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Das Belvedere in Wien würdigt erstmals in Österreich das Schaffen von Hannah Höch in einer musealen Retrospektive. Die Fotomontagen der deutschen Dadaistin und Malerin nähern sich auf ironische und scharfsichtige Art und Weise den großen Themen von Politik und Gesellschaft

Kaleidoskop der Zeit



Hannah Höch, Um einen roten Mund, 1967

Hannah Höch, Um einen roten Mund, 1967

Als Parodie auf den „gigantischen Weltunsinn“ montierte Hannah Höch 1919 ein Klebebild aus Illustriertenfotos und Textfragmenten und schuf damit ein ironisch verfremdetes Polit-Kaleidoskop ihrer Zeit. In der Mitte dieses komplexen Querschnitts, entstanden unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, steht der frisch gewählte Reichspräsident Friedrich Ebert mit nacktem Oberkörper und in Badehosen. „Gegen feuchte Füße“, so informiert ein kleines humorvolles Textdetail, trägt er allerdings schwarze Lederstiefel. Neben ihm, ebenfalls in Badekleidung, der Politiker Gustav Noske, der während der sozialen und politischen Auseinandersetzungen der Jahre 1918 bis 1920 die Verantwortung für die blutige Niederschlagung kommunistischer Aufstände durch republikfeindliche Freikorps trug. Sehen so Respektspersonen aus?


Dieselben Bildausschnitte der halbnackten, männlichen Autoritäten verarbeitete Höch in ihrer zeitgleich entstandenen Collage „Staatshäupter“, die aktuell gemeinsam mit weiteren 70 Arbeiten in der sehenswerten, aufschlussreichen Schau „Montierte Welten“ im Wiener Belvedere präsentiert wird. Erstmals in Österreich wird das Werk der deutschen Dadaistin, Malerin und Fotomontage-Künstlerin mit einer großen musealen Retrospektive gewürdigt. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee in Bern konzipiert wurde, legt den Schwerpunkt auf die Collagen und die Fotomontagen Hannah Höchs, zeigt aber auch eine Auswahl von Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken und präsentiert ihre Arbeiten dialogisch mit Filmprojektionen von Hans Richter, László Moholy-Nagy, Viking Eggeling, Jan Cornelius Mol, Alexander Dowschenko, Dsiga Wertow, Fernand Léger und Paul Painlevé, die Höch kannte und von denen sie künstlerische Impulse erhielt.

Höchs Fotomontagen aus der Zeit der Revolution liefern nicht nur eine wichtige Dokumentation der politischen Situation: In ihrer Form selbst verkörpern sie die Revolution als eine Assemblage von Subjektivitäten, die die tradierten Hierarchien in Frage stellt und traditionelle Darstellungsnormen der Männlichkeit dekonstruiert. Hannah Höch war die einzige Frau im Berliner Dadaismus und lebte im Vergleich zu anderen Frauen ein äußerst selbstbestimmtes Leben abseits gesellschaftlicher Konventionen. Auch wenn sie sich nicht aktiv für politische Rechte von Frauen einsetzte, kann sie insofern als feministisch verstanden werden, als dass sie Geschlechterrollen hinterfragte und sich viele ihrer Werke der 1920er Jahre mit Themen des Frauseins in der modernen Gesellschaft beschäftigen, zum Beispiel mit dem Druck, der durch medial geprägte Schönheitsnormen ausgeübt wird.

Es ist nicht übertrieben, die Dadaistin als eine der genialsten deutschen Künstlerinnen der Moderne zu bezeichnen, eine Stilpluralistin, die sowohl gegenständlich wie abstrakt malte und mit ihren virtuosen, gesellschaftskritischen Collagen zur Zeit der Weimarer Republik nicht nur dem einstigen Geliebten Raoul Hausmann ebenbürtig war, sondern auch einem politischen Montage-Meister wie John Heartfield in nichts nachstand. Aber Belvedere-Direktorin Stella Rollig betont im Vergleich mit den Kollegen die „feine Klinge der Analyse“, die Hannah Höch eigen war, ihren Humor sowie den satirischen und rätselhaften Zug ihrer Montagen.

Diese erste Frau im Männerclub der Avantgardisten verband Fotos, Zeitungsschlagzeilen und Bilder aus Illustrierten zu einer Melange aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Hannah Höch kombinierte Landschaften mit floralen und tierischen Details, verschmolz ethnologische mit abstrakten Motiven, verband Körperdetails mit übergroßen Gesichtern zu grotesk zerstückelten Figurationen. An der Seite von Raoul Hausmann, den sie 1915 kennenlernte und mit dem sie eine siebenjährige Beziehung verband, entwickelte sie stilistisch die Fotomontage. Als Mitarbeiterin des Ullsteins Verlag – von 1916 bis 1926 arbeitete sie als Entwurfszeichnerin und gestaltete Stickerei- und Spitzenmuster für Handarbeitshefte – hatte sie Zugriff auf einen reichen Fundus an Bildern. Darüber hinaus sah sie im neu boomenden Medium Zeitschrift, wie mittels Bilder Geschichten erzählt wurden. Das faszinierte sie auch am Film, entstand doch hier wie dort ein Ganzes erst durch das Zusammenfügen und Montieren. Beidem trägt die von Martin Waldmeier facettenreich und umsichtig kuratierte Ausstellung Rechnung.

Bei keiner Künstlerin ihrer Zeit, abgesehen von Käthe Kollwitz, wurde das verhängnisvolle Zusammenspiel von Politik, Kapital, Militär, Kirche und dem Bildungsbürgertum derart zum Thema. Höchs Persiflagen kündigen die Katastrophe des Dritten Reiches an. Die Montagen, die in diesen Jahren entstanden, wie zum Beispiel die Collage „Die starken Männer“ von 1931, zeichnen sich durch die Infragestellung überlieferter Werte, die Ablehnung bürgerlicher Normen und der herrschenden politischen Verhältnisse aus. Wiederkehrende Motive sind menschliche Körperteile wie Arme, Beine und Augen, die immer wieder als Verfremdungs- und Irritationsmoment eingesetzt werden. In der Collage „Der kleine P G“ sind es vor allem die Augen, die die Betrachter gleichermaßen fesseln und irritieren. Die 1931 entstandene Collage ist eine bissige Entlarvung des plärrenden Parteigenossen (PG). Auch ihr „Deutsches Mädchen“ von 1930 mit Duttfrisur, rundlichem Gesicht und Augenfehlstellung, entsprach so gar nicht dem propagierten Schönheitsideal der Nationalsozialisten.

Die Kunst von Hannah Höch, ihre politische Gesinnung und ihr freier Lebensstil – mit der niederländischen Schriftstellerin Til Brugman lebte sie von 1926 bis 1935 zusammen – brachten ihr bei den Nazis das Verdikt „entartet“ ein, was sie in die innere Emigration in ihren verwunschenen Garten in Berlin-Heiligensee trieb. Aus dem gleichgeschalteten Kunstbetrieb im Nationalsozialismus zog sich Höch zurück. 1935 lernte sie den über zwanzig Jahre jüngeren Handelsvertreter und Pianisten Kurt Heinz Matthies kennen, mit dem sie eine Beziehung einging und Til Brugman verließ. Höch blieb als einzige Dadaistin in Deutschland und fühlte sich zunehmend isoliert. Die Kriegsjahre verbrachte sie in äußerster Einsamkeit und tiefer Depression, künstlerisch nur wenig produktiv. „Gegen 1937 hatte die radikale Vereinsamung für mich eingesetzt“, berichtet sie später. „Auch die allerletzten Freunde gingen nun noch weg und waren auch brieflich nicht mehr zu erreichen. [...] Jeder misstraute jedem. Man sprach also mit niemandem mehr. Man verlernte die Sprache.“

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für Hannah Höch auch als Künstlerin die lang ersehnte Befreiung. Ab 1945 wurde ihr Werk häufig ausgestellt, unter anderem 1948 und 1968 im Museum of Modern Art in New York, und sie erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen. In einem Ausstellungskatalog bezeichnete sie 1946 ihre Fotomontagen als „Fantastische Kunst“ und rückte sie damit in die Nähe des Surrealismus, mit Max Ernst als ihrem engsten Wesensverwandten. Die Fotomontage diente ihr fortan als poetische Methode, um aus den Konventionen des Alltags auszubrechen und die Welt aus neuer Perspektive zu sehen: „Ich möchte“, schrieb sie, „die festen Grenzen auswischen, die wir Menschen mit einer eigensinnigen Sicherheit um alles gezogen haben. (…) Ich würde heute die Welt aus der Sicht einer Ameise wiedergeben und morgen so, wie der Mond sie vielleicht sieht.“

„Um einen roten Mund“ von 1967 ist eine dieser späten Montagen. Höch zerschnitt ihre Motive nun weniger den abgebildeten Objekten folgend, sondern in Drei- und Rechtecke und freie Formen und fügte die Splitter zu traumartigen Landschaften zusammen. Gleichzeitig wurden Forscher*innen auf die umfangreiche Sammlung an Dada-Materialien aufmerksam, die Hannah Höch in ihrem kleinen Haus in Berlin-Heiligensee über die nationalsozialistische Diktatur hinweg gerettet hatte und damit einen wichtigen Beitrag zur Wiederentdeckung der Dada-Bewegung leisten konnte. Das Berliner Refugium war auch nach dem Krieg ihr Alterssitz, den sie trotz der großen Anerkennung im Kunstbetrieb mit Ehrungen und Ausstellungen nicht mehr gegen ein Atelier in der Stadt eintauschte. Höch, die auch in der Nachkriegszeit bescheiden lebte, nahm den internationalen Erfolg ihrer Kunst mit Erstaunen zur Kenntnis und starb 1978 mit 88 Jahren in Berlin.

In ihrer Arbeit „Lebensbild“, ihrer letzten großformatigen Fotomontage von 1972/73, die am Ende der Wiener Schau gezeigt wird, hatte Höch wenige Jahre zuvor auf ihr Leben und ihre künstlerische Laufbahn zurückgeblickt und Fotografien und Reproduktionen benutzt, die im Zuge ihrer Ausstellungstätigkeit von ihr und ihren Werken angefertigt wurden. Das „Lebensbild“ ist ein detailreicher Zusammenschnitt von Bildnissen der Künstlerin, von Werken, die Hannah Höch für ihr Schaffen als wichtig erachtete, von den Menschen und Orten, die für sie prägend waren, und zugleich eine erfolgte Selbstbehauptung im Kollektiv, die ein Fragment ihrer Montage „Weltrevolution“ von 1919/20 wiederaufnimmt und dadurch die Revolution fortführt und in die Geschichte einschreibt.

Die Ausstellung „Hannah Höch. Montierte Welten“ ist bis zum 6. Oktober zu sehen. Das Untere Belvedere hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt im günstigeren Onlineverkauf 14,60 Euro, für Senioren und Studenten 10,90 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet 39,10 Euro.

Kontakt:

Unteres Belvedere

Rennweg 6

AT-1030 Wien

Telefax:+43 (01) 79 557 136

Telefon:+43 (01) 79 55 70

E-Mail: info@belvedere.at

Startseite: www.belvedere.at



10.07.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


21.06.2024, Hannah Höch. Montierte Welten

Bei:


Österreichische Galerie Belvedere

Kunstsparte:


Collage

Stilrichtung:


Dadaismus

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Bericht:


Entrückung der Welt

Bericht:


Ein Leben durchdrungen von Kunst

Variabilder:

Hannah Höch, Englische Tänzerin, 1928
Hannah Höch, Englische Tänzerin, 1928

Variabilder:

Hannah Höch, Nur nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen, 1940
Hannah Höch, Nur nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen, 1940







Hannah Höch, Englische Tänzerin, 1928

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Hannah Höch, Nur nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen, 1940

Hannah Höch, Nur nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen, 1940

Doppelt belichtetes Porträt von Hannah Höch, Fotograf unbekannt, o. J.

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Hannah Höch, Ungarische Rhapsodie, 1940

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Hannah Höch, Staatshäupter, 1918-1920

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Hannah Höch, Totempfahl, 1956

Hannah Höch, Totempfahl, 1956

Hannah Höch, Liebe, 1926

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Hannah Höch, Kinder, 1925

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Hannah Höch, Für ein Fest gemacht, 1936

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Hannah Höch, Epos, 1957

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in der Ausstellung „Hannah Höch. Montierte Welten“

in der Ausstellung „Hannah Höch. Montierte Welten“

in der Ausstellung „Hannah Höch. Montierte Welten“

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