Auguste Herbin im Münchner Lenbachhaus  |  | in der Ausstellung „Auguste Herbin“ | |
Das Lenbachhaus in München veranstaltet aktuell eine Ausstellung zu Auguste Herbin. Dafür hat Kuratorin Susanne Böller rund 50 Gemälde sowie dokumentarisches Material ausgewählt und präsentiert zentrale Aspekte im vielgestaltigen Kunstkosmos des französischen Malers, der vom Postimpressionismus bis zur farbbetonten geometrischen Abstraktion reicht. „Je abstrakter die Kunst ist, desto mehr drückt sie Persönlichkeit aus, je mehr die Persönlichkeit sich hingibt, desto mehr identifiziert sie sich mit der Menschheit“, schrieb Herbin Mitte der 1920er Jahre zur Wohnungseinweihung dem Kunsthändler Léonce Rosenberg ins Gästebuch, für den er das Raucherzimmer luxuriös mit sechs großformatigen Gemälden ausgestattet hatte.
Auguste Herbin wurde 1882 im französischen Cateau-Cambrésis nahe der belgischen Grenze geboren. Seine Eltern arbeiteten beide in einer örtlichen Textilfabrik. Er studierte an der Kunstakademie in Lille und war während des Ersten Weltkriegs im Bereich der angewandten Kunst tätig, indem er Tarnbemalungen für Flugzeuge entwarf. Seine künstlerische Laufbahn begann Herbin mit Landschaften, Stillleben und Porträts im Stil des Postimpressionismus. Sein Gemälde „Autoportrait“ von 1906 zeigt durch die Lichtführung und die malerische Handschrift Anklänge an Vincent van Gogh und die Fauves. Hier ist bereits die für ihn typische kräftige Farbigkeit erkennbar, die sich mit der Zeit weiter intensivierte. Angeregt durch die Malerei Paul Cézannes begann Herbin, Gegenstände, Figuren und Landschaftsformen geometrisch zu vereinfachen und zu verfremden. In seinem Werk „Compotier, carafe et oranges“ von 1912 bleibt zwar der Raumeindruck erhalten, doch zeigt sich der Kubismus in der verzerrten Perspektive bei der Darstellung und Anordnung von Orangen, Kaffeetasse und Zuckerdose auf dem Tisch.
Herbin malte in Belgien, Frankreich, Deutschland und auf Korsika, beschäftigte sich früh mit dem Kubismus, dann mit einem flächig stilisierten Magischen Realismus, der bildlichen Darstellung von Musik, etwa in den fließenden runden Formen, Spiralen und Voluten des Gemäldes „Jazz“ von 1936, der Farbtheorie Goethes, die er zu einer kosmischen „Réalité Spirituelle“ entwickelte, und ließ sich in den 1930er Jahren nach der endgültigen Hinwendung zur abstrakten Kunst in Paris nieder. Hier gründete er 1931 zusammen mit gleichgesinnten Künstlern die Gruppe „Abstraction-Création“ und war deren Präsident. Im Zuge seiner intensiven Auseinandersetzung mit abstrakter Kunst und Farbtheorie entwickelte Auguste Herbin in seinem späten Schaffen das Konzept des „alphabet plastique“. Dabei ordnete er jedem Buchstaben von A bis Z einen Farbton und eine der vier geometrischen Formen Kreis, Dreieck, Halbkreis und Quadrat zu und führte zusätzlich mit den sieben Töne der italienischen Solmisation Do, Re, Mi, Fa, Sol, La und Si noch einen musikalischen Aspekt in seine Malerei ein. Dafür steht in der Ausstellung etwa sein Gemälde „Parfum n° 2“ aus dem Jahr 1954. Herbin nutzte dieses System bis zu seinem Tod 1960 kontinuierlich, um Wörter und Namen visuell in seinen Bildern zu buchstabieren.
Die Ausstellung „Auguste Herbin“ ist bis zum 19. Oktober zu sehen. Die Städtische Galerie im Lenbachhaus hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, zusätzlich am Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenfrei. Als Katalog liegt die 2024 erschienene Publikation „Auguste Herbin – le maître révélé 1882-1960“ für 32 Euro vor.
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
D-80333 München
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