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Retrospektive zu Wilhelm Müller in Dresden

Heute jährt sich der 25. Todestag von Wilhelm Müller. Zu Ehren des Malers widmet ihm das Dresdner Leonhardi-Museum eine Retrospektive mit seinen wichtigsten Werkgruppen. Müller zählt neben seinem Lehrer Herrmann Glöckner zu den wenigen gegenstandslos arbeitenden Kunstschaffenden in der DDR. Informelle Monotypien mit expressiven Farbflächen in schwarzer Tusche, filigrane geometrische Formen in Silbertinte, geschwungene Gebilde und Linienstrukturen, ausgeführt in Blei- und Buntstift, sowie klein- und großformatige Tafelbilder – die Bandbreite der Arbeiten des Dresdner Künstlers, der 25 Jahre lang als Zahnarzt tätig war, ist vielfältig. Ein Viertel Jahrhundert nach der letzten Schau zu Wilhelm Müller im Dresdner Albertinum sind nun seine Arbeiten wieder zu sehen und werden um Leihgaben von Sammlern aus Sachsen, Thüringen und Berlin erweitert. Neben der Serie „Besenstiel-Schlag“ sind im Leonhardi-Museum auch die Zyklen „Japanischer Zirkus“, „Spiel mit Silberstift“ oder „Variationen über ein Thema von Otto Freundlich“ versammelt, ebenso 30 großformatige Tafelbilder. Hinzu kommen zwei Vitrinen mit Teppichfragmenten, die von einer anderen Tätigkeit zeugen: Von 1980 bis 1989 baute Müller am Museum für Völkerkunde in Dresden eine Sammlung islamischer Bauern- und Nomadenteppiche auf.

Wilhelm Müller, geboren 1928 in Harzgerode, ist vor allem durch seine klaren und konturierten Linien und Formen bekannt, was etwa in der titellosen Arbeit mit der Nummer „27.11.96/a“ besonders greifbar wird: 1996 hat Müller ein Papier unruhig weiß grundiert und durch deutliche Erhebungen in ein Raster aus vier Rechtecken in vier Zeilen aufgeteilt. Drei mit rotem Stift gezogene Geraden, die drei unterschiedlich große und steile Dreiecke sowie ein Viereck ausbilden, durchbrechen das Muster. In seinem Schaffen wechselt Müller, der 1999 in Dresden starb, immer wieder zwischen expressiv-gestischen und konstruktiv-gegenstandslosen Formen. Seine Serie „Besenstiel-Schlag“ etwa zeigt den unbeschwerten, spontanen und intuitiven Umgang des Künstlers mit dem Zufall.

Am bekanntesten sind jedoch seine „Konstruktiven Übungen“, denen ein zweijähriger Unterricht bei Hermann Glöckner vorausgegangen war. Sie bildeten den Ausgangspunkt für das weitere Schaffen des Malers und Grafikers. Trotz der konstruktiven Strenge behielt Wilhelm Müller, dessen Werke etwa im Museum im Kulturspeicher in Würzburg, in der Berliner Nationalgalerie, im Haus Konstruktiv in Zürich oder der National Gallery of Art in Washington D.S. zu finden sind, eine spielerische Arbeitsweise bei, wie im 1997 von Frank Maibier entwickelten Film „Besuch bei Wilhelm Müller“ deutlich wird. Es entsteht eine Mischung aus Informellem und Konkretem. Charakteristisch ist die Reduktion auf Form und Farbe mit der Betonung des Haptischen und Räumlichen.

Die Ausstellung „Wilhelm Müller“ läuft bis zum 23. Februar 2025. Das Leonhardi-Museum hat Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Haus ist an Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr geschlossen. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, freitags ab 14 Uhr ist er frei (außer an Feiertagen). Der begleitende Katalog erscheint im Februar 2025.

Leonhardi-Museum Dresden
Grundstraße 26
D-01326 Dresden
Telefon: +49 (0)351 – 268 35 13


29.10.2024

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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