu sehen, die in Zusammenarbeit mit dem Fitzwilliam Museum der University of Cambridge entstand. Das Kuratorenteam Andreas Stolzenburg, David Bindman und Esther Chadwick setzen Blakes Œuvre anhand von rund 90 Arbeiten auf Papier in Bezug zu ausgewählten Arbeiten europäischer Zeitgenossen, sodass insgesamt etwa 170 Exponate in Hamburg versammelt sind. Erstmals werden sämtliche Blake-Bestände des Fitzwilliam Museums und das Vermächtnis des bekannten Blake-Sammlers Geoffrey Keynes öffentlich präsentiert. In der Schau wollen die Kurator*innen darlegen, dass William Blake ein wahrhafter Europäer war, obwohl er Großbritannien nie verließ.
Blake lebte um 1800 in einer Zeit der Revolutionen und Kriege in Europa, der Sklaverei in den europäischen Kolonien und der Unterdrückung in Großbritannien. In seinen Arbeiten verknüpfte er seine Kritik an der damaligen Welt mit einer Vision von universeller Erlösung. Blake studierte an der Royal Academy of Arts in London und erhielt hier eine akademische Ausbildung, die antiken und italienischen Vorbildern verpflichtet war. So beschäftigte er sich mit der Antike und der Renaissance und begeisterte sich für die mystische Bildwelt der frühen Neuzeit. Zudem setzte er sich mit der Amerikanischen und der Französischen Revolution auseinander.
Die politischen und sozialen Umwälzungen seiner Zeit griff William Blake in seinen Hauptwerken „America a Prophecy“ und „Europe a Prophecy“ auf. In beiden Arbeiten, die reich an Symbolik und mit seiner eigenen Mythologie durchsetzt sind, legte er die Revolutionen als einen Kampf zwischen den Kräften der Freiheit und der Unterdrückung aus. Den Konflikt verkörpern mythische Figuren wie „Orc“, der den rebellischen Geist repräsentiert, und „Urizen“, der für das repressive System steht. Seine Texte kombinierte Blake mit visionären Illustrationen und Szenen: Die aufwendig handkolorierten Drucke auf Papier wurden durch die von ihm erfundene Drucktechnik der Reliefradierung möglich.
Zu seinen deutschen Zeitgenossen gehören Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich, die er wahrscheinlich nicht kannte, obwohl bereits zu Blakes Lebzeiten eine Verbindung zwischen ihm und der damaligen deutschen Kunst hergestellt wurde. Wie auch der Brite wandten sich Runge und Friedrich im Angesicht vernichtender politischer Krisen der bildenden Kunst zu, um die Welt neu zu errichten. Ziel dieser Vergleiche ist es, die künstlerischen Spannungen zwischen individueller, nationaler und universeller Befreiung um 1800 aufzuzeigen.
Die Ausstellung „William Blakes Universum“ läuft bis zum 8. September. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 16 Euro, ermäßigt 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 39 Euro, im Buchhandel 54 Euro.
Hamburger Kunsthalle
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