Dresdner Stadtrat kippt Sanierung der Robotron-Kantine  |  | Nach dem Beschluss des Dresdner Stadtrats kann die Robotron-Kantine nicht saniert werden | |
Im Dresdner Stadtparlament hat eine Mehrheit von CDU, AfD und Team Zastrow, einer rechtsliberalen Abspaltung der FDP, die Sanierung der Robotron-Kantine aufgrund der angespannten finanziellen Lage verhindert. Zur Abstimmung stand die Bewilligung von 3,5 Millionen Euro, die dem denkmalgeschützten Pavillonbau der Nachkriegsmoderne zugutekommen sollten. Die Hauptlast der Sanierung sollte der Bund mit 4 Millionen Euro tragen. Außerdem hatte die ehemals in Dresden beheimatete Familie Arnhold sich bereit erklärt, denselben Betrag wie die Stadt beizusteuern. In die sanierte Robotron-Kantine sollte das Kunsthaus Dresden, eine Kultureinrichtung in kommunaler Trägerschaft mit Schwerpunkt internationaler Gegenwartskunst, und ein großes Ausstellungsprojekt in freier Trägerschaft, die Kunstbiennale „Ostrale“, einziehen. Nun bleibt das Gebäude, das die Stadt eigens für dieses Projekt angekauft hatte, ohne Heizung, Sanitäranlagen und Arbeitsräume bis auf Weiteres dem Verfall überlassen.
Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden, zeigt sich vor den Kopf gestoßen: „Wir sind erschrocken über die Verantwortungslosigkeit und Respektlosigkeit dieser Entscheidung – gegenüber der Familie Arnhold, gegenüber der Arbeit der Verwaltung und gegenüber den vielen Menschen, die in dieser Stadt ihr Engagement einbringen – und natürlich auch gegenüber dem Bund als Förderer. Diese Entscheidung ist weder wirtschaftlich noch aus anderen Überlegungen heraus nachvollziehbar. Diese von den Fraktionen der AfD, Team Zastrow und insbesondere der CDU getragene Entscheidung ist mit einer gesellschaftlichen Verantwortung für diese Stadt nicht vereinbar.“ Das Kunsthaus Dresden verlässt, wie geplant, noch im kommenden Januar seinen bisherigen Standort in der Rähnitzgasse, um dem neuen Nutzern dem „Haus der Brücke“, Platz zu machen. Diese kulturelle Begegnungsstätte entsteht auf Wunsch der Familie Arnhold und wird ebenfalls auf der Basis einer Spende der aus Dresden stammenden jüdischen Familie finanziert.
Dass der Umzug bereits vor dem Stadtratsbeschluss begonnen wurde, kritisierte vor allem die CDU-Fraktion. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) stellte in der Debatte klar, dass beide städtischen Kunstinstitutionen nach dem Beschluss sozusagen auf der Straße stünden. Erst im vergangenen Mai hatte derselbe Stadtrat noch beschlossen, das Grundstück der Robotron-Kantine sowie das Gebäude für 110.000 Euro anzukaufen. Das Kantinen-Gebäude entstand zwischen 1969 und 1972 unter Leitung des Architektenkollektivs Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel. Die modernistische Betriebsgaststätte mit quadratischem Grundriss und umlaufender Terrasse entfaltet dank langer Fensterbänder eine offene Wirkung. Der Pavillonbau war Teil des VEB Kombinats Robotron, das bis zu seiner Auflösung 1990 der größte Computerhersteller der DDR war. Die Entwicklungsabteilung und Zentrale der Firma befanden sich in Dresden. |