Frank Auerbach ist tot Frank Auerbach ist am Montag in London gestorben. Der deutsch-britische Maler wurde 93 Jahre alt. Das teilte seine Galerie Frankie Rossi Art Projects in London mit, die den 1931 in Berlin geborenen figurativen Malerstar zuletzt vertrat. 1939 ermöglichten die sogenannten Kindertransporte dem minderjährigen Auerbach die Flucht ins Britische Königreich. Seine jüdischen Eltern mussten zurückbleiben und wurden ermordet. Nach seiner Schulzeit im abgeschiedenen Kent schrieb sich Auerbach in die Kunstklasse des Hampstead Garden Suburb Institute in London ein und begann, neben der Malerei auch einige ernsthafte Versuche in der Schauspielkunst. Dann folgten Studien bei dem polnischstämmigen Maler David Bomberg und an der St. Martin’s School of Art. 1952 gelang es ihm, einen Studienplatz im renommierten Royal College of Art zu ergattern, wo ihn jedoch die konservativen Ansichten der Professoren zunächst in eine tiefe Schaffenskrise stürzten. Nach vorsichtigen anfänglichen Erfolgen mit seinen überarbeiteten weiblichen Porträtköpfen verschrieb er sich noch als Student dazu, in seinem Atelier ein beinahe klösterliches Leben zu führen. Er ging immer um 21 Uhr ins Bett und stand um 5 Uhr morgens auf.
„Mondrian hatte kein Leben“, soll Auerbach sich selbst immer wieder gesagt haben. Denn für ihn stand fest, Künstler zu sein, bedeutet gesellschaftliche Erwartungen und private Träume hinter sich zu lassen. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang, seit seinem Abgang vom Royal College, wo er mit einer Silbermedaille abschloss, lebte Auerbach in einem berühmten Atelier im Londoner Stadtteil Camden. Neben Francis Bacon und Lucian Freud, der ebenfalls aus Berlin nach Großbritannien geflohen war, zählte Auerbach zu den prägenden Figuren der „School of London“, die ungeachtet der fortschreitenden abstrakten Tendenzen in der Malerei auf figurative Motive setzte. Häufig entwarf Frank Auerbach ein pastoses Dickicht an verschiedenen Farbschichten auf seiner Leinwand, in der jedoch stets Figuren und Landschaften erkennbar blieben. Die dicken Farbwülste waren Ausdruck seiner Unzufriedenheit. Er habe kein Bild beenden können, ohne dass er es „wirklich vollständig“ fand, sagte Auerbach. „Ich habe immer wieder drübergemalt, etwas abgekratzt, wieder drübergemalt. Und so war es am Ende dieser dicke Farbauftrag.“ In seinem Schaffen beschränkte sich Auerbach auf wenige Themen. Neben Stadtbildern und Gebäuden stand das Portrait im Zentrum seiner Arbeit.
Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 1986 im Alter von 55 Jahren auf der Biennale von Venedig, wo er den britischen Pavillon gestaltete. Gemeinsam mit Sigmar Polke erhielt Auerbach damals den Goldenen Löwen. Seine letzte Ausstellung wurde im Februar in der Courtauld Gallery in London gezeigt, in der auch zahlreiche seiner frühen Kreidezeichnungen aus den 1950er Jahren zu sehen waren. 2015 widmete ihm das Kunstmuseum Bonn eine umfassende Ausstellung, drei Jahre später stellte das Frankfurter Städel Museum Auerbachs Porträts denen seines Londoner Kollegen und Freundes Lucian Freud in einer Schau gegenüber. Der künstlerische Eigenbrötler Auerbach blieb seinem zurückgezogenen Leben jedoch auch angesichts der späten internationalen Anerkennung treu. Zu seinen wenigen deutschen Verwandten hielt er dennoch lose Kontakt. Der verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zählt zu Auerbachs wenigen Familienmitgliedern, die den Holocaust überlebten. Ihr gemeinsamer Großvater war der Berliner Rabbiner Mannheim Auerbach. |