Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Das flanierende Paar / Max Stern

Das flanierende Paar / Max Stern
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer

Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer
© Döbele Kunst Mannheim


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Lempertz in Köln verzeichnete eine stabile Nachfrage. Überraschungen gab es aber nur wenige

Memento Mori in Bewegung



Man kann Zdenek Sýkora als „Hauskünstler“ von Lempertz titulieren. Der Tscheche ist ein gern gesehener Gast bei dem Kölner Versteigerer und sorgt dort mit seinen ungegenständlichen Werken regelmäßig für eine lebhafte Nachfrage und hohe Zuschläge. So erzielte Lempertz im Juni 2021 bei einer Schätzung von 180.000 bis 220.000 Euro mit Sýkoras „Linien Nr. 31“ von 1985 den damals gültigen Auktionsrekord von 860.000 Euro netto. Auch heuer war der Documenta-Teilnehmer prominent mit einem seiner „Linienbilder“ in Köln vertreten, an denen er ab 1972 arbeitete und die ihm als sinnlich höchst ansprechende Meditationen über das Verhältnis von System und Zufall in der Kunst weltweiten Ruhm einbrachten. Dabei sind auf seinen „Linien Nr. 22“ von 1982 gar keine Linien, sondern vielmehr runde bunte Kreise zu sehen. Doch auch hier folgte Sýkora den selben kompositorischen Prinzipien wie bei seinen „klassischen“ Linienbildern, konzipierte das Gemälde mit Hilfe des Computers und mathematisch strukturierten Zufallsverteilungen als Parameter für Farbe, Breite und Radienentwicklung und übertrug diese errechneten Vorgaben malerisch auf die weiße quadratische Leinwand. Angesetzt mit 180.000 bis 230.000 Euro, zogen die „Linien Nr. 22“, unterstützt durch zahlreiche Gebote aus Sýkoras Heimat, auf 480.000 Euro an.


Mit den meist soliden Zuschlägen zeigte sich Auktionator Henrik Hanstein zufrieden, konnte Dreiviertel der insgesamt 77 Losnummern des „Evening Sale“ mit Kunst des 20. Jahrhunderts an den Mann bringen und fuhr samt Nachverkauf einen Bruttoumsatz von knapp 5,8 Millionen Euro ein. Der wäre freilich etwas höher ausgefallen, hätten unter anderem Max Liebermanns heiterer impressionistischer Sommertag mit „Spaziergängern im Tiergarten“ (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR), Emil Noldes farbkräftiger Küstenausschnitt „Einschiffung“ von 1911 mit einem Pferdegespann, das in der bewegten See auf ein Schiff zusteuert (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR), Lucio Fontanas dunkelbraunes, mit mehreren Messerstichen perforiertes „Concetto spaziale“ von 1958 (Taxe 600.000 bis 700.000 EUR) oder Jason Rhoades’ wirr zu Kreisformen zusammengebundene, rote und schwarze Kabelstränge „Wiring Harness“ von 1998 einen Abnehmer gefunden (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Mit Spannung war der Verkauf mehrerer Arbeiten aus Oskar Schlemmers Nachlass erwartet worden. Nach jahrzehntelangem Rechtsstreit einigten sich die Erben der Künstlerwitwe Tut Schlemmer im vergangenen Dezember auf einen gerichtlichen Vergleich und ließen nun 21 Werke des Bauhaus-Künstlers bei Lempertz versteigern, sicher auch um Prozesskosten zu decken. Doch der Markt nahm nicht alles bereitwillig auf. Während sich ein privater Sammler zu Beginn der Schlemmer-Suite bei dem charakteristischen Aquarell „Großer Kopf im Profil“ von 1932, das als Leihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart hing, mit 150.000 Euro unnachgiebig zeigte (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR), fand sich für das Ölgemälde „Sechs-Köpfe-Fries“ von 1935 kein Interessent (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR). Als Höhepunkt war die großformatige „Komposition auf Rosa“, mit der Schlemmer 1930 eigenhändig ein Werk des Jahres 1916 rekonstruierte, mit 1,2 bis 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Doch für die geometrisch vereinfachte Jünglingsfigur, die Schlemmer als flaches silbernes Holzrelief diagonal auf einem rosafarben Grund aufbrachte und mit teils aufgelösten figuralen sowie geometrischen Elementen anreicherte, gab es laut Hanstein nur zwei Vorgebote bis 1,1 Millionen Euro. Nachdem der Vorbehalt aufgelöst war, konnte er die Leinwand zu diesem Wert einem Museum zuschlagen. Das ist aber immer noch der höchste Preis, der jemals in Deutschland für ein Werk Schlemmers bewilligt wurde.

In der nachfolgenden Tagesauktion zogen die Zeichnungen viel Aufmerksamkeit auf sich, in denen Schlemmer menschliche Gestalten und Köpfe aus geometrischen Formen konstruiert hatte: Zwei weibliche Figuren von 1916/19 für jeweils 18.000 Euro (Taxen je 9.000 bis 12.000 EUR), eine gleichaltrige „Abstrakte Figur, frontal“ für 22.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), der wohl erste Entwurf für Schlemmers berühmtes Gemälde „Bauhaustreppe“ für 30.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), ein exakter „Geometrischer Kopf nach rechts“ von 1922 für 54.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR) und sein Pendant „Geometrischer Kopf nach links“ für 58.000 Euro (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Aus anderem Sammlungszusammenhang war noch Schlemmers posthum gegossenes Bronzerelief „Bauplastik R“ mit einer in Rechteckfeldern eingepassten und wiederum geometrisch gefassten Figur von 1919 zu haben, das sich aber schon mit 110.000 Euro zufriedengab (Taxe 140.000 bis 160.000 EUR).

Gute Ergebnisse bei der Moderne erzielten dann Lovis Corinths freundlich aus dem Oval lächelnder „Mädchenkopf im Kissen“ von 1898 mit 75.000 Euro (Taxe 70.000 EUR), August Mackes expressionistischer „Don Quichotte“ auf seinem Pferd mit Sancho Panza im Hintergrund bei 40.000 Euro an der oberen Schätzgrenze, der stark an Honoré Daumiers berühmte Schöpfung angelehnt ist, oder die kurz nach dem Tod von Wilhelm Lehmbruck gegossene und hellbraun getönte Gipsfigur „Kleine Sinnende“ von 1910/11 für 34.000 Euro (Taxe je 30.000 bis 40.000 EUR). Nach mehreren Anläufen und Preisreduzierungen fand diesmal Hermann Max Pechsteins um 1920 entstandene farbintensive Urlaubserinnerung „Dorfende und Wanderdüne in Nidden“ samt Porträt seines heranwachsenden Sohnes „Frank im Lupinenfeld mit Schmetterlingen“ auf der Rückseite diesmal bei 135.000 Euro einen Liebhaber (Taxe 140.000 bis 160.000 EUR). Über regen Zuspruch durfte sich der Kölner Progressive Heinrich Hoerle freuen, der mit der Wiederentdeckung eines melancholisch empfundenen Halbakts „Mädchen am Fenster“ von 1929 auf 110.000 Euro kam (Taxe 80.000 EUR).

Auch bei Marc Chagall gab es keine Probleme, als seine nachtblaue träumerische Gouache „L’oiseau bleu“ von 1952 an die Reihe kam und 360.000 Euro erlöste (Taxe 350.000 bis 400.000 EUR). Schwerer tat sich Heinrich Campendonk mit seiner farbleuchtenden, kubistisch und expressionistisch angehauchten „Komposition mit 2 Figuren“ von 1912. Die Arbeit, die bisher im Besitz der Familie Campendonk verwahrt wurde, erreichte zwar die untere Bewertung von 220.000 Euro, doch der Vorbehalt konnte nicht aufgelöst werden. Bei den Skulpturen reüssierte Max Ernsts Bronze „Mon ami Pierrot“, eine der letzten plastischen Arbeiten des Künstlers aus dem Jahr 1974. Die lustig-drollige Tierfigur wanderte bei hohen 260.000 Euro ins europäische Ausland (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Gut schlug sich zudem Gerhard Marcks’ elegischer Akt „Mädchen mit großem Tuch“ von 1936 bei 52.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Eine eigene Passage der Abendauktion bildeten 21 Tierplastiken von August Gaul, die bis auf eine Ausnahme aus der Kunstsammlung von Alfred Cassirer stammten und bislang im Besitz seiner Nachkommen blieben. Der Großteil davon verabschiedete sich meist im Rahmen der Schätzungen mit dem „Orang-Utan“ bei 11.000 Euro an der Spitze (Taxe 4.000 EUR). Als Unikat wurde aus der Sammlung Oscar Schmitz Gauls ausdrucksstarke Modellfassung „Kämpfende Wisente“ angeboten, die er 1905 für die Stadt Königsberg im großen Format für eine Brunnenanlage ausführte. Hier kamen taxkonforme 36.000 Euro zusammen.

Neben dem Sýkora-Zuwachs gab es in der jüngeren Kunst wenig Überraschendes. Christo und Jeanne-Claudes charakteristisch mit Stoff collagierter Entwurf für das Verhüllungsprojekt an der Porta Pinciana bei Villa Borghese in Rom aus dem Jahr 1974 orientierte sich mit 40.000 Euro an den vorgegebenen Rahmen, genauso wie William Nelson Copleys subversiv gespaltene Menschenfiguren „Intolerance“ von 1982 mit 95.000 Euro oder Andy Warhols Prominentenportrait „Mick Jagger“ von 1975 mit 70.000 Euro. Etwas unter den Erwartungen blieben Imi Knoebels mit Kratzspüren übersätes, dreiteiliges wandfüllendes „Schwarzes Bild I – Metropolis“ von 1991 bei 90.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) und Karin Kneffels hyperrealistischer überdimensionierter Fruchtzweig mit leuchtend roten, glänzenden Äpfeln und sattgrünen Blättern auf dem Landschaftsgemälde „F. XIX“ von 1996 mit 130.000 Euro (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR).

Auch Günther Uecker entfaltete diesmal nicht die vertraute Zugkraft. Seine 1975 streng genagelte „Diagonalstruktur (Parallelstrukturen No. 6)“ schloss schon bei 95.000 Euro ab. 1966 konstruierte er die nun 100.000 Euro teure „Sandmühle“, einen mit Sand gefüllten Kasten, in dem sich an einer Stange befestigte Nägel kreisförmig durch Sandkörner bewegen. Da die darin gezogenen Spuren immer nur für eine kurze Zeit bestehen, bezeichnete Uecker diese Arbeit als ein „kinetisches Memento Mori“ (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Einer zog dann aber doch noch die Aufmerksamkeit der Bieter auf sich: Sigmar Polke. Ein gewisses Maß an Zufall baute er bei einer unbetitelten Arbeit ein, indem er die Farbsubstanzen auf einen mit Kreisen bedruckten Nesselstoff goss und sie durch Schwenken des Malgrunds in unvorhersehbare Bahnen lenkte. Das gefiel den Sammlern, die das Werk aus dem Jahr 1986 von 70.000 auf 150.000 Euro hoben.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



17.08.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 17

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Berichte (1)Kunstwerke (14)

Veranstaltung vom:


30.05.2025, Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst

Bei:


Kunsthaus Lempertz

Bericht:


Die Kunst der Sekretärin

Kunstwerk:

Wilhelm Lehmbruck, Kleine Sinnende, 1910/11
Wilhelm Lehmbruck, Kleine Sinnende, 1910/11

Kunstwerk:

August Macke, Don Quichotte, 1912
August Macke, Don Quichotte, 1912

Kunstwerk:

August Gaul, Orang-Utan, um 1896
August Gaul, Orang-Utan, um 1896

Kunstwerk:

Lovis Corinth, Mädchenkopf im Kissen, 1898
Lovis Corinth, Mädchenkopf im Kissen, 1898

Kunstwerk:

Oskar Schlemmer, Bauhaustreppe, 1928
Oskar Schlemmer, Bauhaustreppe, 1928

Kunstwerk:

Oskar Schlemmer, Geometrischer Kopf nach links, 1922
Oskar Schlemmer, Geometrischer Kopf nach links, 1922







August Gaul,  Kämpfende Wisente, 1904/05

August Gaul, Kämpfende Wisente, 1904/05

Taxe: 35.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 36.000,- EURO

Losnummer: 34

Oskar Schlemmer,  Bauhaustreppe, 1928

Oskar Schlemmer, Bauhaustreppe, 1928

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 30.000,- EURO

Losnummer: 197

Oskar Schlemmer,  Geometrischer Kopf nach links, 1922

Oskar Schlemmer, Geometrischer Kopf nach links, 1922

Taxe: 15.000 - 18.000 EURO

Zuschlag: 58.000,- EURO

Losnummer: 193

Oskar Schlemmer,  Weibliche Figur, 1916/19

Oskar Schlemmer, Weibliche Figur, 1916/19

Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 189

Oskar Schlemmer,  Bauplastik R, 1919

Oskar Schlemmer, Bauplastik R, 1919

Taxe: 140.000 - 160.000 EURO

Zuschlag: 110.000,- EURO

Losnummer: 54

Lovis Corinth,  Mädchenkopf im Kissen, 1898

Lovis Corinth, Mädchenkopf im Kissen, 1898

Taxe: 70.000,- EURO

Zuschlag: 75.000,- EURO

Losnummer: 5

August Gaul,  Orang-Utan, um 1896

August Gaul, Orang-Utan, um 1896

Taxe: 4.000,- EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 14

Oskar Schlemmer,  Abstrakte Figur frontal, 1919

Oskar Schlemmer, Abstrakte Figur frontal, 1919

Taxe: 7.000 - 9.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 192

Heinrich Hoerle,  Mädchen am Fenster, 1929

Heinrich Hoerle, Mädchen am Fenster, 1929

Taxe: 80.000,- EURO

Zuschlag: 110.000,- EURO

Losnummer: 40

Wilhelm Lehmbruck,  Kleine Sinnende, 1910/11

Wilhelm Lehmbruck, Kleine Sinnende, 1910/11

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 34.000,- EURO

Losnummer: 39

Oskar Schlemmer,  Geometrischer Kopf nach rechts, 1922

Oskar Schlemmer, Geometrischer Kopf nach rechts, 1922

Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 54.000,- EURO

Losnummer: 192a

Oskar Schlemmer,  Komposition auf Rosa (Rekonstruktion), 1916/30

Oskar Schlemmer, Komposition auf Rosa (Rekonstruktion), 1916/30

Taxe: 1.200.000 - 1.500.000 EURO

Zuschlag: 1.100.000,- EURO

Losnummer: 52




Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce