 |  | Oswald Achenbach, Straßenszene vor dem Kolosseum, 1884 | |
In den Sommermonaten des Jahres 1850 unternahm der damals 23jährige Oswald Achenbach seine erste ausgedehnte Reise nach Italien. Gemeinsam mit seinem Düsseldorfer Malerkollegen Albert Flamm führte ihn der Aufenthalt nach Nizza, Genua, Rom und in das Umland der italienischen Hauptstadt. Die Eindrücke der Landschaft und der Bewohner hielt Achenbach in Ölskizzen direkt in der freien Natur fest und konzentrierte sich dabei auf die charakteristischen Farben und Formen sowie die Licht- und Schattenwirkungen. Spätestens von diesem Zeitpunkt an wurde Italien für ihn zum bestimmenden Ideengeber, Achenbach zum Maler dieses Sehnsuchtslandes für viele Nordeuropäer. Auf eine Achenbach-Rundreise zu prominenten Orten Italiens nimmt die kommende Auktion bei Van Ham die Sammler mit. In die dichte abendliche Atmosphäre des religiös geprägten und zugleich bunten Leben Roms entführt seine „Straßenszene vor dem Kolosseum“ aus dem Jahr 1884 für 20.000 bis 30.000 Euro. In der näheren Umgebung sah sich Achenbach in den 1880/90er Jahren mehrmals um und entdeckte einige Landleute am Ende ihres Tagewerks in der „Abendstimmung in der römischen Campagna“ für 8.000 bis 12.000 Euro oder auf größerem Format in seiner „Ernte bei Rom“ für 20.000 bis 30.000 Euro.
Da sein vielfältiger italienischer Motivschatz beim gut situierten deutschen Bürgertum gefragt war, fertigte Oswald Achenbach zahlreiche Gemälde von seinen südlichen Reiseeindrücken in seinem Düsseldorfer Atelier aus, etwa 1891 seinen Weitblick über Florenz mit einer vornehm gekleideten Familie auf einer Terrasse über der Stadt (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Immer wieder behandelte Achenbach zudem Neapel und seine malerische Umgebung mit den vorgelagerten Inseln, so in einer wilden Kutschfahrt am „Kap Orlando“ auf der staubigen Straße zwischen Sorrent und Castellamare (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Ruhiger geht es auf seiner „Abendstimmung an der Küste vor Sorrent“ mit drei Frauen bei der Unterhaltung zu (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Von Ischia brachte Achenbach 1880 den Blick auf das Castello Aragonese mit gemächlich schipperndem Segelboot und Leuten am Ufer mit (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und breitete ein Jahr später für das deutsche Publikum ein sommerliches Panorama mit der Bucht von Neapel und dem rauchenden Vesuv im dunstigen Hintergrund aus (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Einen fast identischen Standpunkt wählte auch Franz Richard Unterberger für seine „Abendstimmung über Neapel“ (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR), während Carl Morgenstern in einem aquarelligen Kolorit einen einsamen Fischer auf seinem wankenden Boot „In der Bucht von Neapel“ festhielt (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) und Caspar Scheuren sich bei seinem „Tanz vor dem Wirtshaus am Strand bei Neapel“ aus dem Jahr 1839 vor allem genreartig für das Treiben der einfachen Bevölkerung interessierte (Taxe 1.500 bis 3.000 EUR).
Von Schöpfungen der deutschen Frührenaissance, wie der Altartafel „Christus am Kreuz mit dem heiligen Gregorius Maurus und einem geistlichen Stifter“ von Bartholomäus Bruyn d.Ä. aus der Zeit um 1530 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), bis hin zum deutschen Spätimpressionismus und gemäßigter Moderne, darunter Otto Altenkirchs „Zills Teich im Sonnenschein“ von 1922 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) oder Poppe Folkerts’ bewegter „Segler vor Norderney“ (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR), reicht die Offerte der „Fine Art“ im Kölner Auktionshaus Van Ham. Franz Roubaud, ein Meister für große und ausgefeilte exotische Kompositionen, stellt mit einer bislang unbekannten Wiederentdeckung das Hauptlos der Versteigerung am 16. Mai: Sein überraschend unaufgeregtes „Reiterlager im Kaukasus“, das mit farbig gewandeten Kosakengruppen und stolzen Pferden überzeugt und seit den 1920er in einer deutschen Sammlung beheimatet war, soll ambitioniert 100.000 bis 150.000 Euro einspielen. Für 8.000 bis 12.000 Euro sind dann schon Roubauds „Zwei Tscherkessenreiter am Brunnen“ von 1882 zu haben.
Die Alten Meister
Zu diesem Wert gibt es bei den Alten Meistern Jan van Bijlerts um 1640 gemalte, bisher ebenfalls verschollene Holztafel „Junge Frau mit Pfeife“, die dem Utrechter Caravaggisten alle Ehre macht. Fast schon als Portrait legte Jan Adriaensz van Staveren 1648 seine „Eidechse auf einem Felsvorsprung“ an, die symbolisch für Wandel, Tod und Auferstehung steht (Taxe 22.000 bis 30.000 EUR). Simon Luttichuys lässt in seinem „Stillleben mit Weinglas, Akeleipokal und Obst“ dagegen die Pracht einer gedeckten Tafel aufleben und veranschaulicht seine Fähigkeiten, eine Beziehung zwischen dem Licht und den Oberflächen der Metalle, Flüssigkeiten und Textilien aufzubauen (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Noch bis in die 1970er Jahre wurde das Gemälde „Susanna und die alten Männer“ als eigenhändiges Werk Rembrandts geführt, dann wie nicht selten dem großen Barockmeister abgeschrieben. Nun steht sein ein Jahr jüngerer Werkstattkollege Jan Lievens hinter der dramatisch behandelten alttestamentlichen Vergewaltigungsszene, für die Lievens wohl auf dasselbe Aktmodell wie Rembrandt in seinem „Andromeda“-Gemälde zurückgriff (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Mit Salomon Koninck ist ein weiterer Maler aus dem Rembrandt-Umkreis bei Van Ham zugegen und stellt mit der Studierstube samt der „Berufung des Matthäus“ nun ein neutestamentliches Thema zur Verfügung (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).
Der um 1590 geborene Giuseppe di Guido war zwischen 1620 und 1640 in Süditalien und Neapel tätig. Das sieht man seinem aufblickenden heiligen Hieronymus mit Bibel und Totenschädel an, der wie sein weitaus bekannterer Kollege Jusepe de Ribera ebenfalls einen neapolitanisch geprägten realistischen Malstil pflegte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Schon in die Verspieltheit und die flüchtig summarische Malweise des italienischen Rokoko geht es mit Francesco Guardi, der diesmal aber nicht eine seiner typischen Venedig-Veduten, sondern die Pendants mit Blumenstillleben samt Weidenkorb, Früchten und Vögeln auf Felsen beisteuert (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Am Übergang zum 19. Jahrhundert ragt eine Zeichnung von Jakob Philipp Hackert heraus. Von seinen einsamen „malerischen Wanderungen“ in der Umgebung von Neapel brachte er 1785 den Blick auf das kleine Bergstädtchen Eboli mit, das sich im Hintergrund vor den Monti di Eboli erhebt, und reicherte das Blatt um eine Schafherde auf einer baumgesäumten Wiese und zwei lagernde Frauen mit Kind an (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).
Die Neueren Meister
Eine feine romantische Empfindung evoziert Johan Christian Dahls nächtliche Sicht auf den Hafen der norwegischen Küstenstadt „Larvik im Mondschein“, in den die beiden Rückenfiguren eines älteren Paars einführen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Bei Carl Spitzweg sind es dann zwei junge Mädchen in der Tracht des Loisach-Gebiets, die auf dem Hochplateau einer Alm in die Weite der dahinterliegenden Landschaft schauen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Als unwirklich schöne Frau hat Clemens Bewer 1867 seine „Loreley auf dem Felsen“ wiedergegeben, die starr von ihrer schroffen Klippe auf den Rhein hinabblickt, während sich hinter ihr schon Gewitterwolken zusammenbrauen, um die Schiffer ins Verderben zu stürzen (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR).
Liebevoll blickt hingegen „Bubi“ seit 1907 aus Franz von Stucks Portrait eines blonden Knaben mit rosigen Wangen, die zum Reinkneifen einladen (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Mit dem 1836 geborenen Ludwig von Gleichen-Rußwurm beteiligt sich einer der ersten deutschen Impressionisten an der Versteigerung, der sich 1899 in seinem „Bonnländer Teich“ mit zarten Reflexen auf der sanft bewegten Wasseroberfläche den heimatlichen Gefilden um Schloss Greifenstein im nördlichen Unterfranken zuwandte (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Als Impressionist gilt zudem Robert Hermann Sterl, der zwischen 1908 und 1914 mehrere Reisen nach Russland unternahm und dort besonders die Wolga aufsuchte. Sterls für 10.000 bis 20.000 Euro angebotene „Wolgaschiffer“ gehören zu seinem bevorzugten Themenkreis der Arbeitswelt, genauso wie seine „Steinbrecher“ beim Anheben eines riesigen Quaders im Steinbruch von 1926 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). 1910 verewigte Albert Weisgerber seine Künstlerkollegin Alexandra Korsakoff in einem modernen Zugriff und ließ sich über die Psyche ihrer Person nicht zuletzt durch die Farbwahl ihrer auffälligen Kleidung aus (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).
Das Kunsthandwerk
Die Auktion „Works of Art & Art Nouveau“ vom 15. Mai deckt bei Van Ham zahlreiche Sammelgebiete von Bronzen, Silber, Porzellan, Möbeln und Uhren bis hin zu Objekten des Jugendstils, Art Déco und des Designs aus dem 20. Jahrhundert ab und hat auch Ausgefallenes zu bieten. Dazu gehört etwa ein Pistolenpaar mit Perkussionsschloss aus der Werkstatt von Wilhelm Maximilian Hanau aus Gera, der Hofbüchsenmacher am fürstlichen Haus Reuß war. Als Besitzer weist sich durch das Monogramm auf den beiden kunstvoll gearbeiteten Waffen Fürst Heinrich LXXII. Reuß zu Lobenstein und Ebersdorf aus, der als Schöpfer des Wortes „Prinzipienreiter“ gilt (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). In adeligen Kreisen bleibt es mit einem imponierenden Münzhumpen der Frankfurter Silberwarenmanufaktur Eduard Schürmann & Co., der im Rahmen der Hochzeit von Elisabeth von Hessen-Rumpenheim mit Leopold von Anhalt-Dessau im Mai 1884 auf Schloss Philippsruhe in Hanau an den Reisemarschall Ferdinand von Steuber überreicht wurde (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Feiner ist dagegen ein norddeutscher oder baltischer Deckelhumpen um 1650, der mit seinen fantasievollen Reliefstrukturen im Knorpelstil und den Kartuschen großen gravierten Figuren noch dem Geschmack der späten Renaissance folgt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). In dieser Zeit fertige Jeremias Bichler in Graz eine horizontale Tischuhr mit floralen Gravuren und aufgelegten silbernen Cherubimsköpfen, die von seiner technischer Raffinesse zeugt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Dass dieses Uhrmodell auch Jahrzehnte später noch in Mode war, beweist ein um 1700 mit sichtbarem Uhrwerk gefertigtes Exemplar von Johann Heinrich Wagner aus Pirna, den August der Starken 1729 mit der Ausführung mehrerer Uhren beauftragte, die im Rahmen einer Lotterie Dresdner Hof zu gewinnen waren (Taxe 9.000 bis 11.000 EUR). Uhrmacherkunst und dekorativer Einrichtungsgegenstand verbinden sich in der fast einen Meter hohen monumentalen Bronzependule, die Jean-Joseph Lepaute zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Figur der Urania und einem drehbaren Planetarium ausstattete (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).
Bei der französischen Möbelkunst des 18. Jahrhunderts machen Etienne Clavels wohl proportionierte Kommode mit rechteckigen Feldern aus Palisander und Satinholz und markanten Bronzebeschlägen um 1740/50 (Taxe 7.500 bis 8.500 EUR) und ein kleiner, wenige Jahr zuvor entstandener Secrétaire en pente für die Dame auf sich aufmerksam, der möglicherweise im heute weitgehend zerstörten Gut Iljinskoe bei Moskau stand (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ein um 1760 aufwendig gearbeiteter, reich mit Blattranken marketierter Schrank mit gesprengtem Giebel und figurativen Szenen einer Wildschwein- respektive Hirschjagd weist dann nach Schleswig-Holstein und ist mit 15.000 bis 20.000 Euro nicht zu hoch veranschlagt. Von Joseph Maria Olbrich kommt ein komplettes Ameublement in Jugendstilformen zum Aufruf. Aufgeteilt auf mehrere Posten, verlangt der Vitrinenschrank 3.000 bis 4.000 Euro, das Sofa nur 500 bis 800 Euro.
Das Porzellan schlägt ebenfalls einen Bogen von einem barocken sitzenden Pagoden der Meißner Manufaktur um 1720/25 bis zu Stücken aus dem Jugendstil, darunter einer von Anton Puchegger 1909 entworfenen und 1929 bei KPM in Berlin ausgeführten Gruppe mit zwei Elefanten auf einem Bambussockel (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR) oder den beliebten Eierschalenporzellanen der Haagschen Plateelbakkerij Rozenburg, etwa Samuel Schellinks quadratischer Vase mit Kornblumen und Ähren (Taxe 1.500 bis 1.700 EUR). Für die passende Beleuchtung sorgen die Daum Frères mit ihrer Tischlampe samt Magnolienblüten und -zweigen in rot-violetten Tönen (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR) und Emile Gallé mit einer weiteren Leuchte, die sich durch einen Dekor einer Alpenlandschaft mit fliegenden Adlern auszeichnet (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Das moderne Design repräsentiert eine nordrhein-westfälische Privatsammlung mit sechszehn Vasen und Objekten aus der venezianischen Glasmanufaktur Venini. Hier treffen drei große, blau leuchtende Vasen des Architekten Tadao Ando in geradezu skulpturalem Auftreten von 2011 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) auf verspielte Kreationen, wie Emmanuel Bableds transparente Vase „Buttons“ von 2000 mit tomatenroten Wülsten (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) oder Flo Perkins’ Glasobjekt „Cactus“ von 2008 aus der „Desert Collection“ (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).
Die Auktion „Works of Art & Art Nouveau“ beginnt am 15. Mai um 11 Uhr, am 16. Mai ab 15 Uhr die „Fine Art“. Die Internetkataloge listen die Objekte unter www.van-ham.com. |