Max Ernst Stipendium für Fynn Ribbeck  |  | Fynn Ribbeck, Distant Call, 2023 | |
Fynn Ribbeck erhält das diesjährige Max Ernst Stipendium der Stadt Brühl. Damit konnte sich der 30jährige Video- und Installationskünstler aus den insgesamt 262 Bewerbungen hervortun. In ihrer Begründung lobte die achtköpfige Jury die „außergewöhnliche Qualität der Videoarbeiten“ und „die in physische Körper übersetzten Skulpturen“, die teils auf digitalen Bildern aus den filmischen Arbeiten basieren, und führte weiter aus: „Skulpturen und Videoarbeiten bestimmen in einer einzigartigen Symbiose von analoger Materialität und Digitalität das Werk von Fynn Ribbeck. Die digital generierten Bildwelten seiner Videoarbeiten faszinieren. Sie kommen beunruhigend bekannt vor, nicht zuletzt, da sie analoge filmische Ästhetiken und Perspektiven evozieren.“
Der 1995 in Lennep im Bergischen Land geborene Künstler studierte zunächst von 2013 bis 2021 an der Kunstakademie Düsseldorf, zuletzt als Meisterschüler von Dominique Gonzalez-Foerster. Zurzeit ist er an der Kunsthochschule für Medien Köln immatrikuliert. In seinem Schaffen greift Fynn Ribbeck auf Archivmaterial, auf Bilder von Personen, Ereignissen oder Architektur oftmals mit Bezug zur deutschen Geschichte und politischen Gegenwart zurück. Diese werden zum Ausgangspunkt für imaginierte Figuren, Räume und Erzählungen, die Fragen nach Authentizität und Wahrheit aufwerfen. So erlaubt die Verfremdung des historischen Bildmaterials auch, vermeintlich stabile Narrative zu hinterfragen und neue Räume der Assoziation und Irritation zu öffnen. Aus unterschiedlichen Materialien wie Folien, Fellen oder Kunstleder näht Ribbeck seine Collageskulpturen zusammen, die er aus Motiven seiner Videoarbeiten entlehnt. Aus dem Digitalen entstehen in einer außergewöhnlichen Erscheinung und Materialästhetik so wesenhafte Objekte voller Licht und Farbe.
Die Stadt Brühl hat das Max Ernst Stipendium heuer zu 56. Mal verliehen. Neben dem Preisgeld von 10.000 Euro, das die Stadt Brühl und die Max Ernst-Gesellschaft e.V. zu gleichen Teilen aufbringen, erhält Fynn Ribbeck die Möglichkeit, seine Werke im Max Ernst Museum des LVR zu präsentieren. Die Preisverleihung und Ausstellungseröffnung finden am 2. April, dem Geburtstag Max Ernsts, in Brühl statt. Zudem ist die Stadt Brühl bestrebt, ein Werk des Stipendiaten für ihre „Sammlung Junge Kunst“ zu erwerben. |