Marion Baruch im Rheinland Das Schaffen der 1929 im rumänischen Temeswar geborenen Marion Baruch erfährt seit einigen Jahren eine neue Würdigung. Daran beteiligen sich nun auch die Kunstmuseen Krefeld und der Neue Aachener Kunstverein. In Haus Lange in Krefeld stellt Kuratorin Magdalena Holzhey unter dem Titel „Soziales Gewebe“ dazu Arbeiten aus fünf Jahrzehnten vor. Ausgangspunkt bilden Baruchs frühe Skulpturen aus den 1960er Jahren, die durch Körpereinsatz aktiviert werden. Zudem sind bildhauerische und konzeptuelle Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre, hybride Designobjekte, halb Möbel, halb Haustier, und auch eine Auswahl der jüngeren installativen Werke zu sehen, bei den Baruch Schnittabfälle der Konfektionsmode nutzt, sie in den Museumsräumen arrangiert und so mit dem abwesenden Körper und dem Normativen spielt. Transparenz, Auslassungen und Leere sind zentrale Merkmale ihrer Skulpturen, Installationen und Aktionen, womit sie auf humorvolle Weise Kritik an Systemen übt. Auch mit Gründung ihrer Firma „Name Diffusion“ Anfang der 1990er Jahre, mit der Baruch im Kunstkontext als Unternehmerin auftritt und Showrooms zur Präsentation von Textilprodukten inszeniert, versteht sie als subversiven Verweis auf die Modeindustrie. „Jedes Gewebe ist ein soziales Gewebe“, notierte sie in dieser
Zeit.
Der Neue Aachener Kunstverein, der skulpturale Arbeiten Baruchs ausschließlich aus der letzten Dekade versammelt, hat seine Ausstellung daher auch mit „Widerstandsgeist“ überschrieben. Hier stehen ihre textilen Werke im Mittelpunkt, mit denen Baruch das Köper- und damit zugleich das Frauenbild, die gesellschaftlichen Konventionen und die kurzlebige Modewelt hinterfragt. Aufgrund körperlicher Einschränkungen und des zunehmenden Verlusts der Sehfähigkeit nahm Marion Baruch 2012 ihre Arbeit mit Textilabfällen aus der italienischen Prêt-à-porter-Industrie auf. Sie deutet die von der Modewelt als unbrauchbar zur Seite gelegten Stoffe in einem formalistischen Sinn um, folgt dabei einer eigenen intuitiv-künstlerischen Logik und gibt ihnen, ohne sie zu zerschneiden oder anderweitig abzuändern, somit eine zweite Bestimmung: „Für mich sind Textilien etwas, das lebt und atmet; ich spüre die Unaussprechlichkeit ihres Atems oder ihres Flusses, eines kontinuierlichen Flusses, der auch der der Gesellschaft insgesamt ist. Sie spiegeln die Geschichte der Menschheit und gleichzeitig die soziale Dimension der Arbeit wider.“
Marion Baruch begann 1949 ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Bukarest. Bereits ein Jahr später erhielt sie die Gelegenheit, an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem unter anderem bei Mordecai Ardon zu studieren. 1954 setze sie ihr akademische Ausbildung an der Accademia di Belle Arti in Rom fort. In den folgenden Jahren lebte sie in Rom, Mailand und Paris, bevor sich Baruch in den 1960er Jahren mit ihrer Familie in Gallarate in der Lombardei niederließ. Zugleich wandelte sich Baruchs künstlerische Praxis: Sie wandte sich von Malerei und Zeichnung ab und arbeitete fortan zumeist in der Gattung Skulptur, wenngleich ihr gesamtes Œuvre über die Jahrzehnte hinweg unerwartete Wendungen nahm, multidisziplinär orientiert und interessiert agierte.
Die Ausstellung „Marion Baruch. Soziales Gewebe“ läuft vom 6. Oktober bis zum 9. Februar 2025. Das Museum Haus Lange hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, freitags und samstags zusätzlich bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er kostenlos.
Museum Haus Lange
Wilhelmshofallee 91-97
D-47800 Krefeld
Telefon: +49 (0)2151 – 97 55 80
Die Schau „Marion Baruch. Widerstandsgeist“ ist vom 6. Oktober bis zum 24. November zu sehen. Der Neue Aachener Kunstverein hat täglich außer montags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro; für Kinder unter 12 Jahren ist er frei.
Neuer Aachener Kunstverein
Passstraße 29
D-52070 Aachen
Telefon: +49 (0)241 – 50 32 55 |