Holländischer Glanz zurück in Wolfenbüttel  |  | Das „Holländische Service“ ist wieder in Wolfenbüttel zu bestaunen | |
Ein Tafelservice aus dem 18. Jahrhundert ist zurück auf Schloss Wolfenbüttel. Dort war es einst in der 1747 gegründeten Porzellanmanufaktur Fürstenberg geschaffen worden. Das Service umfasst 185 Objekte und wurde 1773/74 im Auftrag eines unbekannten niederländischen Bestellers gefertigt, weshalb es heute auch als „Holländisches Service“ bekannt ist. „Das ‚Holländische Service‘ steht nicht nur exemplarisch für die höfische Tafelkultur seiner Epoche, sondern ist auch ein bedeutendes Zeugnis der europäischen Wirtschaftsgeschichte“, erklärt Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, die den Ankauf mit 200.000 Euro förderte. Weitere Unterstützer beim Erwerb sind das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die Stadt Wolfenbüttel, die Hans und Helga Eckensberger Stiftung, die Stiftung Zukunftsfonds Asse, der Förderverein des Museums Wolfenbüttel e.V., die Rudolf-August Oetker-Stiftung, die Ritterschaft des ehemaligen Landes Braunschweig, die Volksbank Wolfenbüttel sowie private Stifter. Außerdem erwirbt die Ernst von Siemens Kunststiftung das Eigentumsrecht an einzelnen Elementen des Services.
Bemalt wurden die 99 Teller, 18 Schalen, 37 Platten und weitere Geschirrstücke aufgrund der Größe des Auftrags von unterschiedlichen Malern, wie Archivdokumente belegen. Zu den bekanntesten von ihnen zählt der Braunschweiger Maler Johann Friedrich Weitsch, der einer der ersten Maler in Deutschland war, der reale statt idealisierte Landschaften darstellte. Seine ersten, der Natur nachempfundenen Landschaftsmalereien schuf er auf Porzellan. Jedes einzelne Serviceteil ist mit einem individuellen Motiv versehen; das Ensemble ergibt die Gesamtansicht einer holländischen Küstenlandschaft. Die Technik polychromer Aufglasurmalerei bringt es mit sich, dass die Farben auch über die Jahrhunderte nicht verblassen und nichts von ihrer Brillanz einbüßen. Illuster ist nicht nur die Bemalung, sondern auch die Provenienz des Services, das zu einem unbekannten Zeitpunkt vom Bürgermeister der Stadt Rotterdam, Willem Suermondt, erstanden wurde – vermutlich anlässlich eines Abendessens mit Kaiser Napoleon Bonaparte. |