Arnaldo Pomodoro gestorben  |  | Italien trauert um Arnaldo Pomodoro | |
Arnaldo Pomodoro ist tot. Der italienische Bildhauer starb gestern am Vorabend seines 99. Geburtstags in seinem Haus in Mailand. Das gab der italienische Kulturminister Alessandro Giuli bekannt, der den Künstler als einen unumstrittenen und anerkannten Protagonisten der zeitgenössischen Bildhauerei würdigte. Pomodoros aufgerissene und verwundete „Sphären“ sprächen noch heute zu uns von der Zerbrechlichkeit und Komplexität des Menschen und der Welt, so Giuli. Internationale Bekanntheit erlangte Pomodoro in den 1960er Jahren mit seinen Metallskulpturen in stereometrischen Grundformen, deren glatte Oberfläche er aufriss und somit den Betrachter*innen einen Blick in das Innere seiner Werke gewährte. Als Dreieck, Kreis, Rechteck, Spirale, Säule, Kubus und immer wieder als Kugel, als „Sfera“, gestaltet, gab Pomodoro ihnen damit eine futuristische Anmutung, in der sich die Begeisterung jener Epoche für die Raumfahrt spiegelt.
Zur Welt kam Arnaldo Pomodoro am 23. Juni 1926 in Morciano di Romagna südöstlich von Rimini und studierte von 1949 bis 1951 zunächst Bühnengestaltung an der Kunstakademie von Pesaro. Anschließend entwarf er Bühnenbilder und Kostüme und begann, zusammen mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Giò Pomodoro als Goldschmied zu arbeiten. Bald kamen sie mit den führenden Kunstkreisen der italienischen Nachkriegsmoderne in Kontakt und gehörten zusammen mit Piero Dorazio, Gastone Novelli, Giulio Turcato, Tancredi, Achille Perilli und Lucio Fontana zur Künstlergruppe „Continuità“. Mit seinen Werken, die sich der Kunstrichtung des Spazialismo, der Öffnung der Kunst hin zum Raum, zuordnen lassen und die er aus Silber, Eisen, Bronze, Holz, Beton und Gold fertigte, nahm Arnaldo Pomodoro 1959 an der Documenta 2 in Kassel teil und stieß dadurch auf internationale Anerkennung. Es folgten Ausstellungen seiner Kunst in Paris, Japan, Florenz, New York, 1988 die Teilnahme an der Biennale von Venedig oder an der Weltausstellung in Brisbane.
Zudem konnte Arnaldo Pomodoro seine Skulpturen an zahlreichen öffentlichen Plätzen installieren. Sie stehen etwa vor dem Guggenheim Museum und auf der United Nations Plaza in New York, dem Hirshhorn Museum in Washington D.C., vor dem Trinity College der Universität Dublin, vor dem italienischen Außenministerium in Rom, im Cortile della Pigna der Vatikanischen Museen oder vor dem Museum der Schönen Künste in Caracas. In Deutschland konnte Pomodoro seine „Große Scheibe“ 1971 vor dem damaligen Gewerbemuseum in Nürnberg präsentieren, an der Volkshochschule Köln 1964 das Fassadenrelief „Große Huldigung an das technische Zeitalter“ installieren oder sich 1999 mit seiner „Asta cielare VI“ am „Wald der Skulpturen“ des Genfer Kunstsammlers Simon Spierer beteiligen, der heute im Hessischen Landesmuseum Darmstadt aufgebaut ist.
Immer wieder nahm Arnaldo Pomodoro auch seine Arbeit als Szenograf auf und gestaltete etwa 1972 das Bühnenbild für Kleists „Käthchen von Heilbronn“ in Zürich, zehn Jahre später die Ausstattung für Rossinis Oper „Semiramide“ am Teatro dell’Opera in Rom oder 2005 für Verdis „Un ballo in maschera“ am Opernhaus Leipzig. Für sein Schaffen wurde Pomodoro mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, schon 1963 mit dem Internationalen Preis für Skulptur der Biennale von São Paulo, ein Jahr später mit dem Preis für Skulptur bei der Biennale von Venedig oder 1990 mit dem Praemium Imperiale für Skulptur, dem „Nobelpreis der Künste“ der Japan Art Association. Zudem überreichte ihm die Italienische Republik 1996 ihren Verdienstorden und 2005 die Medaglia d’oro ai benemeriti della cultura e dell’arte, und die Universität von Ancona und das Trinity College in Dublin verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. |