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Tiefenbohrung zum Werk eines Verschollenen: Die Hamburger Kunsthalle präsentiert den legendären „Künstler-Künstler“ Bas Jan Ader

Konzeptkunst mit emotionalem Kick



Am 10. April 1976 stößt ein spanischer Fischtrawler ungefähr 150 nautische Meilen südwestlich von Irland auf ein zu zwei Dritteln zerstörtes Segelboot. Keine Spur von der Besatzung. Die Crew des Trawlers hievt das Wrack an Deck und nimmt es mit in den Hafen von La Coruña, wo es von den Behörden genauer untersucht wird. Bei ihren Recherchen stoßen die Beamten auf den Reisepass von Bas Jan Ader. Was genau mit ihm geschehen ist, konnte niemals restlos aufgeklärt werden. Fest steht nur, dass der niederländische Konzeptkünstler am 9. Juli 1975 in Cape Cod, Massachusetts, mit seiner kleinen Segelyacht „Ocean Wave“ voller Optimismus aufgebrochen war, um in rund 60 Tagen den Atlantik zu überqueren. Anschließend geplant war eine große Ausstellung im Groninger Museum. Der Funkkontakt war jedoch schon nach drei Wochen abgebrochen.


Mit dem Verschwinden von Bas Jan Ader wurde eine viel versprechende Künstlerkarriere jäh beendet, gleichzeitig entstand eine der bis heute mysteriösesten Künstlerlegenden. Der bei seinem Verschwinden erst 33 Jahre alte Künstler hatte dies- und jenseits des Atlantik bereits durch Einzel- und Gruppenausstellungen auf sich aufmerksam gemacht. Schon über seine erste Galerieausstellung hatten renommierte Zeitungen wie die Washington Post und die Village Voice äußerst wohlwollend berichtet.

Wie kaum ein anderer Künstler vor oder nach ihm hat er sein Gesicht und seinen Körper zu Projektions- und Verdichtungsflächen für zutiefst menschliche Erfahrungen der existenziellen Einsamkeit, der Trübnis und des Schmerzes, der Trauer und Verzweiflung gemacht. Sein stummer Kurzfilm „I’m too sad to tell you“ von 1970/71 zeigt rund dreieinhalb Minuten lang ein Brustbild des stets dunkel gekleideten, zutiefst betrübten Künstlers, die ein oder andere über seine Wangen kullernde Träne inbegriffen. Wen oder was er betrauert, bleibt unausgesprochen. Aber genau das macht auch die Stärke dieser und anderer seiner Arbeiten aus, nämlich Grundkonstanten menschlicher Emotionen wie in einem Brennglas auf das Wesentliche zu reduzieren.

Auf ambivalente Art und Weise humorvoll und sicherlich auch von historischen Vorläufern wie der Commedia dell’arte und dem Slapstick-Film der 1920er Jahre geprägt, sind wiederum die tonlosen 16-mm-s/w-Filme, in welchen Bas Jan Ader mit nahezu akrobatischer Könnerschaft vom Dach seines Hauses herabrollt, mit dem Fahrrad in eine Amsterdamer Gracht fährt oder urplötzlich vom Stuhl fällt. Dass er aber auch die jüngere Kunstgeschichte seiner niederländischen Heimat zu reflektieren wusste, demonstrieren mehrere Arbeiten, in denen er sich spielerisch-ironisch an der geometrischen Strenge im Werk Piet Mondrians abarbeitet.

Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle nimmt den 50. Jahrestag des Verschwindens von Ader zum Anlass, diesem „Artist’s Artist“ eine umfangreiche und wertschätzende Ausstellung zu widmen. Ebenso hätte diese in Los Angeles, Amsterdam oder New York präsentiert werden können. Aber vielleicht sind die Hafenstadt Hamburg und die Kunsthalle mit ihrer stark von der Romantik geprägten Sammlung auch genau der richtige Ort für ein solches Unternehmen, zumal Brigitte Kölle, Co-Leiterin der Galerie der Gegenwart und Kuratorin der Schau, zentrale Arbeiten des Künstlers bereits in den thematischen Gruppenausstellungen „Besser Scheitern“ 2013 und „Trauern“ 2020 vorgestellt hat.

Bastiaan Johann Christiaan Ader wurde am 19. April 1942 in Drieborg, einem kleinen Dorf in der niederländischen Provinz Groningen, geboren. Beide Eltern waren calvinistische Prediger und im Widerstand gegen die deutschen Besatzungstruppen engagiert. Aders Vater, der über 200 jüdischen Mitbürgern geholfen hatte, unterzutauchen, wurde 1944 von den Nazis hingerichtet. 1960/61 begann Bas Jan Ader zunächst ein Kunststudium in Amsterdam, das er dann ab 1963 in Kalifornien fortsetzte und 1969 dort abschloss. Abgesehen von einigen kurzen Aufenthalten in Europa hat er danach permanent in Kalifornien gelebt. Sein Künstlerkollege, der heute 81jährige Allen Ruppersberg, beschreibt den stets in Marineblau gekleideten Ader als „kultivierten Europäer“, einen „Dandy“. Seine zwischen gelebtem Leben und Selbstinszenierung changierende Existenz gleiche einer „literarischen Schöpfung“, so Ruppersberg.

Das Verdienst der Hamburger Ausstellung besteht darin, die bislang wohl weltweit profundeste Tiefenbohrung zum Werk des Verschollenen zu liefern. Von studentischen Arbeiten auf Papier und Leinwand spannt sich der Bogen über Fotografien, Filme und Videos bis zum Teil rekonstruierten Installationen. Aber auch aufschlussreiche Ephemera wie Notizen, Einladungskarten, Zeitungsausschnitte und die Korrespondenz mit anderen Akteuren des Kunstbetriebs lassen Bas Jan Ader nahezu wiederaufleben und streckenweise fast als einen Heutigen erscheinen. Gerade wer jetzt Kunst studiert, dürfte aus der Beschäftigung mit Bas Jan Aders Werk, das seiner Zeit weit voraus war, auch heute noch wertvolle Impulse und Inspirationen mit nach Hause nehmen. Dazu gehört neben einer gewissen Risikobereitschaft auch der Mut, die eigene, womöglich brüchige Existenz in einer immer stärker erfolgsgetriebenen Welt nicht zu verleugnen, sondern in Arbeiten voller poetischer Sensibilität zum Ausdruck zu bringen.

Die Ausstellung „Bas Jan Ader – I’m Searching…“ ist bis zum 24. August zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenfrei. Der englischsprachige Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König kostet im Museum 39,80 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengießerwall 5

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



15.08.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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