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Die geballte Macht der Ruhrkunstmuseen: Die Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“ in der Essener Villa Hügel zeigt einen sorgsam kuratierten Querschnitt aus 21 Museumssammlungen

Wir sind viele



in der Villa Hügel ist derzeit die Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“ zu sehen

in der Villa Hügel ist derzeit die Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“ zu sehen

Sie ist nicht entfernt so anmutig und elegant wie eine perfekt durchkomponierte Palladio-Villa im Veneto, aber aufgrund ihrer schieren Größe beeindruckend: die zwischen 1870 und 1873 errichtete Villa Hügel in einem 28 Hektar großen Park im Essener Stadtteil Bredeney. Gelegen auf einer Anhöhe über der Stadt, gilt die großbürgerliche Wohnanlage als Paradebeispiel für das Repräsentationsbedürfnis wirtschaftlich erfolgreicher „Ruhrbarone“ des 19. Jahrhunderts. Der Stahlmagnat Alfred Krupp (1812-1887) hat den im damaligen Deutschland größten bürgerlichen Wohnkubus im Wesentlichen selbst entworfen – leider mit eher ungelenker Hand und gegen den ausdrücklichen Rat hinzugezogener Architekten.


Dennoch: Herausgekommen ist ein zwar klobiger, aber immerhin 399 Räume auf 11.000 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche umfassender Bau, der der Familie Krupp über vier Generationen hinweg als Wohnsitz, aber auch als Ort der Repräsentation diente. Die Geschichte der insbesondere auch durch die Rüstungsproduktion reich gewordenen Familie weist viele dunkle Kapitel auf. So wurden während des Nationalsozialismus wohl in keinem anderen deutschen Unternehmen so viele Zwangsarbeiter ausgebeutet wie bei Krupp.

1954 wurde die Villa von den Nachkommen der Krupps einer gemeinnützigen Stiftung übereignet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem fanden hier immer wieder groß angelegte Ausstellungen statt, die ein überregionales Publikum anlockten, etwa 1992 „Metropole London“, 2002 „Sinn und Sinnlichkeit“ zum flämischen Stillleben, 2016 „Katharina Fritsch“ und 2018 „Josef Albers“. Wohl kaum ein anderer Ort im Ruhrgebiet könnte daher als Schauplatz für die Sonderausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“ geeigneter erscheinen als die geschichtsträchtige Villa im Essener Süden. Noch bis Ende Juli präsentieren die 21 Museen, die dem Netzwerk RuhrKunstMuseen angehören, hier im Rahmen eines städteübergreifenden Projekts eine hochkarätige Auswahl ihrer Schätze.

Das Konzept, das der nicht alltäglichen Schau zugrunde liegt, lautet: Impuls und Reaktion. Jedes Museum hat für die Ausstellung ein Impulswerk ausgesucht. Das war nicht unbedingt immer das berühmteste, beliebteste oder wertvollste Werk aus der Sammlung, sondern oft auch eine Arbeit, die den jeweiligen Sammlungsschwerpunkt repräsentiert oder aber aufgrund ihrer formalen oder inhaltlichen Radikalität geradezu eine Reaktion herausfordert. Anschließend waren die Teams der anderen Häuser aufgerufen, mit einer Arbeit aus den eigenen Beständen darauf zu reagieren. Rein theoretisch stand die gesamte Bandbreite der rund 500.000 Objekte in den Museen des Netzwerkes zur Verfügung. So kamen zunächst etwas mehr als 400 Werke zusammen, die nur in der online verfügbaren Version der Ausstellung vorgestellt werden. Für die Museumsschau wurden rund 100 Werke verschiedener Gattungen und Medien ausgewählt und in zehn Themenräumen zusammengestellt.

Zum Hintergrund: Im Zuge der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 wurde das Museumsnetzwerk RuhrKunstMuseen gegründet. Heuer wird somit das fünfzehnjährige Jubiläum dieser Kooperation der 21 Museen zwischen Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe gefeiert. Bei der großen Sonderschau in der Villa Hügel handelt es sich um ihre erste gemeinsame Ausstellung, zu der erstmals alle Häuser Highlights ihrer Sammlungen beitragen. Ein neunköpfiges Kurator*innenteam unter der Leitung von Regina Selter vom Museum Ostwall in Dortmund und Peter Gorschlüter vom Essener Museum Folkwang hat das Konzept der Schau, deren inhaltlicher Schwerpunkt laut Selbstbeschreibung in einem „Dialog der Epochen, Stile und Techniken“ besteht, über eine Vorbereitungszeit von vier Jahren erarbeitet.

Doch es gibt auch einen historischen Vorläufer des Mammutprojekts. 1963 fand im Rahmen der Ruhrfestspiele in der Kunsthalle Recklinghausen die Ausstellung „Gesammelt im Ruhrgebiet“ statt. Sie lieferte gerade einmal 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen profunden Überblick über die institutionellen, aber auch privaten Sammlungsbestände der Region anhand von Objekten aus über 3.000 Jahren Kunst- und Kulturgeschichte. Die Palette reichte damals von antiken Exponaten aus Ägypten bis hin zu Werken zeitgenössischer Künstler wie HAP Grieshaber oder Josef Albers.

Doch zurück zur aktuellen Präsentation. Am Beginn des Parcours stehen Aspekte der Darstellung von Weiblichkeit: von der reduktionistisch-idealisierten Skulptur „Große Sinnende“ bei Wilhelm Lehmbruck aus dem Jahr 1913, über Gerhard Richters malerische Beschäftigung mit der Filmdiva Brigitte Bardot bis hin zur Demontage des männlich dominierten Blicks am Beispiel einer großen Arbeit aus der minimalistischen Herdplatten-Serie von Rosemarie Trockel. Im Themenraum „Fenster zur Welt“ werden alpine Landschaften von Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky oder Gabriele Münter mit Impressionen aus dem Ruhrgebiet in einen Dialog gesetzt, so zum Beispiel mit einer aus der Ludwig Galerie Oberhausen stammenden Schwarz-Weiß-Aufnahme des bekannten Ruhrgebietsfotografen Rudolf Holtappel von 1962 mit einer „Schneelandschaft bei Gelsenkirchen“. Im Hintergrund sind qualmende Schlote zu sehen. Passend dazu hängt nebenan die großformatige Fotografie „Coal Seam, Bergwerk Prosper-Haniel 4“ des kanadisch-amerikanischen Becher-Schülers Miles Coolidge aus dem Josef Albers Museum in Bottrop.

Unter der Überschrift „Dynamik“ sind in einem weiteren Raum dann Aspekte der Mobilität und die Engmaschigkeit des Straßen- und Autobahnnetzes im Ruhrgebiet zusammengefasst. So wird etwa die aus dem Museum Küppersmühle in Duisburg stammende Aufnahme einer großen Autobahnhochbrücke von Hans-Christian Schink, wie sie auch für das Ruhrgebiet typisch ist, der Installation „Zeit ist keine Autobahn – Basel“ von Michael Sailstorfer aus der Kunsthalle Recklinghausen gegenübergestellt. Ein an einer Wand rotierender Autoreifen hinterlässt hier ein stetig anwachsendes Häuflein Gummiabrieb. Anton Stankowskis Fotografie von Spuren im Schnee aus den 1930er Jahren aus der Sammlung der Ruhr-Universität Bochum und eine Lithografie von Katharina Grosse mit übereinander gelagerten, gestischen Farbapplikationen aus dem Kunstmuseum Mülheim ergänzen die gelungene Zusammenstellung. Ideen von Vergänglichkeit und Beständigkeit, Mobilität und Stillstand stehen in diesem Themensektor in einem spannungsvollen Austausch.

Die Intimität privater Räume wird dann unter dem Label „Lebenszeichen“ beleuchtet. Timm Ulrichs’ fünfzigteilige Fotoserie „Die Welt im Wohnzimmer“ von 2009 aus dem Museum Ostwall begibt sich auf eine ironische Entdeckungsreise durch private Wohnzimmer. Fotografiert hat der Konzeptkünstler jeweils ein eingeschaltetes Fernsehgerät und den darauf abgestellten, teils banalen, teils kitschigen Krimskrams. Kombiniert wird diese Serie mit der skulpturalen, 1963 entstandenen Arbeit „TV“ aus dem Skulpturenmuseum Glaskaten Marl, das Gehäuse eines Fernsehgeräts, in das Günther Uecker zahlreiche, dicht nebeneinander angeordnete Nägel gehämmert hat. Weibliche Ausbruchsversuche aus den Fesseln der Häuslichkeit demonstriert Nan Goldins aus dem Museum Folkwang stammende Aufnahme mit dem Titel „Lil Laughing, Swampscott, MA“, die 1996 ihre Mutter auf dem Ehebett sitzend und exaltiert lachend zeigt. Die Fotografie „Magnify BWS 1224 (Woman with a Spyglass)“ der 1989 geborenen Christopher Williams-Schülerin Morgaine Schäfer aus der Kunsthalle Recklinghausen thematisiert die selbstbewusste Erweiterung des weiblichen Blicks, in diesem Fall mit Hilfe eines Fernglases. Auch hier ist die Protagonistin die Mutter der Künstlerin, denn Schäfer arbeitet mit dem Fotoarchiv ihrer Familie und den Bildern, die ihr Vater in den 1970er und 1980er Jahren angefertigt hat.

Zu den Highlights zählen eine rund drei auf sieben Meter große Fotomontage der polnischen Konzeptkünstlerin Zofia Kulik mit dem Titel „Wer erobert die Welt“ von 1994 aus dem Kunstmuseum Bochum oder Alicja Kwades „Selbstporträt als Geist“ von 2019 aus der Sammlung des Lehmbruck Museums in Duisburg. Beide sind im letzten Raum der Schau mit dem Titel „Tradition im Wandel“ zu sehen. Die Leitgedanken der zehn Themenräume wirken teilweise etwas beliebig und weit hergeholt. Einige sind sogar geklaut: „Arbeit und Struktur“ nach dem autobiografischen Buch von Wolfgang Herrndorf oder „Bild der Frau“ nach der bieder-konservativen Frauenzeitschrift. Etliche Werke könnten auch in mehreren Kontexten gleichzeitig untergebracht werden. Und in der heutigen Zeit ist es eher unüblich, dass die Saaltexte und Bildlegenden nur in deutscher Sprache verfasst sind. Doch immerhin gibt es ein englischsprachiges Begleitheft.

Insgesamt bietet die Essener Ausstellung ihren Besucher*innen aber die einmalige Chance, ein Best-of aus den 21 Sammlungen in neuer und oft fesselnder Interaktion zu erleben. Sie stellt zudem einen idealen Einstieg für Interessierte dar, die einzigartige Museumslandschaft zwischen Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe auf eigene Initiative zu erschließen. Daher auf nach Bochum, Bottrop, Duisburg, Hagen oder Gelsenkirchen. Um die Bestände der über das ganze Ruhrgebiet verstreuten Museen zu erkunden, bedarf es einer gewissen Ausdauer und Planung. Doch die Neugier auf neue Entdeckungen wird belohnt.

Die Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“ ist bis zum 27. Juli zu besichtigen. Die Villa Hügel hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Zur Ausstellung liegt ein Magazin für 7 Euro vor.

Kontakt:

Kulturruhrstiftung Ruhr - Villa Hügel Essen

Hügel 15

DE-45133 Essen

Telefon:+49 (0201) 61 62 90

Telefax:+49 (0201) 61 62 911

E-Mail: office@villahuegel.de

Startseite: www.villahuegel.de

www.21x21.de



11.07.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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11.04.2025, 21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel

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Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

in der Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

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August Macke, Modes: Frau mit Sonnenschirm vor Hutladen, 1914

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Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

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Ernst Ludwig Kirchner, Herbstlandschaft bei Davos, 1936

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in der Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

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Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

in der Ausstellung „21 x 21. Die RuhrKunstMuseen auf dem Hügel“

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