Forensic Architecture mit Alternativem Nobelpreis geehrt  |  | Forensic Architecture hat den Right Livelihood Award 2024 erhalten | |
Der Right Livelihood Award, der als „Alternativer Nobelpreis“ gilt, geht in diesem Jahr unter anderem an das britische Recherche- und Kunstkollektiv Forensic Architecture. Das Kollektiv erhält die Auszeichnung „für die Entwicklung interdisziplinärer und digitaler forensischer Methoden, im Namen von Gerechtigkeit und Würde für die Opfer von Menschen- und Umweltrechtsverletzungen“, so die Jury. Forensic Architecture dokumentiert einerseits Menschrechtsverletzungen und verarbeitet diese andererseits zugleich mit künstlerischen Mitteln. Die Gruppe ist an der Goldsmiths University of London angesiedelt und kombiniert fortschrittliche Technologie wie etwa Künstliche Intelligenz mit Zeugenaussagen und historischen Quellen. Dabei entstehen visuelle und räumliche Rekonstruktionen, die auch in Gerichtsverfahren als Beweismittel verwendet werden können.
Seit seiner Gründung 2010 ist Forensic Architecture führend in der Entwicklung neuer Methoden, die Technologie mit Menschenrechtsarbeit verbinden. Das Kollektiv hat über 100 Forschungsprojekte durchgeführt und dabei unter anderem neue Fakten zu Verbrechen in Deutschland aufgedeckt, etwa zum Anschlag von Hanau und dem NSU-Komplex. Ihre innovativen Methoden setzten nicht nur neue Maßstäbe für Rechenschaftspflicht, sondern hälfen Überlebenden auch, ihre Traumata zu verarbeiten, befindet die Jury anlässlich der Preisvergabe. „In einer Zeit, in der Wahrheit und Fakten systematisch in Frage gestellt werden – auch von Regierungen – liefert die Arbeit von Forensic Architecture eine neue, umfassende Herangehensweise bei der Dokumentation komplexer Geschehnisse“, so die Jury weiter.
Seit 1980 existiert der Right Livelihood Award und wird seither an Personen und Institutionen verliehen, sich für Frieden, Umweltschutz, Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzen. 194 Preisträger*innen wurden bisher ausgezeichnet, in diesem Jahr noch Joan Carling, die seit über 30 Jahren für die Rechte indigener Völker auf den Philippinen kämpft, Issa Amro, der sich mit seiner Organisation „Youth Against Settlements“ für den gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung in der Stadt Hebron im Westjordanland einsetzt, und die Umweltaktivistin Anabela Lemos, die sich in Mosambik gegen ausbeuterische Megaprojekte engagiert. Der Right Livelihood Award ist institutionell nicht mit dem Nobelpreis verbunden. |