Kunst für Kinder in München Das Münchner Haus der Kunst verfolgt mit seiner aktuellen Schau „Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968“ einen ungewöhnlichen Ansatz und präsentiert Kunst, die gezielt für junge Leute geschaffen wurde und oft zum Mitmachen einlädt. Ausgehend von den Fragen, was Kindsein heute bedeutet und ob Kindheit ein abgeschlossener Lebensabschnitt oder eine Form des Daseins ist, hat das Kuratorenteam um Direktor Andrea Lissoni in einer mehrjährigen Recherche und in Zusammenarbeit mit dem „Jugendbeirat“ von Schülerinnen und Schülern aus München Werke von zwanzig internationalen Künstler*innen seit den späten 1960er Jahren ausgewählt, unter anderem von Tarek Atoui, Yto Barrada, Olafur Eliasson, Emily Floyd, Jan Peter Hammer, Lygia Pape, Bruce Nauman, Rivane Neuenschwander und Afrah Shafiq. Sie behandeln auf eine spielerische Art universelle Themen wie Menschlichkeit, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Umwelt, Technologie und Zukunft, die uns zum ersten Mal in der Kindheit begegnen und uns ein Leben lang begleiten.
„Mit dieser Gruppenausstellung erkunden wir weiter neue Formen des Ausstellungsmachens, um etablierte Narrative zu hinterfragen und über gängige Stereotype der Kunstgeschichte hinauszublicken“, resümiert Lissoni das Anliegen der Ausstellung. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts beschränkte sich Kunst, die für Kinder geschaffen wurde, vor allem auf Spielzeug, Baukästen und Designobjekte. Doch Ende der 1960er Jahre begann sich die Kunsterziehung grundlegend zu verändern. 1968 bildeten Kunstpädagogen im Umfeld der Münchner Kunstakademie die Gruppe KEKS, die sich an den Ideen von Kunst, Erziehung, Kybernetik und Soziologie orientierte. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 definierte KEKS das Museum bewusst als „Handlungsraum“ und ermöglichte jungen Besucher, aktiv an Kunst und Kultur teilzunehmen. Dieser Ansatz war ein innovativer Versuch, das Museum als spielerisches Lernfeld neu zu definieren.
Die Gruppe bildet den historischen Ausgangspunkt der aktuellen Schau und wird mit einer Präsentation gewürdigt, in der ihre happeningartigen Aktionen und auch teils unveröffentlichtes Material aus den Archiven der KEKS-Mitglieder zu sehen sind. Die gesamte Ausstellung entfaltet sich über mehrere Bereiche des Hauses der Kunst, sogar bis hin zur Terrasse im Außenbereich. Dort lädt eine neue, aus Holz gefertigte Skulptur von Koo Jeong-a mit einem Magneten im Zentrum zum Skaten ein. Das „Haus der Magnet“ ist von allen Seiten zugänglich und für Skater aller Erfahrungsstufen nutzbar. Auch für Nicht-Skater bieten sich Wege zum Ausruhen, Beobachten und Begegnen. In diesem Werk ist das Qi von Koo Jeong-a spürbar, jene Lebensenergie, die in der östlichen Philosophie als Ursprung allen Seins verstanden wird.
Ei Arakawas Arbeit „Mega Please Draw Freely“ ist ebenfalls partizipatorisch angelegt: Kinder können in der zentralen Mittelhalle im Haus der Kunst ein gemeinsames Kunstwerk schaffen und dazu direkt auf den Boden zeichnen. Durch improvisierte kollektive Aktionen, Zeichnungen und Tänze werden sie Teil des Werks. Die Arbeit ist von der japanischen Avantgardegruppe Gutai inspiriert, wobei Ei Arakawa eine Performance des Gutai-Gründers Jiro Yoshihara aus dem Jahr 1956 reinszeniert. Basim Magdy hat 2018 mit „Pingpinpoolpong, or How I Learned to Laugh at Failure“ ein eigenartiges Tischtennisspiel mit besonderen Hindernissen entworfen, das die Geschicklichkeit der Spieler herausfordert, aber auch die Ernsthaftigkeit des sportlichen Tuns mit einem Augenzwinkern hinterfragt. Antoine Catalas „Jardin synthétique à l’isolement“ besteht aus Kunstrasen, künstlichen Pflanzen, Felsen, Bildschirmen und Geräuschen. Die Installation, die der Franzose mit Pädagogen für stumme Kinder 2014 entwickelte, will ein Erlebnisraum sein und Gefühle wecken, genauso wie Eva Kotátkovás Raumgefüge „Blankets, Monsters, Anna and the World“.
Die Ausstellung „Für Kinder. Kunstgeschichte seit 1968“ läuft bis zum 1. Februar 2026. Das Haus der Kunst hat täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Das Hausticket Large, das zum Eintritt in alle Ausstellungen berechtigt, kostet 15 Euro, ermäßigt 11 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 5 Euro. Begleitend zur Ausstellung erscheint im Herbst ein umfangreicher Katalog im Distanz Verlag.
Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
D–80538 München
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