Brigitte Kowanz in der Wiener Albertina Heute eröffnet die Albertina in Wien ihre Schau „Light is what we see“ und würdigt Brigitte Kowanz mit dieser ersten Retrospektive nach ihrem Tod. Für die im Januar 2022 verstorbene Künstlerin war das Licht das zentrale Arbeitsmaterial, das sie nicht nur als Medium betrachtete, sondern auch als Erkenntnisraum und als immateriellen Code für das Sichtbare wie das Unsichtbare unserer Gegenwart. „Mein Interesse besteht darin, Möglichkeiten zu schaffen, in denen sich das Licht in seinen zahlreichen Erscheinungsformen und Facetten zeigen kann“, sagte Kowanz zu Lebzeiten. Ihr künstlerisches Werk konzentriert sich auf diese Visualisierung von Immaterialität, Flüchtigkeit und der Grenzenlosigkeit des Lichts. Für die Ausstellung haben die Kurator*innen Angela Stief und Adrian Kowanz 88 Werke ausgewählt, darunter auch frühe Polaroid-Fotografien, die Kerzen, Heiligenscheine sowie das Spiel von Licht und Schatten zeigen, und modulare Objekte, die Kowanz in Zusammenarbeit zwischen 1979 und 1984 mit ihrem Partner Franz Graf gestaltete.
Licht ist paradoxerweise ein Medium, das alle anderen Dinge sichtbar macht, bleibt selbst jedoch meist unsichtbar. In ihren Arbeiten legt Kowanz den Fokus darauf, dieses Licht sichtbar zu machen, und verwendet in dem Leuchtschriftbild „Light is what we see“ orangefarbene Glimmlampen, um diesen Satz mit einzelnen leuchtenden Buchstaben in Sprache darzustellen. Der sichtbare Fluss der Worte hängt von der Energiequelle des Lichts im dunklen Ausstellungsraum ab, wodurch Sprache und Licht miteinander verbunden sind und sich gegenseitig sichtbar machen.
Die 1957 geborene Brigitte Kowanz nahm seit Anfang der 1980er Jahre Elemente der New Wave-Musik, der Punk-Attitüde und der Underground-Kultur in ihre Kunst auf und zeigte Interesse an den virtuellen Welten experimenteller Filme und Videokunst ihrer Zeit. Kowanz beschäftigte sich mit Zuständen, die sich nicht eindeutig definieren lassen, und interessierte sich für Übergänge, Zwischenräume und Ambivalenzen. In ihrer Kunst legte sie den Schwerpunkt auf die Erweiterung eines Werks in die Dreidimensionalität, auf immersive Installationen sowie die Beziehung von Licht, Sprache, Codes, Raum und Zeit. Zu diesem Zweck nutzte sie verschiedene Lichtquellen wie Leuchtstoffröhren, Glühbirnen, LEDs, Neon und Monitore.
In dem Werk „Light Steps“ von 1990 strukturiert Brigitte Kowanz den Raum durch Licht. Dabei greift sie die Tradition minimalistischer Künstler der 1960er Jahre auf und verwendet Leuchtstoffröhren als Material. Anstatt den Ausstellungsraum mit Objekten, Installationen oder Malereien zu füllen, verändert sie die vorhandene Beleuchtung der Galerie so, dass die violetten Leuchtstoffröhren wie eine imaginäre Treppe von der Decke hängen. Dadurch verschwindet die funktionale Struktur der Treppe im leeren Raum. Ihre Installation „www“ von 2017 basiert auf den Grundelementen Licht, Sprache und Spiegel. Im Zentrum des Werks steht eine Lichtschlange mit zwei verschlüsselten Zahlenreihen, die sich wiederholt drehen und die wichtigsten Daten der Internetgeschichte zusammenfassen. Das erste Datum ist der 12. März 1989, an dem das Internet erstmals im europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf vorgestellt wurde, das zweite Datum der 6. August 1991, an dem das Internet weltweit zugänglich gemacht wurde. Diese Daten visualisiert Kowanz in Morsezeichen und hebt somit hervor, dass der Morsecode ein früher binärer Code und Vorläufer der digitalen Welt ist, mit dem durch Lichtgeschwindigkeit erstmals eine Kommunikation über lange Distanzen möglich wurde.
Die Ausstellung „Brigitte Kowanz. Light is what we see“ läuft vom 18. Juli bis zum 9. November. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 19,90 Euro, ermäßigt 15,90 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet im Museum 32,90 Euro.
Albertina
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