Trauer um Peter Phillips Der britischen Pop Art-Pionier Peter Phillips ist tot. Seine Familie gab mit tiefer Trauer sein Ableben bekannt und teilte mit, dass er am 23. Juni in Australien friedlich und im Kreise seiner Lieben gestorben sei. Er wurde 86 Jahre alt. Phillips, geborenen 1939 in Birmingham, besuchte dort zunächst die Moseley School of Art, wo er Unterricht in Malerei, Werbetechnik, Grafikdesign und technischem Zeichnen hatte, von 1955 bis 1959 dann das Birmingham College of Art, ehe er an das Royal College of Art in London wechselte und dort unter anderem David Hockney, Allen Jones und R.B. Kitaj kennenlernte. Mit ihnen und Derek Boshier sowie Patrick Caulfield organisierte er 1961 noch während seines Studiums die Ausstellung „Young Contemporaries“, die mit ihrer aus Werbung, Autodesign, Alltag, Science Fiction-Comics, Filmen und Büchern entnommenen Motivwelt als Initial der Pop Art-Bewegung in Großbritannien gilt. Die Times schrieb damals: „Unter den Gemälden fällt auf, dass die Abstraktion, insbesondere die improvisierte Abstraktion amerikanischer Prägung, ‚out‘ ist und dass ein neuer, mit den Zeichen, Slogans und dem bissigen Humor des Großstadtlebens gewürzter Stil, der vor allem vom Royal Collage of Art ausgeht, ‚in‘ ist. Mr. Phillips ist mit seinen farbenfrohen symbolhaften Reminiszenzen an Flipperautomaten und Spielhallen ihr Hauptvertreter.“
Auch in Ken Russells Film „Pop Goes the Easel“ aus dem Jahr 1962 sieht man einen selbstbewussten 22jährigen Phillips, der sein Atelier im Westen Londons betritt, wo eine Frau mit einem Flipperautomaten spielt. Während der Flipper klappert, schwenkt die Kamera auf Phillips’ Gemälde „The Entertainment Machine“ von 1961. Mit seinen mechanischen Teilen, Zielscheiben und Klaviertasten in kräftigen Farben steht das Werk für die neue Ästhetik der 1960er Jahre. Mitte dieses Jahrzehnts reiste Peter Phillips mit einem Harkness-Stipendium nach New York, stellte mit amerikanischen Pop Art-Größen wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein und James Rosenquist aus und tourte mit Allen Jones durch die USA. Sein Schaffen wurde 1963 auf der Biennale de Paris präsentiert. Ein Jahr später nahm er bei die epochemachende Ausstellung „Nieuwe Realisten“ im Gemeentemuseum in Den Haag teil, die anschließend nach Wien und Berlin reiste.
Erste größere Soloausstellungen seiner Kunst, in der auch Pin-up Girls auf geometrische Muster, Alltagsgegenstände auf Tiere oder Autos auf Werkzeugteile treffen und zu collageartigen Kompositionen amalgamieren, gab es in den 1970er Jahren unter anderem in der Londoner Tate Gallery und im Westfälischen Kunstverein in Münster. Als unsteter Geist zog Phillips dann nach Zürich, von dort nach Mallorca, arbeitete auch als Filmemacher, erwarb 2008 Land in Costa Rica und ließ sich 2015 in Australien nieder, wo er mit seiner Tochter Zoe Phillips-Price lebte und eine Galerie eröffnete. Seine Familie will nun die Peter Phillips Foundation gründen, die vor allem junge Künstler*innen mit Stipendien und Residenzprogrammen unterstützen soll. Da sich Peter Phillips keinen traditionellen Abschied wünschte, soll Ende August in seiner Galerie in Noosa nördlich von Brisbane eine Feier zu Ehren seines Lebens stattfinden. |