Unbekanntes Sammlerpaar in Berliner Liebermann-Villa  |  | Alfred Sisley, La Seine à Argenteuil, 1872 | |
Mit einer Ausstellung zu dem jüdischen Sammlerpaar Felicie und Carl Bernstein widmet sich die Liebermann-Villa in Berlin derzeit Schlüsselfiguren der Kunstszene des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die den Grundstein für die Etablierung des französischen Impressionismus im kaiserzeitlichen Preußen legten. Die Schau will laut Museumsdirektorin Evelyn Wöldicke die kulturelle Relevanz der Bernsteins zurück in das kulturelle Gedächtnis holen: „Ihre Geschichte steht exemplarisch für das weltoffene und wesentlich von jüdischen Akteuren mit gestaltete Kulturleben in Berlin. Die Ausstellung beleuchtet ein weitgehend vergessenes Kapitel der Kulturgeschichte, das heute im Berliner Stadtbild kaum noch sichtbar ist.“
Felicie und Carl Bernstein stammten aus gut situierten Familien des Russischen Reichs und gelten als die ersten Sammler des französischen Impressionismus in Deutschland. Im Sommer 1882 brachten sie eine Gruppe impressionistischer Bilder von Paris nach Berlin, darunter Gemälde von Claude Monet, Edouard Manet, Alfred Sisley und Camille Pissarro. Ein Jahr später ermöglichten sie eine erste öffentliche Ausstellung mit Arbeiten dieser Maler in der Kunsthandlung von Fritz Gurlitt. Außerdem veranstalteten die Bernsteins in ihrem Haus im Tiergartenviertel einen wöchentlichen Salon, bei dem Max Liebermann, Max Klinger, Reinhold und Sabine Lepsius sowie die Museumsdirektoren Hugo von Tschudi, Alfred Lichtwark und Wilhelm Bode zu den regelmäßigen Gästen zählten. Ihr Haus galt vielen Protagonisten aus Kultur und Wissenschaft als ein inspirierender Ort geistiger Freiheit, in dem Ansichten aus aller Welt in kultureller Offenheit aufeinander trafen. Nach dem Tod von Carl Bernstein im Jahr 1894 ließ seine Frau den Salon wieder aufleben. Als Felicie Bernstein 1908 starb, wurde die wertvolle Sammlung schließlich aufgelöst und ist heute von Philadelphia bis Tokio über die ganze Welt verteilt.
Mit Fotos, Dokumenten und vor allem den Kunstwerken lassen die beiden Kuratorinnen Emily D. Bilski und Chana Schütz die versunkene Welt der Bernsteins wieder aufleben. Zu den Highlights ihrer Präsentation zählen Sisleys Frühlingslandschaft „La Seine à Argenteuil“ aus dem Jahr 1872, die heute in einer US-amerikanischen Privatsammlung beheimatet ist, oder Manets Hafenszene „Le départ du bateau de Folkestone“ von 1869, eine Leihgabe aus dem Philadelphia Museum of Art. Von Max Klinger stammt die Kaltnadelradierung „Tjou-Tjou“, das Bildnis eines Hundes von 1882, der von einer Hand hochgehalten wird und auch das Plakat der Ausstellung schmückt. Die Portraits der Eheleute, darunter das „Bildnis Prof. Dr. Carl Bernstein“ von Max Liebermann aus dem Jahr 1892 und eine Fotografie von Felicie Bernstein als Braut, sind ebenfalls in Berlin zu sehen. Liebermann selbst war beeindruckt von der Sammelleidenschaft des Paares: „In der Sammlung befanden sich die schönsten Stillleben Manets vor allem aber wundervolle Claude Monets, darunter das berühmte Champs de coquelicots, das Frau Bernstein mir hinterlassen hat, weil ich das Bild stets besonders bewundert habe.“ Auch dieses Gemälde Monets aus dem Jahr 1875 wird in der Schau gezeigt, doch nur als Reproduktion, da sein Standort nicht ausfindig zu machen war.
Die Ausstellung „Berlin. Cosmopolite – Die versunkene Welt von Felicie und Carl Bernstein“ läuft bis zum 8. September. Die Liebermann-Villa hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er kostenlos. Begleitend erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag, der für 34,90 Euro im Museumsshop erhältlich ist.
Liebermann-Villa
Colomierstraße 3
D-14109 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 80 58 59 00 |