Arp Museum stellt Künstlergruppe „Abstraction-Création“ vor  |  | Mainie Jellett, A Composition, 1930er Jahre | |
Mit der Schau „Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck widmet sich seit fast 50 Jahren wieder ein Museum in Deutschland dieser Künstlergruppe. Zuletzt wurde sie 1978 im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster gewürdigt. Gegründet wurde die Gruppe auf Initiative Georges Vantongerloos unter anderem von Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp, Theo van Doesburg und Antoine Pevsner 1931 in Paris. Nach gerade mal sechs Jahren löste sich die Vereinigung 1937 aufgrund von Streitigkeiten und fortwährender Erfolglosigkeit wieder auf. Jenseits etablierter Galerien und Salons wollten sich die Künstler*innen einen bislang nicht vorhandenen Markt für ungegenständliche Kunst erschließen. Zusammen mit Kritikern, Verlegern, Schriftstellern und Sammlern einte die Maler, Bildhauer und Architekten das Bestreben, einen gesellschaftlichen Neubeginn durch die Abwendung vom Illusionismus hin zur Abstraktion zu befördern. Diese verstanden sie als Verkörperung des Freiheitsgedankens, Vielfalt von Nationen und Geschlechtern sowie Ungezwungenheit im künstlerischen Ausdruck. Allgemeiner Hintergrund waren die gesellschaftlichen Umbrüche, etwa das Aufblühen faschistischer Ideologien, denen die Abstraktion entgegengesetzt werden sollte.
Kuratorin Astrid von Asten greift speziell die generationen- und länderübergreifende Vernetzung der Gruppe auf, die weit über die Grenzen Frankreichs hinaus wirkte. Zu Hochzeiten der Bewegung gehörten ihr über 90 heute überwiegend prominente Künstlerinnen und Künstler aus 20 Ländern an, von denen Asten rund 70 Werke, unter anderem von Jean Gorin, Robert Delaunay, Mainie Jellett, Marlow Moss, Max Bill, Paule Vézelay, Bart van der Leck, László Moholy-Nagy oder Friedrich Vordemberge-Gildewart, für die Ausstellung ausgewählt hat. Hinzu kommen Gegenwartspositionen von sieben Künstlern, um die Relevanz für das heutige Kunstgeschehen aufzuzeigen. Zwei konkurrierende und teils erbittert streitende Richtungen innerhalb der Gruppe versuchten, gegen den bildgewaltigen Surrealismus anzugehen: Klare Linien, kaleidoskopartige Formenspiele, elementare Formen lassen etwa in Bildern Piet Mondrians oder Theo van Doesburgs strenge elementare Gestaltungen erkennen. Georges Vantongerloo nahm sogar mathematische Formeln als Bezugspunkt her. Dieser „Création“ stand die „Abstraction“ gegenüber, die Naturformen abstrahierte.
Weniger doktrinär und nicht auf reine Lehren ausgerichtet sind etwa die Werke des Grenzgängers Hans Arp in der Form seiner „Geschwungenen Pagodenfahrt auf Schale“ oder die „Vertikale Komposition“ von Sophie Taeuber-Arp, ganz abgesehen von den poetischen und um den Faktor der Bewegung erweiterten Arbeiten Alexander Calders. Hinzu kommen Dokumente oder Publikationen der Gruppe, die vom theoretischen methodischen Diskurs sowie von Ausstellungen, Literatur- und Diskussionsveranstaltungen zeugen, mit denen man sich eine größere Breitenwirkung erhoffte. Viele der Künstler*innen waren nach dem Zweiten Weltkrieg in einem neu ausgerichteten dynamischen Kunstmarkt und im Rahmen einer internationalen Kunstentwicklung unter dem Vorzeichen der Abstraktion als Weltsprache erfolgreich. Die Spannbreite der Abstraktion, deren außergewöhnliche Vielfalt und die Internationalität versucht die Ausstellung nun zu vermitteln.
Die Ausstellung „Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931-1937“ ist bis zum 11. Januar 2026 zu besichtigen. Das Arp Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 38 Euro kostet.
Arp Museum
Hans-Arp-Allee 1
D-53424 Remagen
Telefon: +49 (0)2228 – 94 250 |