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AfD schießt gegen das Bauhaus

Für die AfD ist das Bauhaus in Dessau ein „Irrweg der Moderne“

Die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt wünscht sich eine Einflussnahme der Landesregierung auf die Feierlichkeiten des anstehenden Bauhaus-Jubiläums 2025/26. Konkret geht es der rechtsextremen AfD Sachsen-Anhalts darum, eine „einseitige Glorifizierung“ des UNESCO-Weltkulturerbes Bauhaus zu verhindern. In dem eingebrachten Antrag der Fraktion heißt es: „Die Betonung auf Nüchternheit und Minimalismus führte häufig zu unpersönlicher Architektur, die als kalt, abweisend und unattraktiv wahrgenommen wird.“ Viele Gebäude im Bauhaus-Stil würden heute als „Bausünden“ gelten. Außerdem sei die vom Bauhaus verfolgte „Vereinheitlichung von Kunst und Design“ ein „Einheitsbrei“, der zu „einer Verwässerung regionaler Eigenheiten und einer Standardisierung von Architektur und Design“ führe, die der kulturellen Vielfalt abträglich sei. Über den Antrag wird im Magdeburger Landtag an diesem Freitag diskutiert. FDP-Fraktionschef Andreas Silbersack äußerte sich in der Mitteldeutschen Zeitung bereits empört über den Vorstoß von Rechtsaußen: „Hier zeigt die AfD die Fratze des Nationalsozialismus par excellence“, so Silbersack.

Die Nationalsozialisten hatten die Aktivitäten des Bauhauses früh mit aller Härte verfolgt. Die 1919 gegründete Design- und Architekturschule in Weimar sowie die 1925 entstandene Nachfolgeeinrichtung in Dessau und Berlin wurden auf Betreiben der NSDAP schon 1933 geschlossen. Weltweit gilt das deutsche Bauhaus heute als eine der einflussreichsten kulturellen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Aus dem AfD-Antrag mit dem verstörenden Titel „Irrweg der Moderne“ geht nicht hervor, welcher Baustil im Sinne der AfD zu fördern wäre. AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner sagte der Mitteldeutschen Zeitung, er sei ein „Fan der Gründerzeit und des Jugendstils“, also genau jener kaiserzeitlichen Bauten, die der Zweite Weltkrieg aus deutschen Städten fegte. Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, betonte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, ein kritischer Diskurs über die historische Bedeutung des Bauhaus-Erbes sei notwendig und richtig. Mit Blick auf die von der AfD angemahnte „Glorifizierung“ des Bauhauses verwies Steiner auf eine in Weimar bis Ende September gezeigte großangelegte Ausstellung, die lange bekannte Verstrickungen des Bauhauses zum Nationalsozialismus erstmals umfangreich nachgezeichnet hat.


23.10.2024

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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