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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
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Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal zeigt eine umfassende Werkschau zu Lucio Fontana

Vom Eintauchen in Löcher, Schlitze und andere Welten



Das Werk vieler Künstler zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Wahrnehmung auf markante Parameter konzentriert. Was der Nagel bei Günther Uecker, der Spiegel bei Adolf Luther oder die Monochromie bei Yves Klein sind, sind Schnitte und Löcher bei Lucio Fontana. Doch zeigt sich bei dem italienischen Künstler die Bandbreite des Schaffens viel facettenreicher. In etlichen Ausstellungen und Museen präsent, haben seine wegweisenden Arbeiten die internationale Kunstentwicklung nachhaltig beeinflusst. Daher scheint es umso erstaunlicher, dass es seit der letzten umfassenden Retrospektive in der Frankfurter Schirn im Jahr 1996 keine angemessene Würdigung für Fontana mehr in Deutschland gegeben hat. So legten die Verbindungen des Künstlers zur rheinischen Galerie- und Künstlerszene, speziell auch zu Wuppertal, nahe, ihn hier in Erinnerung zu rufen. Nun präsentiert das Von der Heydt-Museum das vielgestaltige Gesamtwerk des Künstlers und will Fontana als einen Wegbereiter neuer Formen und Konzepte vorstellen, der damit in der Nachkriegsepoche den Kunstbegriff revolutioniert hat.


Dazu trug das Kuratorenduo Beate Eickhoff und Roland Mönig insgesamt 95 Arbeiten Fontanas zusammen, ergänzt von 22 dialogisch hinzugefügten Werken seiner Zeitgenossen. Allein aus der in Mailand ansässigen Fondazione Lucio Fontana, dem wichtigsten Kooperationspartner der Schau, fanden neben der Lizenz zur Nachbildung einer Rauminstallation 40 Exponate den Weg nach Wuppertal. Besonders im Fokus stehen die Beziehungen zum Kunstmarkt der Region. Einem breiten Publikum bekannt wurde der 1899 als Sohn eines Bildhauers in Argentinien geborene und ab 1905 in Italien ansässige Fontana 1958 durch die Biennale in Venedig und im Folgejahr durch die Teilnahme an der zweiten Documenta in Kassel. Ab 1960 wurde er von der legendären Düsseldorfer Galerie Schmela vertreten und bereits 1962 konnte er eine erste große Ausstellung im nahen Museum Schloss Morsbroich bestreiten. Als erstes Institut nach seinem Tod würdigte die Kunsthalle Barmen in Wuppertal den Künstler 1969 mit einer Überblickschau, in der Arbeiten von ZERO-Meistern wie Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker sowie Gotthard Graubner auf Fontanas enge Kontakte zur rheinischen Szene verwiesen.

Grob chronologisch angelegt, bietet sich nun erneut ein aufschlussreicher Überblick, der Fontanas Schaffen von den 1930er Jahren bis zu seinem Tod 1968 ausbreitet. Zeichnungen, Plastiken, Leinwände und geritzte sowie perforierte Metallarbeiten sind im Auftaktsaal mit „Raumkonzept“ betitelt, was auf das zentrale Thema des Künstlers, den Raum, verweist und ihn als einfallsreichen Experimentator mit Formen und Materialien vorführt. Im Anschluss wird das enge Zusammenwirken mit dem führenden rheinischen Künstlerfotografen Lothar Wolleh thematisiert, der sich im Umfeld der Galerie Schmela ab 1962 auf Bilder von Künstlern spezialisierte. In einer Zeit prosperierender Medien waren sie auf Fotografien zur Selbstdarstellung angewiesen. Lucio Fontana war einer der ersten Künstler, die Wolleh porträtierte. Kaum bekannt war bislang, dass beide ein Multiple entwickelten, eine Kassette, zu der beide je vier Elemente beitrugen.

Im Anschluss stehen Fontanas Beziehungen zu den Avantgarden in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im Fokus. In dieser Phase arbeitete er sowohl figürlich als auch abstrakt. Nach der Ausbildung zum Bauleiter an einer Baugewerkschule, die vom Besuch einer Kunsthandwerkerschule begleitet war, folgte die künstlerische Schulung im väterlichen Bildhaueratelier während eines Argentinien-Aufenthaltes von 1922 bis 1927. Nach der Rückkehr nach Mailand 1927 studierte Lucio Fontana Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti di Brera und erhielt 1929 hier seinen Abschluss. Auf der Suche nach aktuellen Strömungen trat er 1935 der in Paris gegründeten Gruppe „Abstraction-Création“ bei, arbeitete aber weiter ungegenständlich und figürlich zugleich. Wichtige Anregungen empfing er vom Futurismus und dem führenden Vertreter Umberto Boccioni, dessen „Simultanvisionen“ von 1912 in der Ausstellung Korrespondenzen zu nachfolgend angeordneten Zeichnungen Fontanas offenbaren. Hier erkundete er neue Wege vor dem Hintergrund der Weltraumeroberung und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Diagramme, Wirbel und Schleier zeugen von sphärischen Impulsen, die letztendlich zur wichtigsten Erfindung des Künstlers, dem Loch, im Jahr 1949 führten.

Geistig und plastisch öffnete Lucio Fontana von da an neue Räume, indem er Papierbögen und Leinwände mit einem Stecheisen durchlöcherte. Die ersten Vorstöße ins Dreidimensionale waren mit Verweis auf den Nullpunkt weiß und erinnern an das Informel. Spiral- oder kreisförmig gesetzt, lassen die Löcher im Malgrund auch an den Sternenhimmel denken und sollten das Bewusstsein des Betrachters in kosmische Dimensionen erweitern. Bei aller Strenge gibt es in Fontanas Kunst auch barocke Züge zu entdecken. Nach seiner Rückkehr vom kriegsbedingten Aufenthalt in Argentinien von 1940 bis 1950 entstanden ausgehend vom Barock und angeregt von Bewegungen der Figuren im Raum figürliche Keramiken mit raffinierten Farbeffekten und bewegten Formen. Ebenfalls in den 1950er Jahren schuf er – gleichfalls italienisch orientiert – eine Serie von Bildern mit eingelegten glitzernden Steinen, deren Oberflächen lebhafte plastische Wirkungen entfalten.

Dann verweisen Werke von Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker auf den engen Austausch der Mailänder und Düsseldorfer Kunstszene in den 1950er Jahren, in denen sich Licht und Bewegung zu einer neuen Objektkunst herausbildeten. Die deutschen ZERO-Künstler sahen Fontana als Vorreiter und Mitstreiter. Der vorletzte Saal ist der berühmten Reihe „Attesa“ („Erwartung“) gewidmet, die der Schau den Titel verlieh. Sie besteht aus Bildern, deren Oberflächen Fontana durch einen oder mehrere Schnitte einkerbte. Die ersten Arbeiten jener Serie datieren ins Jahr 1958. Bis zum Lebensende widmete sich der Künstler dieser Werkgruppe in vielen Variationen. Bei den Schnitten, die physisch wie auch gedanklich neue Räume von unbestimmter Tiefe öffnen, schwingt auch die Vorstellung vom Jenseits mit. Als „Akt des Glaubens an das Unendliche“ beschrieb Fontana einmal seine Kunst.

Wie sehr Fontana in Räumen dachte, offenbart zum Abschluss die Installation „Ambiente spaziale con neon“. Entworfen im 1967 für eine Einzelschau in den Niederlanden, erlebt das Werk nun eine Neuinszenierung. Der pinkfarbene Raum mit einer unter der Decke montierten Neonröhre, die wie ein geschwungener, schwebender Strich erscheint, soll den Menschen in eine andere Welt versetzen. Hiermit wurde er abermals zum Wegbereiter einer neuen Gattung, des Environments, die die Zeit universeller Kunsterlebnisse einläutete. Angespornt von astronomischen Erkenntnissen, der Raumfahrt und technischen Erfindungen sprengte Lucio Fontana damit erneut Grenzen klassischer Gattungen. Als erster Künstler kreierte er ähnlich heutiger virtueller Räume ganze Orte, die den Glauben an die Zukunft vermitteln sollten.

Die Ausstellung „Lucio Fontana. Erwartung“ ist bis zum 12. Januar 2025 zu besichtigen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. An Heiligabend, 1. Weihnachtstag sowie Silvester bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist er frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 32 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

Startseite: www.von-der-heydt-museum.de



11.12.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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