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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Diesmal stehen bei Koller in Zürich antike Artefakte an der Spitze der Auktion „Decorative Arts“. Doch auch die Möbel, Fayencen und Hinterglasbilder beeindrucken

Vorbild der Moderne



 Goulandris Meister, Goulandris Meister zugeschrieben, Kykladenidol im Spedos-Typ, wohl Keros um 2.500-2.400 v. Chr.

Goulandris Meister, Goulandris Meister zugeschrieben, Kykladenidol im Spedos-Typ, wohl Keros um 2.500-2.400 v. Chr.

Die Kykladenidole sind Zeugen einer untergegangenen Kultur und geben den Forschern seit ihrer Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert immer noch Rätsel auf. Die stark abstrahierten menschlichen Figuren, die in der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit wohl vorwiegend auf der griechischen Inselgruppe der Kykladen aus Marmor gefertigt wurden, könnten als kultischer Gegenstand gedient haben und als Idol verehrt worden sein. Diskutiert wird aber auch eine Funktion in Begräbnis- und Fruchtbarkeitsriten oder im zeremoniellen Tauschhandel. Ihr karger ästhetischer Reiz hat jedenfalls viele Künstler der Moderne inspiriert, etwa Amedeo Modigliani, Constantin Brancusi und Alberto Giacometti. Erste Exemplare datieren in die Zeit um 5.000 vor Christus, der künstlerische Höhepunkt wird um 2.500 vor Christus erreicht. Aus dieser Epoche stammt auch ein mit über 40 Zentimetern recht großes Idol im Spedos-Typ, das das Auktionshaus Koller nun offeriert. Das weibliche Fragment mit dem lyraförmigen Kopf und der langgezogenen Nase wird dem sogenannten „Goulandris Meister“ zugeschrieben, der mit über fünfzig erhaltenen Figuren als produktivster Bildhauer von Kykladenidolen gilt. Die Spezialistin Patricia Getz-Preziosi bezeichnet ihn als „einen der besten Skulpteure seiner Zeit“, was sich nun auch im Schätzpreis von 350.000 bis 600.000 Franken niederschlägt.


Darüber hinaus ist Koller mit antiker Ware am 27. März gut ausgestattet. Als Fragmente liegen der Unterkörper eines Oranten aus der Kultur der Sumerer um 2.600 bis 2.350 vor Christus, der mit einem knöchellangen Gewand, dem „Kaunakes“, mit sechs Registern umlaufender blattförmiger Büscheln bekleidet ist (Taxe 15.000 bis 18.000 SFR), und der rote Terrakottakopf einer Göttin aus etruskischer Zeit um 500 vor Christus vor (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). Etwas jünger sind zwei schwarzgrundige Keramikgefäße aus Apulien: der Stamnos des vierten Jahrhunderts vor Christus, der zur Xenon-Gruppe gehört und mit Blumenranken, Blattfriesen und Wellenbändern in rotem Tonschlicker bemalt ist (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR), und die Amphora des dritten Jahrhunderts vor Christus im Gnathia-Stil, die nur am Vasenhals mit einem sich kreuzendem Beerenzweig dekoriert ist (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR). Aus der Regierungszeit der Ptolemäer im dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus stammt ein markanter Herrscherkopf aus Marmor, der aufgrund seiner Idealisierung und Überarbeitung die genaue Identifizierung einer Person nicht zulässt (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Ebenso teuer ist eine runde spätantike gallorömische Bronzefibel wohl aus dem vierten Jahrhundert nach Christus, verziert mit konzentrischen Kreisen aus Millefiori-Glasstäbchen in Blau und Weiß.

Dann macht das Angebot bei Koller einen Sprung und geht ins 13. Jahrhundert, als in Limoges ein kupfernes Weihrauchschiffchen mit den typischen Emailverzierungen gefertigt wurde (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Gut bestückt ist die Auktion mit Keramikware, etwa den charakteristischen Tellern und Platten aus Iznik mit floralem Dekor in Grün, Rot und Blau (Taxen zwischen 1.000 und 5.000 SFR). Eine Besonderheit stellt die um 1560/70 dort produzierte Platte mit Rosette, stilisierten Blättern und Wellenmotiv dar, die lediglich in Blau gehalten ist (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR). Beim Porzellan dominiert die Manufaktur Meißen und stellt ein Paar kleiner Deckelterrinen samt Unterschalen, die um 1738/40 mit Kauffahrteiszenen auf gelbem Fond bemalt wurden (Taxe 25.000 bis 30.000 SFR), oder ein Paar Hasen auf Grassockeln nach einem Modell von Johann Joachim Kändler um 1750 zur Verfügung (Taxe 27.000 bis 35.000 SFR).

Für die Porzellanmanufaktur Frankenthal gestaltete Carl Gottlieb Lück Mitte der 1770er Jahre als Tafelschmuck eine Serie von sehr europäisch inspirierten Chinesen-Figuren. Ein Konvolut von neun Musikanten, Schalenträgern, Ausrufern und Sängern verlangt 4.000 bis 6.000 Franken, eines mit vierzehn etwas kleineren Ausformungen 6.000 bis 8.000 Franken. Für die Manufaktur Ludwigsburg steht die seltene Skulpturengruppe „Der Aderlass“ um 1770 (Taxe 1.500 bis 2.500 SFR), für Zürich das Paar Porzellanteller um1780 mit Früchtestillleben im Spiegel sowie verstreuten Insekten und Zweigen (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR) und für Sèvres das Paar Tassen „gobelet Hébert“ mit den Untertassen „a cinq pans rondes“, die François-Joseph Aloncle um 1762 mit Vogelvignetten in radierten Goldbordüren auf dunkelgrünem Fond staffiert hat (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR). Ins Empire geht es mit einem siebenteiligen Déjeuner aus Nymphenburg um 1815, auf dessen puderblauem Fond sich König Maximilian I. Joseph von Bayern und seine Familie nach Lithografien Ferdinand Pilotys d.Ä. präsentieren (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). Nochmals teurer wird es bei den Fayencen mit einem Modell von Johann Wilhelm Lanz, der um 1750 für Paul Anton Hannong in Straßburg zwei Deckelterrinen in Gestalt eines naturalistischen Entenpaars entwarf. Das Schaugericht ist für 40.000 bis 60.000 Franken zu haben.

In die Auktion sind mehrere Spezialsammlungen integriert. Aus Innerschweizer Besitz kommt Kollektion mit Hinterglasbildern des 18. Jahrhunderts vor allem mit biblischen Motiven. Sie umfasst hauptsächlich Arbeiten von Innerschweizer Glasmalerinnen und Glasmalern, etwa die qualitätvollen Darstellungen der „Vermählung Mariens“ von Johann Peter Abesch sowie „Judith mit dem Kopf des Holofernes“ und „Esther vor Ahasver“ seiner Tochter Anna Barbara Abesch (Taxe je 5.000 bis 8.000 SFR). Ein anderer Schweizer konnte sich für die berühmte Augsburger und Nürnberger Silberproduktion begeistern und kaufte die Gefäße fast durchgängig beim Münchner Auktionshaus Neumeister ein, darunter einen Schauteller mit sitzendem Herrn von Johann Mittnacht I um 1677/79 (Taxe 2.400 bis 4.400 SFR), eine hexagonale Schraubflasche von Philipp Jakob Drentwett IV um 1695/99 mit Vasenmotiven und Imperatorenköpfen im Wechsel (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), einen Deckelbecher mit Schlangenhautdekor von Heinrich Eichler um 1700 (Taxe 2.600 bis 3.600 EUR) oder einen Kugelfußbecher mit Barockblumen von Hieronymus Peller um 1661/64 (Taxe 1.200 bis 1.800 EUR). Aus anderem Besitz stammen ein hoher Deckelhumpen mit feiner Schlangenhautpunzierung von Melchior Bair um 1612/16 (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR) und ein vergoldeter Buckelpokal samt Deckel aus Hamburg um 1612/17 mit unleserlicher Meistermarke (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR).

Für Uhrenliebhaber hält der Katalog mehrere süddeutsche Türmchenuhren bereit, beispielweise ein wohl Augsburger Exemplar um 1600 mit graviertem Ranken- und Volutenwerk auf dem rechteckigen Messinggehäuse und dem typischen durchbrochenen Glockenstuhl (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Namentlich bekannt sind die Entwerfer und Werkmeister einer Pariser Kaminpendule um 1720/25: dahinter stehen André-Charles Boulle mit seiner charakteristischen Marketerie aus Messingeinlagen in Schildpatt, der Bildhauer François Girardon für die beiden Figuren des Chronos und des Amors sowie Hiérosme Martinot, der das Uhrwerk signiert hat (Taxe 35.000 bis 60.000 SFR). Für den um 1530 in Bronze gegossenen, kraftvoll ausgearbeiteten, stehenden Hengst wird einer der beiden norditalienischen Renaissance-Bildhauer Severo Calzetta oder Andrea Briosco verantwortlich gemacht (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).

Die Möbel bei Koller fallen nicht mehr so teuer aus, wie früher. Bei 40.000 bis 60.000 Franken ist diesmal das Ende der Preisskala erreicht. Sie werden für einen architektonisch gegliederten Kabinettschrank des 17. Jahrhunderts aus Venetien mit mythologisch und allegorisch bemalten Perlmutteinlagen und eine Kommode mit zwei Türen von Claude-Charles Saunier um 1750/60 fällig, bei der markante Bronzebeschläge wohl von Jean-Claude Duplessis das schlichte Furnierbild rahmen. Eine Lackkommode aus dieser Zeit weist ebenfalls nach Paris und ist mit einer Pagoden- und Parklandschaft aus schwarzem Grund samt Figurenstaffage, exotischen Pflanzen und Tieren im „goût chinois“ verziert. Vergleichbare Arbeiten stammen etwa von Jacques Dubois (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Auffällig an einer Rokoko-Konsole mit Spiegel, die wohl Potsdam oder München entstand, ist die ungewöhnliche Versilberung (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR).

Seltenheit darf zudem allein schon wegen seiner Form ein eintüriger Prunkschrank aus dem frühen 18. Jahrhundert beanspruchen, den die Experten aufgrund seiner grazilen Messingeinlagen dem Berliner Hofschreiner Martin Böhme zuschreiben. Aber auch die Provenienz aus dem Besitz des Industriellen und deutschen Außenministers Walther Rathenau sucht ihresgleichen (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Ehemals in einem Schloss der Württemberger stand ein schlichtes, aber elegant gestaltetes Bureau plat von Abraham Nicolas Couleru um 1760/70 (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Adeliger Herkunft ist gleichfalls ein russisches Paar Spieltische vom Ende des 18. Jahrhunderts mit geometrischem Rauten- und Dreiecksdekor; die Inventaretiketten verweisen auf das Schloss Gattschina südlich von St. Petersburg (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Dazu passen zwei klassizistische Windlichter aus kobaltblauem Glas in vergoldeten Bronzehalterungen mit geschliffenem Kristallbehang, die in der Berliner Manufaktur Werner & Mieth um 1800 produziert wurden (Taxe 6.000 bis 10.000 SFR). Am Übergang von Historismus zum Jugendstil steht ein zierlicher Beistelltisch von François Linke um 1900/07, der Stilelemente des Louis XV mit der neuen Formen- und Dekorsprache des Art Nouveau, etwa in der Parklandschaft mit schwimmendem Schwan, verbindet (Taxe 28.000 bis 38.000 SFR).

Die Auktion beginnt 27. März um 11 Uhr. Der Katalog ist unter www.kollerauktionen.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



25.03.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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 Iznik, Keramikplatte, spätes 16. Jahrhundert

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Taxe: 2.000 - 3.000 SFR

Zuschlag: 8.000,- SFR

Losnummer: 1041

Martin Böhme, Martin Böhme Umkreis, Eintüriger Schrank, wohl Berlin erstes Drittel 18. Jahrhundert

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Taxe: 10.000 - 15.000 SFR

Zuschlag: 12.000,- SFR

Losnummer: 1116

Claude-Charles Saunier, Kommode, Paris um 1750/60

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Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Losnummer: 1181

 Augsburg, Türmchenuhr mit Radunruh und Wecker, wohl um 1600

Augsburg, Türmchenuhr mit Radunruh und Wecker, wohl um 1600

Taxe: 10.000 - 15.000 SFR

Zuschlag: 9.000,- SFR

Losnummer: 1088

Andrea Briosco, wohl Severo Calzetta oder  Figur eines stehenden Hengstes, um 1530

Andrea Briosco, wohl Severo Calzetta oder Figur eines stehenden Hengstes, um 1530

Taxe: 20.000 - 30.000 SFR

Zuschlag: 34.000,- SFR

Losnummer: 1052

Melchior Bair,  Deckelhumpen mit Schlangenhautdekor, Augsburg um 1612/16

Melchior Bair, Deckelhumpen mit Schlangenhautdekor, Augsburg um 1612/16

Taxe: 20.000 - 30.000 SFR

Losnummer: 1090

Johann Wilhelm Lanz,  Zwei Deckelterrinen in Form von Enten, um 1745/54

Johann Wilhelm Lanz, Zwei Deckelterrinen in Form von Enten, um 1745/54

Taxe: 40.000 - 60.000 SFR

Zuschlag: 40.000,- SFR

Losnummer: 1191

 Limoges, Weihrauchschiffchen, 13. Jahrhundert

Limoges, Weihrauchschiffchen, 13. Jahrhundert

Taxe: 8.000 - 12.000 SFR

Zuschlag: 9.000,- SFR

Losnummer: 1029

 gallorömisch, Bronzefibel mit Millefiori-Dekor, 4. Jahrhundert n. Chr.

gallorömisch, Bronzefibel mit Millefiori-Dekor, 4. Jahrhundert n. Chr.

Taxe: 8.000 - 12.000 SFR

Zuschlag: 7.000,- SFR

Losnummer: 1021

 Apulien, Amphora der Gnathiakeramik, 3. Jahrhundert v. Chr.

Apulien, Amphora der Gnathiakeramik, 3. Jahrhundert v. Chr.

Taxe: 5.000 - 8.000 SFR

Zuschlag: 5.000,- SFR

Losnummer: 1010

 Apulien, Stamnos des Typs „Xenon“, 4. Jahrhundert v. Chr.

Apulien, Stamnos des Typs „Xenon“, 4. Jahrhundert v. Chr.

Taxe: 4.000 - 6.000 SFR

Losnummer: 1009

 Iznik, Keramikplatte mit Blaudekor, um 1560/70

Iznik, Keramikplatte mit Blaudekor, um 1560/70

Taxe: 3.000 - 5.000 SFR

Zuschlag: 29.000,- SFR

Losnummer: 1039

 Venetien, Kabinett, 17. Jahrhundert

Venetien, Kabinett, 17. Jahrhundert

Taxe: 40.000 - 60.000 SFR

Losnummer: 1089




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