Theresa Reiwer gewinnt Lumen Prize Theresa Reiwer hat den Lumen Prize gewonnen, der künstlerische Positionen an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Digitalem auszeichnet. Die deutsche, in Berlin lebende Künstlerin, die ich insbesondere mit Fragen an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Ethik auseinandersetzt, erhält den Preis in der Hauptkategorie „Gold Award Winner“ für ihre Arbeit „Decoding Bias“, einer interaktiven und immersiven 360-Grad-Filminstallation. Dafür hat Reiwer acht menschenähnliche KI-Avataren programmiert, die an einer Gruppentherapie teilnehmen. Ihr Ziel ist es, diskriminierende Algorithmen zu beseitigen und toxische Programme umzuschreiben. Auf diese Weise will Reiwer das Publikum mit einem transitorischen Gefühl zwischen Realität und Virtualität konfrontieren. Verstärkt wird dieses Erleben dadurch, dass die Zuschauer auf den selben Stühlen sitzen, wie die sie umgebenden KI-Figuren. Die Avatare sind dergestalt programmiert, persönlich-diskriminierende Äußerungen zu vermeiden; doch sind sie sich zwangsläufig nicht immer einig, da ihre KIs absichtsvoll auf fehlerhaften, von Menschen gemachten Datensätzen beruhen.
„Die Gewinner des Lumen Prize stehen beispielhaft für den innovativen Geist und die technische Meisterschaft, die die Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie ausmachen“, so Gillian Varney, Direktorin des Preises. Die Kategorie „Moving Image Award“ ging an die amerikanisch-philippinische Künstlerin Chia Amisola für ihre Arbeit „We Are Only Moving Towarnds Each Other“, die aus mehreren Internet-Browser-Fenstern besteht, in denen Texte, Videos und Chatausschnitte zu sehen sind. Das Publikum erkundet darin eine Welt zwischenmenschlicher Beziehungen, gefangen in einer Grenzregion zwischen realem und virtuellem Raum. In der Kategorie „Interactive Immersive“ setzte sich das New Yorker Künstler-Duo Marc Da Costa und Matthew Niederhauser mit „Parallels“ durch. Dabei handelt es sich um eine auf KI reagierende Installation, die mit ihrer Umgebung interagiert und eine quadratische LED-Wand in ein physisches Portal für Besucher verwandelt. Den „Impact Award“ hat der Schweizer Künstler Lukas Truniger gewonnen, der mit „Undergrown“ ein künstlerisches Projekt ins Leben gerufen hat, das veraltete Krypto-Mining-Hardware, die sonst zu Elektroschrott geworden wäre, für freiwillige wissenschaftliche Projekte wiederverwendet.
Die Journalistin Carla Rapoport, die für die Financial Times, das Fortune Magazine und The Economist Group in Tokyo, Hongkong und London gearbeitet hat, rief 2012 den Lumen Prize in Wales ins Leben. Er richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, die sich durch einen innovativen Zugang zu einer technologiegestützten Kreativität auszeichnen. In diesem Jahr lagen fast 2.000 Bewerbungen aus über 60 Ländern vor. Insgesamt steht ein Preisgeld in Höhe von 18.000 Pfund zur Verfügung, wobei 7.500 Pfund für den „Gold Award Winner“ vorgesehen sind. Zudem hat Rapoport 2018 die Lumen Art Projects gegründet, die Ausstellungen, Auftragsarbeiten und Veranstaltungen für Partner auf gesamten Erde unter Nutzung des Lumen Prize-Netzwerks organisieren. Hierbei hat Rapoport etwa schon mit dem Barbican Centre oder dem Royal College of Art in London zusammengearbeitet. Der Preis ging bisher etwa schon an Refik Anadol, Mario Klingemann oder Sissel Tolaas. |