Medienkunststipendium für Jana Kerima Stolzer  |  | Gewinnerin des Medienkunststipendiums NRW: Jana Kerima Stolzer | |
Jana Kerima Stolzer erhält das mit 7.660 Euro dotierte Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2024/25. Die Jury, die mit Arjon Dunnewind vom niederländischen Impakt Festival, Sarah Reimann vom Hebbel am Ufer in Berlin und der freien Kuratorin Vanina Saracino besetzt war, wählte die 1989 in Kandel bei Karlsruhe geborene Künstlerin aus 125 Bewerbungen aus. Stolzer verwebe in ihrer künstlerischen Praxis Video, Sound, Text und digitale Technologien, um dichte, spekulative Erzählungen zu schaffen, die eine mehr-als-menschliche Perspektive auf unsere gegenwärtige Welt eröffnen, heißt es in der Begründung der Jury und weiter: „Ihre Arbeit zeichnet sich durch interdisziplinäre Forschung, einen ausgeprägten Sinn für wissenschaftlich fundierte Erzählungen und den Einsatz modernster visueller Technologien wie 3D-Scanning und KI-basierte Sprachsynthese aus.“
Mit dem Preisgeld will Jana Kerima Stolzer ihr Projekt „HyperAccu“ realisieren, das die Jury durch „die inhaltlichen Tiefe, die forschungsbasierte Methodik sowie die ästhetische Qualität und Präzision“ überzeugte. In der geplanten Videoinstallation will Stolzer dokumentarisches Filmmaterial, 3D-Scans von ausgebeuteten Landschaften und fiktionale Elemente zu einem spekulativen Ökokosmos zusammenführen und damit eine Pflanze, einen „Hyperakkumulator“, erforschen, der in der Lage ist, Schwermetalle aus kontaminiertem Boden zu extrahieren. Ihr Nickelbaum wird zum Protagonisten einer multiperspektivischen Erzählung, die von postindustriellen Brachen in Nordrhein-Westfalen bis zu den extraktivistischen Realitäten in Indonesien reicht und die globalen Verstrickungen der sogenannten „grünen“ Mobilitätswende nachzeichnet. Ausgehend von wissenschaftlichen Fakten und historischen Bezügen entfaltet Stolzer eine Darstellung, in der ökologische, ökonomische und politische Dimensionen eng miteinander verwoben sind.
Jana Kerima Stolzer schloss 2015 ihr Studium der Fotografie an der Folkwang Universität Essen mit dem Bachelor ab. Dann studierte sie bis 2017 Freie Kunst an der Kunstakademie Münster in der Klasse von Aernout Mik. 2020 erhielt Stolzer ein Fellowship an der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund und eröffnete 2023 ihre erste institutionelle Einzelausstellung im Hartware Medienkunstverein in Dortmund. Ihre künstlerische Praxis formt sich aus den Geschichten jener Lebewesen, die in der Realität keine Stimme besitzen: Flora und Fauna, Pilze und Mikroorganismen, die nach intensiven Recherchephasen ihren Auftritt in multimedialen Installationen haben, die Stolzer meist gemeinsam mit Lex Rütten realisiert.
Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft finanziert wird, wird seit dem Jahr 2000 vergeben und durch das Büro medienwerk.nrw betreut. Die Stipendiatin erhält sechs Monate lang eine Unterstützung in Höhe von monatlich 1.000 Euro sowie eine einmalige Materialpauschale von 1.660 Euro. Ziel des Stipendiums ist es, die Entwicklung eines neuen Werks zu fördern sowie der Künstlerin mit Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen Freiraum für die Erprobung neuer künstlerischer Methoden und Herangehensweisen zu ermöglichen. |